Kinder- und Jugendhilfe in der Praxis
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Jugendverbandsarbeit
Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit
Überregionale Jugendverbände
Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit
Das polnische Jugendverbandswesen, besonders auf nichtstaatlicher Ebene, hat seit 1989 eine äußerst dynamische Entwicklung genommen, die die Anzahl der Vereinigungen und Stiftungen hat deutlich ansteigen lassen. Hier sind in den letzten Jahren zahlreiche formelle und informelle Organe entstanden, die sich unter dem Titel eines städtischen Jugendrates, eines Jugendparlamentes oder Jugendforums der Wojewodschaft organisieren.
Viele Organisationen und Vereine entstanden und entstehen aus spontanen Initiativen und meist auf regionaler oder kommunaler Ebene. Sie engagieren sich vor allem im Bereich der Hilfe und Selbsthilfe für Kinder, Jugendliche und kranke Kinder. Auch die katholische Kirche engagiert sich im Bereich der Familiensozial- und der Jugendarbeit.
Die Studie NGOs in Poland. Basic facts des Verbandes Klon/Jawor von 2004 analysiert die Aktivitäten von 950 Verbänden und Organisationen aus, die stellvertretend und repräsentativ für die rund 52 000 registrierten Nichtregierungsorganisationen und Stiftungen in Polen stehen.
Am aktivsten sind die Nichtregierungsorganisationen im Bereich Sport, Tourismus, Erholung und Hobby (38,6 %), gefolgt von Kultur und Kunst (11,6 %), Bildung und Erziehung (10,3 %) sowie Soziale Dienste und soziale Hilfe (10 %) und Gesundheitsschutz (8,2 %). Sehr viele Organisationen haben ein sehr breit gefächertes Angebot und dahingehend analysiert, würde der Bereich Bildung und Erziehung an die zweite Stelle (über 40 %) nach Sport, Tourismus, Erholung und Hobby rücken. Diese Organisationen leisten sowohl Bildungs-, Informations-, präventive und instruktive Arbeit oder arbeiten insbesondere mit Kindern und Jugendlichen.
Link
www.ngo.pl – Informations- und Kommunikationsplattform für und über polnische Nichtregierungsorganisationen
Überregionale Jugendverbände
Schon zu sozialistischen Zeiten entstand der Polnische Pfadfinderverband (Związek Harcerstwa Polskiego), mit 200 000 Mitgliedern stärkster Pfadfinderverband in Polen. Seit 1996 ist er wieder Mitglied in der Weltorganisation der Pfadfinderbewegung. Nach 1989 entstanden ist der Pfadfinderverband der Republik (Związek Harcerstwa Rzeczypospolitej).
Der Bund der Landjugend (ZMW - Związek Młodzieży Wiejskiej) ist einer der ältesten und größten Jugendverbände Polens, der auf seiner Internetseite viele Informationen, links und Foren zu Europa anbietet.
Politische Bildung
Der Begriff der politischen Bildung wird als solcher in Polen nicht benutzt, da Assoziationen mit politischer Indoktrination und dem sozialistischen System dabei kaum zu vermeiden sind. Dennoch gibt es, nur unter anderem Namen (Demokratieerziehung, staatsbürgerliche Bildung oder ähnliches), politische Jugendbildung im Sinne einer Vermittlung von Kenntnissen über Staat, Gesellschaft und politische Strukturen, einer Befähigung zur Wahrnehmung und Ausübung demokratischer Rechte und Pflichten. Angebote dieser Art machen unter anderem einige der in der Föderation Polnischer Begegnungsstätten (FPDS - Federacja Polskich Domów Spotkań) zusammengeschlossenen Häuser.
Es gibt keine der deutschen Bundes- beziehungsweise Landeszentrale für politische Bildung vergleichbare Institutionen.
Parteipolitisches Engagement zeigt nur ein marginaler Teil der Jugendlichen. Zwar hat fast jede Partei eine ihr nahe stehende Jugendorganisation, doch sind deren Mitgliederzahlen verschwindend gering.
Kulturelle Bildung
Für den Bereich der kulturellen Bildung ist in Polen allgemein das Ministerium für Kultur (Ministerstwo Kultury) zuständig.
Für die kulturelle und künstlerische Bildungsarbeit im formalen Bereich gibt es im Kultusministerium eine eigene Abteilung, das Departament Szkolnictwa Artystycznego i Edukacji Kulturalnej.
