Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Polen zählt traditionell nicht zu den Einwanderungsgesellschaften in Europa, sondern hat sich eher als Auswanderungsland begriffen. Seit dem 19. Jahrhundert gab es große Auswanderungswellen vor allem nach Deutschland (Ruhrgebiet), Frankreich und in die USA. Der Fall des Eisernen Vorhangs hat noch einmal eine Welle der Auswanderung in Richtung Westen ausgelöst. Diese Sichtweise wandelt sich langsam und Polen versteht sich auch als Land, in dem sich Einwanderer in größeren Gruppen ansiedeln [Górny, A. et al., (Eds.). (2010). Poland: Becoming a Country of Sustained Immigration. IDEA Working Paper 10]. Nach Angaben des Polnischen Statistikamts liegt die Zahl der Auswandernden immer noch über der Anzahl der zuwandernden Personen, geht aber weiter langsam zurück, während die Zahl der Zuwandernden weiter steigt.
Jugendliche Migrant/-innen
Verlässliche Daten über jugendliche Migranten/-innen wurden bislang kaum erhoben. Die spezifische Problematik der Jugendlichen mit Migrationshintergrund rückt erst langsam in den Fokus der polnischen Politik. Die Integration dieser Jugendlichen erfolgt im Wesentlichen über das Bildungssystem und qualifizierten Polnischunterricht. Für das Schuljahr 2003/ 2004 hat das Bildungsministerium folgende Zahlen ausländischer Schüler-/innen veröffentlicht. Für diesen Zeitraum wurden 3437 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im polnischen Schulsystem ermittelt.
Aufschlüsselung nach Schulformen:
Grundschule: 2 028
Sekundarbereich I: 714
Sekundarbereich II: 439
Allgemeine Berufsfachschule: 19
Berufsschule: 89
Postsekundäre Schulen: 133
Lehrerausbildung: 12
Kunsthochschule: 15
(Quelle: International Organisation for Migration, Vienna: Izabela Korys: Migrant youth in Poland - is a tide coming up? 2005)
Seit 2001 gibt es eine Gesetzesregelung, die die schulischen Belange der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund regelt. Hiernach dürfen nicht schulpflichtige Kinder ohne polnische Staatsangehörigkeit die staatlichen Betreuungsangebote im vorschulischen Bereich wahrnehmen. Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren müssen bei einer kommunalen Verwaltung angemeldet werden. Diese Nicht-Muttersprachler-/innen haben in der Grundschule und der Sekundarstufe I seit 2004 das Recht auf kostenlosen zusätzlichen Polnischunterricht. Dieser kann für maximal ein Schuljahr bei mindestens zwei Unterrichtsstunden pro Woche gewährt werden. 2003 fand der erste Ausbildungszyklus für entsprechende Lehrkräfte statt, der vom Ministerium für Bildung und dem „Polonia“ Lehrerzentrum in Lublin organisiert wurde. In der Entwicklung der Unterrichtscurricula sowie bei der Ausbildung der Lehrer/-innen wird der Aspekt des interkulturellen Lernens seit 2002 verstärkt berücksichtigt.
(Quelle: Integrating immigrant children into schools in Europe. Poland: national description 2003/04 by Eurydice)
2011 hat Polen die Migrationspolitik einer Prüfung unterzogen. Zukünftig soll noch mehr Gewicht auf die Integration von Migrant(inn)en in die polnische Gesellschaft gelegt werden. Integrationsprogramme sollen den Migrant(inn)en dabei helfen, sich in die polnische Gesellschaft zu integrieren, in dem sie die Sprache lernen, sich weiterqualifizieren, um passende Arbeit und dementsprechend auch passenden Wohn raum zu finden. Unterstützt wird auch die Idee der Gründung von Vereinen, in den polnische Bürger/-innen und Migrant(inn)en zusammenkommen. Die Integrationsförderung der Kinder und Jugendlichen soll weiterhin über das Bildungssystem erfolgen.
(Quelle: www.msw.gov.pl/portal/en/1/653/New_migration_policy_in_Poland.html gesehen 2.2.2012)
Links
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/13631/ - Link zur Dissertation von Ziolek-Skrzypczak, Magdalena (2011): Managing Integration of Immigrant Youth in the United States, Germany, and Poland. LMU München: Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften (in Englisch)
www.focus-migration.de/Polen_Update_02_200.2810.0.html - Länderprofil Polen, Migration und Bevölkerung, Januar 2008
www.bpb.de/themen/F9K0YR,0,0,Polen.html - Themenspecial der Bundeszentrale für politische Bildung zu Migration, hier Länderprofil Polen