Zuständig für internationale Kontakte des Kultusministeriums ist das Departement für internationale Zusammenarbeit (Departament Współpracy z Zagranicą).
Sport
Organisierter Breitensport für Jugendliche außerhalb von Schule und Universität spielt in Polen eine wesentlich geringere Rolle als in Deutschland. Das liegt sicher zu einem ganz wesentlichen Teil am Mangel an Sportstätten. Zwar sind in den letzten Jahren eine Reihe privater Einrichtungen entstanden, diese allerdings verfügen oft nur über wenig Raum und bieten daher meist nur Bodybuilding und Gymnastik an, noch dazu zu Preisen, die sich nicht jeder leisten kann. Besonders beliebte Sportarten sind Fußball und Basketball, daneben aber auch Urlaubssportarten wie Wandern, Segeln und Kanu fahren.
Zwei große Verbände im Bereich des Schüler- beziehungsweise. Studentensports sind der Schulsportverband (Szkolny Związek Sportowy) und der Akademische Sportverband (Akademicki Zwiazek Sportowy). Letzterer unterhält ein Internationales Zentrum für Jugendaustausch (Międzynarodowe Centrum Spotkań Młodzieży).
Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder
In Polen engagieren sich viele Organisationen und Vereine, die aus spontanen Initiativen entstehen, vor allem im Bereich der Hilfe und Selbsthilfe für Kinder, Jugendliche und kranke Kinder. Auch die katholische Kirche engagiert sich im Bereich der Familiensozial- und der Jugendarbeit.
Von staatlicher Seite werden zahlreiche Maßnahmen unternommen, die in den Bereich der Jugendsozialarbeit fallen. Hier sei zum Beispiel das Gesetz über die Beschäftigung und Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit erwähnt, das selbstverständlich auch die Förderung jugendlicher Arbeitsloser mit einbezieht. Neben diesem Gesetz existieren noch weitere gesetzliche Regelungen und staatliche Organisationen, die im Bereich der Jugendsozialarbeit tätig sind. Auch die im April 2003 vom Ministerium für nationale Bildung und Sport verabschiedete Entwicklungsstrategie bis 2010 für lebenslanges Lernen hat zum Ziel, die „hohe Arbeitslosigkeit, vor allem bei jungen Leuten bis 35 Jahre“ zu senken.
Einen Dachverband für die Belange der Jugendsozialarbeit gibt es in Polen nicht.
Polen ist Mitglied des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zum polnischen Büro gibt es unter http://www.brpd.gov.pl
Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche
Übersicht über die Kirchen und Religionsgemeinschaften
Polen ist von seiner Geschichte und Tradition sehr katholisch geprägt. Über 90 Prozent der Polen rechnen sich zur Katholischen Kirche zugehörig. Es sind gibt aber natürlich auch einige protestantische Kirchen, die Jugendarbeit anbieten. Das weitaus größte Spektrum bietet allerdings die katholische Kirche, die auch vom Staat besonders gefördert und unterstützt wird (worunter oft die kleinen protestantischen Kirchen leiden).
Verhältnis zwischen Staat und Kirche
Das Verhältnis zwischen Staat und Kirche unterscheidet sich in Polen sehr von den laizistisch geprägten Ländern. Die Einflüsse der katholischen Kirche reichen in der Politik bis in die höchsten Positionen hinein, Kirchenvertreter genießen eine privilegierte Stellung im Staat. Gerade nach dem Wahlsieg der nationalkonservativen Partei PIS im Dezember 2005 unter Lech Kacynski scheint das Band zwischen Staat und katholischer Kirche noch enger geknüpft zu sein, die kleinen protestantischen Religionsgemeinschaften drohen hierbei ins Abseits gedrängt zu werden.
Situation während und nach dem Kommunismus
Die kommunistische Partei versuchte meist erfolglos, die Religion aus dem Staat zu verdrängen, obwohl zahlreiche Priester, Ordensleute, Bischöfe und Kardinäle unter massiven Druck gesetzt wurden. Die volkskirchliche Tradition in Polen war so stark, dass der Staatsapparat trotz eines engen Netzes von Bespitzelungen und Geheimdiensten gegen die Bevölkerungsmasse machtlos war, große Wallfahrten (z.B. Tschenstochau) konnten ebenso wenig verhindert werden wie Versuche, neue „Städte ohne Gott und Kirche“ (z.B. Arbeiterstadt „Nowa Huta“) zu bauen. Spätestens mit der Wahl des Krakauer Erzbischofs Karol Wojtyla am 16. Oktober 1978 zum Papst Johannes Paul II. hat die Bevölkerung den nötigen Rückhalt, um für ihre religiösen Recht zu kämpfen und später sogar den politischen Umsturz herbeizuführen.
Verbände, Gruppen und Bewegungen
Die katholische Jugendarbeit verfügt aber über fast keine nationalen Strukturen und Dachorganisationen, die vielen einzelnen Verbände und geistlich-charismatischen Bewegungen sind eigenständig organisiert und nur mit sporadischer Vernetzung. Dies hängt auch mit der langen volkskirchlichen Tradition in Polen zusammen. Das Herzstück der polnischen katholischen Jugendarbeit sind weiterhin die Pfarreien, wo Pfarrer und Kapläne ohne verbandliche Strukturen Aktivitäten, Katechesen und Gruppenstunden für Jugendliche organisieren. Über diese Pfarreien hinaus gibt es in der Jugendarbeit keine festen Strukturen. Davon profitieren in erster Linie die zahlreichen geistlichen Bewegungen, die sich während des Pontifikates von Papst Johannes Paul II. eines immer größeren Zuspruches erfreuten (z.B. Fokolar-Bewegung, Schönstatt, Neokatechumenat etc.) und regelmäßige überregionale Treffen organisieren.
Die katholische Jugendarbeit in Polen kann man grob in drei Bereiche unterteilen:
- die OASE-Bewegung:
In der OASE-Bewegung engagieren sich etwa 66 000 Jugendliche. Die biblisch-liturgischen Programme der OASE-Bewegung richten sich vor allem an Jugendliche im Alter zwischen 15 und 18 Jahren. Neben den Sommerlagern treffen sich auf Pfarrgemeindeebene einmal pro Woche die einzelnen Jugendgruppen mit ihrem Animator (meist einem Priester). Die OASE-Bewegung erreicht mit ihren Programmen vor allem viele Gymnasialschüler.
- die Studentenseelsorge:
In der Studentenseelsorge sind in Polen in den Universitätsstädten über 250 Seelsorger tätig und in einem Kollegium der Studentenseelsorger zusammengefasst. Neben ihrer seelsorgerischen Tätigkeit engagieren sich viele Priester auch in der Lehre: so halten sie Vorlesungen zu Themen wie katholische Soziallehre, Ethik und Kirchengeschichte. Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe von Studentenverbänden, von der Vereinigung „Friede und Gutes“ bis hin zu stark religiös geprägten Verbänden wie „Totus Tuus“ oder „Emmaus“. Ein Überblick über alle Studentenverbindungen gibt die Broschüre „Jugendverbände in Polen“ vom IJAB (Herausgeber), Bonn, 1992 (vergriffen).
- die verschiedenen Verbände und geistlichen Bewegungen:
Weiterhin eng mit der katholischen Kirche verbunden ist die polnische Pfadfinderorganisation Zwiazek Harcerstwa Rzeczypospolitej (ZHR), die sich nach der politischen Wende neu ausgerichtet hat und zu den traditionellen christlichen Werten des Scoutings zurückkehrte. Das ZHR besteht heute aus 13 eigenständigen Bezirken und hat eine Dachbehörde, die so genannte Naczelnictwo ZHR. Deren Vorsitzender vertritt die polnischen Pfadfinder auch im Ausland. Weitere Infos (auch auf Deutsch) und Kontakt unter: http://www.zhr.pl
Symptomatisch und dennoch ein polnisches Beispiel für die neuen geistlichen Bewegungen ist die so genannte „Lednica-Bewegung“, die 1997 durch das Engagement des Dominikanerpaters Jan Góra OP entstanden ist. Jedes Jahr an Pfingsten treffen sich in Lednica unter dem Symbol des Fisches (der an die Taufe erinnern soll) mehrere Hunderttausende Jugendliche, um gemeinsam das Pfingstfest zu begehen. Die Ledinca-Bewegung zeigt viele typische Merkmale für die polnische katholische Jugendarbeit auf: In Polen kann man ohne größere Schwierigkeiten viele junge Menschen für die Kirche mobilisieren und große überregionale Treffen organisieren. Auf der anderen Seite hat sich – wie in ganz Polen – bisher in Lednica noch keine feste Struktur herausgebildet, die diese Bewegung mit hauptamtlichen Angestellten institutionalisiert. Es gibt zwar ein großes Netz von Freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern, vieles ist aber (noch) auf den Gründer Jan Góra OP zentralisiert. Mehr zur „Lednica-Bewegung“ und Kontakt im Internet (nur auf Polnisch) unter www.lednica2000.pl und in einem Artikel der Zeitschrift: Ost-West Europäische Perspektiven. Schwerpunkt: Religion in Europa, hrsg. von Renovabis und dem ZDK (4. Jahrgang 2003, Heft 1). Mainz. 2003. S. 74-79.
Der für die polnische Jugendarbeit zuständige Bischof ist der Weihbischof von Siedlce, Henryk Marian Tomasik. Es gibt aber keine eigenständige Jugendsektion der polnischen Bischofskonferenz. Weitere Infos zu Bischof Tomasik unter: www.diecezja.siedlce.pl/id.php?i=12
Für die Weltjugendtage gibt es ein eigenständiges Büro, das auch für Kontakte mit der Jugendarbeit aus dem Ausland zuständig ist. Mehr unter: www.sdm.org.pl/index_pl.php?i=6&str=o_nas
Für die Bildungsarbeit der katholischen Jugendlichen gibt es seit 1993 einen Verein der christlichen Bildungswerke (Stowarzyszenie Chrześcijańskich Dzieł Wychowania - SChDW). Der Hauptarbeitsbereich dieses Vereins ist die Organisation von Fortbildungsprogrammen, die sich an Jugendliche und ihre Erzieher/-innen, Lehrkräfte und Eltern richten. Sie behandeln aktuelle Probleme und Fragen wie das Engagement der Jugendlichen im gesellschaftlichen Leben, die europäische Integration, den kritischen Umgang mit Massenmedien, die Suchtproblematik, Gefahren von Seiten der Sekten usw. und leistet damit einen wichtigen Bereich zur Bildung der katholischen Jugend. Der SChDW verfügt über mehrere Bildungszentren in Polen und arbeitet mit der AKSB (Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke) zusammen und unterhält auch Kontakte ins Ausland.
Weitere Informationen (auf Deutsch) und Kontakt unter: http://www.schdw.org.pl/deutsch.htm
Die protestantischen Kirchen versuchen ihre (bescheidenen) Kräfte zu bündeln und haben dazu einen Dachverband gegründet: Im nationalen ökumenischen Jugendkonzil sind sieben eigenständige Kirchen Mitglied: Die Lutheraner (www.cme.org.pl/, auch auf Deutsch und Englisch), die Reformierten (www.reformowani.pl/mlodziez/), Methodisten (www.metodysci.pl), die Baptisten (www.baptysci.pl), die Altkatholiken, die polnisch-katholische Nationalkirche (in den Vereinigten Staaten tätig, www.pncc.org) und die Orthodoxe Kirche. Jede dieser sieben Kirchen bietet eigenständige Jugendarbeit an und sendet einen Abgeordneten in das ökumenische Jugendkonzil. Da die meisten dieser Kirchen sehr klein sind, ist ihre Jugendarbeit regional begrenzt und überschaubar, zuständig sind meistens regionale Jugendreferenten, die die Jugendarbeit in einem größeren geographischen Gebiet organisieren. Eine gemeinsame (auch englischsprachige) Seite des nationalen ökumenischen Jugendkonzils ist im Entstehen, die dann auch die Jugendarbeit der einzelnen protestantischen Kirchen enger vernetzen soll.
Kontakt: Julia Lewandowska (Präsidentin des ökumenischen Jugendkonzils)
julinek@o2.pl oder julinek@reformowani.pl, Fon: +48 600 184034; Ewa Jelinek eyellineck@wp.pl, Fon: +48 697 449072; Ksenia Buresz ksenia@reformowani.pl; Pfarrer Tadeusz Jelinek, Fon/Fax: +48 63 2442624
Austausch und Partnerschaftskontakte
Um gute deutsch-polnische Kontakte in der katholischen Jugendarbeit bemüht sich seit vielen Jahren die „Aktion West-Ost“, ein dem BDKJ angegliederter Dachverband für die drei deutsch-polnischen Verbände „Gemeinschaft Junges Ermland“, „Adalbertusjugend“, „Junge Grafschaft“ und für den deutsch-tschechischen Jugendverband „Junge Aktion der Ackermanngemeine“. Alle Jugendverbände sind nach dem zweiten Weltkrieg von Vertriebenen als Versöhnungsinitiative gegründet worden. Der Dachverband „Aktion West-Ost“ organisiert regelmäßig deutsch-polnische Jugendbegegnungen wie Bildungsveranstaltungen und bietet für Multiplikator(inn)en im deutsch-polnischen Austausch ein breites Angebot an Material und Hilfeleistungen. Mit polnischen Partnern werden auch Fortbildungen und Schulungen für ehrenamtlich tätige Jugendliche in der deutsch-polnischen Jugendarbeit durchgeführt.
Literatur zur katholischen Jugendarbeit in Polen (auf Polnisch)
Alina Petrowa - Wasilewicz, Leksykon ruchów i stowarzyszeń w Kościele, Katolicka Agencja Informacyjna, Warszawa 2000.
Maria Chymuk, Aksjologiczne preferencje studentów uczelni krakowskich, Wyższa Szkoła Filozoficzno-Pedagogiczna " IGNATIANUM", Wydawnictwo WAM, Kraków 2004
Links
www.kosciol.pl - Ökumenischer Informationsdienst (auf Polnisch)
www.ekd.de/download/polen.pdf - Länderinformationen Polen (kirchliche Partnerbeziehungen), Herausgeber: Kirchenamt der EKD, Informations- und Kontaktstelle Osteuropa (IKOE)
www.goeast-online.de - GO EAST. Jugend in Ost und West gestaltet Zukunft. Eine Arbeitshilfe für die kirchliche Jugendarbeit in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, Herausgeber: BDKJ und Renovabis
Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund
Polen zählt traditionell nicht zu den Einwanderungsgesellschaften in Europa, sondern hat sich eher als Auswanderungsland begriffen. Seit dem 19. Jahrhundert gab es große Auswanderungswellen vor allem nach Deutschland (Ruhrgebiet), Frankreich und in die USA. Der Fall des Eisernen Vorhangs hat noch einmal eine Welle der Auswanderung in Richtung Westen ausgelöst. Diese Sichtweise wandelt sich langsam und Polen versteht sich auch als Land, in dem sich Einwanderer in größeren Gruppen ansiedeln [Górny, A. et al., (Eds.). (2010). Poland: Becoming a Country of Sustained Immigration. IDEA Working Paper 10]. Nach Angaben des Polnischen Statistikamts liegt die Zahl der Auswandernden immer noch über der Anzahl der zuwandernden Personen, geht aber weiter langsam zurück, während die Zahl der Zuwandernden weiter steigt.
Jugendliche Migrant/-innen
Verlässliche Daten über jugendliche Migranten/-innen wurden bislang kaum erhoben. Die spezifische Problematik der Jugendlichen mit Migrationshintergrund rückt erst langsam in den Fokus der polnischen Politik. Die Integration dieser Jugendlichen erfolgt im Wesentlichen über das Bildungssystem und qualifizierten Polnischunterricht. Für das Schuljahr 2003/ 2004 hat das Bildungsministerium folgende Zahlen ausländischer Schüler-/innen veröffentlicht. Für diesen Zeitraum wurden 3437 Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund im polnischen Schulsystem ermittelt.
Aufschlüsselung nach Schulformen:
Grundschule: 2 028
Sekundarbereich I: 714
Sekundarbereich II: 439
Allgemeine Berufsfachschule: 19
Berufsschule: 89
Postsekundäre Schulen: 133
Lehrerausbildung: 12
Kunsthochschule: 15
(Quelle: International Organisation for Migration, Vienna: Izabela Korys: Migrant youth in Poland - is a tide coming up? 2005)
Seit 2001 gibt es eine Gesetzesregelung, die die schulischen Belange der Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund regelt. Hiernach dürfen nicht schulpflichtige Kinder ohne polnische Staatsangehörigkeit die staatlichen Betreuungsangebote im vorschulischen Bereich wahrnehmen. Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 16 Jahren müssen bei einer kommunalen Verwaltung angemeldet werden. Diese Nicht-Muttersprachler-/innen haben in der Grundschule und der Sekundarstufe I seit 2004 das Recht auf kostenlosen zusätzlichen Polnischunterricht. Dieser kann für maximal ein Schuljahr bei mindestens zwei Unterrichtsstunden pro Woche gewährt werden. 2003 fand der erste Ausbildungszyklus für entsprechende Lehrkräfte statt, der vom Ministerium für Bildung und dem „Polonia“ Lehrerzentrum in Lublin organisiert wurde. In der Entwicklung der Unterrichtscurricula sowie bei der Ausbildung der Lehrer/-innen wird der Aspekt des interkulturellen Lernens seit 2002 verstärkt berücksichtigt.
(Quelle: Integrating immigrant children into schools in Europe. Poland: national description 2003/04 by Eurydice)
2011 hat Polen die Migrationspolitik einer Prüfung unterzogen. Zukünftig soll noch mehr Gewicht auf die Integration von Migrant(inn)en in die polnische Gesellschaft gelegt werden. Integrationsprogramme sollen den Migrant(inn)en dabei helfen, sich in die polnische Gesellschaft zu integrieren, in dem sie die Sprache lernen, sich weiterqualifizieren, um passende Arbeit und dementsprechend auch passenden Wohn raum zu finden. Unterstützt wird auch die Idee der Gründung von Vereinen, in den polnische Bürger/-innen und Migrant(inn)en zusammenkommen. Die Integrationsförderung der Kinder und Jugendlichen soll weiterhin über das Bildungssystem erfolgen.
(Quelle: www.msw.gov.pl/portal/en/1/653/New_migration_policy_in_Poland.html gesehen 2.2.2012)
Links
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/13631/ - Link zur Dissertation von Ziolek-Skrzypczak, Magdalena (2011): Managing Integration of Immigrant Youth in the United States, Germany, and Poland. LMU München: Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften (in Englisch)
www.focus-migration.de/Polen_Update_02_200.2810.0.html - Länderprofil Polen, Migration und Bevölkerung, Januar 2008
www.bpb.de/themen/F9K0YR,0,0,Polen.html - Themenspecial der Bundeszentrale für politische Bildung zu Migration, hier Länderprofil Polen
Jugendinformation
Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche
Kinder- und Jugendmedien
Internationale Kooperationen
Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche
Ein nationale Koordination der Jugendinformation in Polen besteht nicht, auch wenn dies in der nationalen Jugendstrategie so vorgesehen ist.
Auf regionaler und lokaler Ebene bestehen Informations- und Beratungszentren, die an Kulturzentren oder Schulen angebunden sind, zum Beispiel in Wrocław (Młodzieżowe Centrum Rozwoju i Informacji), Kraków (Regionalne Centrum Informacji Młodzieżowej przy Centrum Młodzieży im. Henryka Jordana), Starogard Gdański (Ośrodek Informacji Młodzieżowej przy Ognisku Pracy Pozaszkolnej) und Toruń (Centrum Informacji Młodzieży). Diese Stellen fungieren teilweise auch als Dezentralen des europäischen Informations- und Beratungsnetzwerks Eurodesk.
Außerdem gibt es Informationszentren, die sich auf die Beratung zu europäischen Fonds und zum Thema Arbeit und Berufsorientierung spezialisiert haben, jedoch nicht nur speziell für Jugendliche: Centers on EU Funds - Sieci Punktów Informacyjnych Funduszy Europejskich und Local Community Information Center - Gminne Centra Informacji.
In vielen der rund 15 000 polnischen Mittel- und weiterführenden Schulen gibt es Berufsberater/-innen (2012: rund 1055 Fachkräfte). Angestrebt wird die flächendeckende Ansiedlung professioneller Berufsberatung an allen diesen Schulen.
Studierende erhalten Berufsberatung in den Beratungszentren (Biura Karier), die es an den meisten polnischen Universitäten und Hochschulen gibt.
(Quelle: Information Sheet "Participation of young people. Poland" im EKCYP, Stand 15.12.2011)
Kinder- und Jugendmedien
In Polen gibt viele Zeitschriften, die sich an Jugendliche richten und die von Jugendlichen gemacht werden, viele davon von Studierenden. Diese besetzen dann vor allem die Themen Studium, Karriere und Kultur. Beispiele für Zeitschriften, die sich vornehmlich mit studentischen Themen beschäftigen, und teilweise als Online-Ausgabe und/oder Printprodukte verfügbar sind: dlaczego (Bildung, Karriere, Lifestyle), Gazeta Studencka, Eurostudent, Semestr und Cogito (for high school students). Populäre Lifestyle-Magazine sind Aktivist und Laif.
(Quelle: European Youth Press)
Links
Radio Aktywne - Internetradio von Studierenden der Warschauer University of Technology mit nicht-kommerziellem Musikangebot
www.europress.pl/sklep/dla_dzieci_i_mlodziezy.php?lang=20 - Übersicht über Kinder- und Jugendzeitschriften, die auch in Polen erhältlich sind
Internationale Kooperationen
Seit November 1998 wirkt Polen im Europäischen Jugendinformationsnetzwerk Eurodesk mit und ist seit April 2003 bei der Stiftung für die Entwicklung des Bildungssystems (Fundacja Rozwoju Systemu Edukacji) angesiedelt. Die Stiftung koordiniert alle Bildungs- und Mobilitätsprogramme der Europäischen Union.
Die europäische Jugendberatungs- und Informationsagentur ERYICA (European Youth Information and Counselling Agency) hat zurzeit keine Mitgliedsorganisation in Polen.
Der Verband Young Journalists' Association ist Mitglied im europäischen Netzwerk European Youth Press, einem Dachverband junger Journalistinnen und Journalisten unter 30.
Kinder- und Jugendreisen
Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen
Jugendherbergen und andere Jugendunterkünfte
Reisetipps und -informationen
Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen
Genaue und detaillierte Aussagen über das spezifische Reiseverhalten der polnischen Jugendlichen lassen sich nur schwer treffen. Im Jugendbereicht 2011 der polnischen Regierung wird konstatiert, dass rund 1 800 000 junge Pol(inn)en zwischen 15 und 19 Jahren (Anteil von 73 % in dieser Altersgruppe) auf die ein oder andere Art reisen: vor allem Reisen über einen längeren Zeitraum (mehr als 5 Tage) und dies innerhalb des Landes (48 % der 15- bis 19-Jährigen) oder aber längere Reisen ins Ausland (25 % in der Altersgruppe 15-29).
Nicht alle Jugendlichen können sich den Traum vom Reisen erfüllen. Der Jugendbericht sieht die Jugend in den Städten mit über 100 000 Einwohner(inne)n als privilegiert an, denn diese Jugendlichen verreisen dreieinhalbmal so oft wie die Gleichaltrigen, die auf dem Land leben. Wirtschaftliche Gründe (bei 52 %) stehen dem Reisen im Wege, ebenso fehlender Antrieb (18 %) oder organisatorische Probleme (12 %). Meistens organisieren sich die Jugendlichen ihre Reisen selbst (68 %). Reisebüros kommen kaum bei den Jugendlichen (12 %) zum Einsatz. Immer weniger Schulen, Betriebe oder Organisationen bieten Reisemöglichkeiten an. Dies reduziert die Chancen für Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien, zu verreisen. 2009 verreisten 33 % aller Schüler/-innen beziehungsweise Studierenden gar nicht in den Ferien.
Junge Familien nutzen die Wochenenden für Ausflüge auf's Land. Billigflüge, günstige Übernachtungen oder die Nutzung der Kontakte aus sozialen Netzwerken tragen dazubei, dass immer mehr junge Pol(inn)en reisen mit ihrer Familie in Europa reisen oder Rucksack"-Tourismus machen. Kurztrips oder "Couch Surfing" erfreuen sich großer Beliebtheit bei jungen Leuten.
(Quelle: Jugendbericht 2011 der polnischen Regierung, Seiten 250-252)
Jugendherbergen und andere Jugendunterkünfte
Der zentrale polnische Jugendherbergsverband heißt Polskie Towarzystwo Schronisk Mlodziezowych, der die Vollmitgliedschaft der International Youth Hostel Federation (IYHF) innehat. Dort kann man ein Verzeichnis der polnischen Jugendherbergen erhalten. 2003 hat dieser Verband 504 Jugendherbergen, darunter 120, die ganzjährig geöffnet haben.
Daneben existiert ein weiterer Verband, der 186 Unterkünfte in ganz Polen unterhält: Polskie Towarzystwo Turystyczno-Krajoznawcze (Polnische Gesellschaft für Tourismus und Heimatkunde).
Außerdem haben sich 1997 die polnischen Begegnungsstätten zur Föderation Polnischer Begegnungsstätten (Federacja Polskich Domów Spotkan) zusammengeschlossen. Dort kann man Informationen zu Begegnungsstätten im Land erhalten.
Reisetipps und -informationen
In Deutschland erhält man am schnellsten Reiseinformationen und -hinweise zu Polen bei folgenden Stellen:
www.polen.travel/de - Polnisches Fremdenverkehrsamt
www.gopoland.com, www.explore-poland.pl - Zwei englischsprachige Webseiten mit vielen nützlichen touristischen Hinweisen und weiterführenden Links (beispielsweise zu den Touristikbüros der einzelnen Städte und Regionen).
www.pit.org.pl - Website der Polnischen Kammer für Touristik (Polska Izba Turystiki), einem Zusammenschluß von nationalen Touristikbüros. (Informationen auch auf Englisch)
www.pkp.com.pl - Website der Polnischen Staatsbahnen mit Preisinformationen, Internetreservierung etc. (auf Polnisch). Die Zugverbindungen in Polen sind im Allgemeinen recht gut. Die Zugfahrten dauern in der Regel etwas länger als in Westeuropa, sind dafür aber viel preiswerter. Das InterRail-Ticket der Deutschen Bahn gilt seit einiger Zeit auch in Polen.
www.lot.com - Website der polnischen Fluggesellschaft LOT (Informationen auch auf Deutsch)
Weitere Informationen gibt es über den Jugendherbergsverband und die Polnische Gesellschaft für Tourismus und Landeserkundung (PTTK).
Weitere Informationen zu Polen für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal:
http://europa.eu/youth/travelling_europe/index_pl_de.html
Internationale Jugendarbeit
Zentrale Einrichtungen und Organisationen
Zusammenarbeit mit Deutschland
Internationale Zusammenarbeit
Zentrale Einrichtungen und Organisationen
Zuständig für Jugendfragen ist in der Regierung vor allem das Ministerium für Nationale Bildung (Ministerstwo Edukacji Narodowej).
Fragen der allgemeinen deutsch-polnischen Kooperation behandelt im Ministerium die Abteilung für internationale Zusammenarbeit (Departament Wspó?pracy Mi?dzynarodowej). Für die konkrete Zusammenarbeit im Jugendaustausch gibt es im Bildungsministerium das Büro für Jugendangelegenheiten (Biuro do Spraw Mlodzie?y).
Zusammenarbeit mit Deutschland
Derzeit ist der Austausch zwischen polnischen und deutschen Jugendlichen die intensivste bilaterale Zusammenarbeit, die von Polen aus gepflegt wird.
Die zentrale Einrichtung zur Förderung und Koordinierung des deutsch-polnischen Jugendaustausches ist das Deutsch-Polnische Jugendwerk (Polsko-Niemiecka Wspó?praca M?odzie?y). Das Büro in Potsdam ist zuständig für die Förderung des außerschulischen Jugendaustauschs (außer Sport). Das Büro in Warschau ist zuständig für die Förderung von Schüleraustausch, sportlicher Jugendbildung und Lehrerfortbildung.
Das DPJW wurde 1993 auf der Grundlage des Abkommens über den deutsch-polnischen Jugendaustausch und des Abkommens über das Deutsch-Polnische Jugendwerk gegründet. Zum Jahresende 2008 vermeldete das DPJW mehr als 1,9 Millionen Teilnehmer/-innen an den bisher von ihm geförderten Projekten, das heißt durchschnittlich treffen sich jährlich 130 000 junge Deutsche und Polen.
Internationale Zusammenarbeit
Internationale Zusammenarbeit im Bereich der Jugend pflegt Polen derzeit im Wesentlichen mit folgenden Ländern: Deutschland, Frankreich, Ukraine, Israel, Italien, Ungarn, Großbritannien, Russland, Litauen, Slowakei und Weißrussland. Mit diesen Ländern existieren Regierungsabkommen oder Abkommen über den Jugendaustausch und wurden in den letzten Jahren zahlreiche Projekte und Programme durchgeführt und in der Regel vom Ministerium für Nationale Bildung kofinanziert.
Neben dem Deutsch-Polnischen Jugendwerk (siehe Zusammenarbeit mit Deutschland), das auch trinationale Maßnahmen fördert und unterstützt, sind für multilaterale Projekte das Büro des Regierungsbevollmächtigten für Familie und das polnische Büro des europäischen Förderprogramms JUGEND IN AKTION zuständig.
Das Zentrum für Polnisch-Russischen Dialog und Verständigung (Centrum Polsko-Rosyjskiego Dialogu i Porozumienia) initiiert, unterstützt und fördert Jugendaustauschprogramme zwischen Russland und Polen. In den Programmen sollen Jugendliche sich mit dem heutigen Russland beziehungsweise Polen vertraut machen und ihre Kenntnisse in der Geschichte und Kultur des jeweils anderen Landes verbessern.


