Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit

Der Komsomol, die Jugendorganisation der Sowjetunion, hat sich auf Unionsebene Ende 1991 aufgelöst. Die regionalen Organisationen folgten darauf. Mit dem Gesetz des Obersten Sowjets der UdSSR über freie Träger von 1991 schossen Nichtregierungsorganisationen (NGOs; Non Governmental Organizations) wie Pilze aus dem Boden. Die NGOs in der Russischen Föderation sind daher noch sehr jung, bilden aber im heutigen Russland bereits einen relativ unabhängigen Sektor. Freie Träger werden auch als gesellschaftliche Organisationen bezeichnet.

Genaue Zahlen der in der Russischen Föderation tätigen Kinder- und Jugendorganisationen liegen nicht vor. Die Mehrzahl der Organisationen ist in Großstädten wie Moskau, St. Petersburg, Novosibirsk, Jekaterinburg und Nizhnij Novgorod sowie Städten wie Krasnodar, Voronezh und Irkutsk angesiedelt. In Moskau sind die meisten Organisationen registriert. 2003 wurde ein Föderationsregister der Kinder- und Jugendorganisationen, die einen Anspruch auf staatliche Förderung haben (Федеральный реестр молодежных и детских общественных объединений, пользующихся государственной поддержкой), eingerichtet. Im Mai 2011 waren als landesweit tätig neun Jugendorganisationen und eine Kinderorganisation registriert. Als international tätige Jugendorganisation war die Gemeinschaft der Studierenden- und Jugendorganisationen (Содружество студенческих организаций и молодежи) im Register eingetragen.

Der Organisationsgrad der Kinder und Jugendlichen in den Kinder- und Jugendorganisationen reicht von weniger als 100 Mitgliedern bis hin zu über eine Million Mitgliedern. Die Altersstruktur der Mitglieder bewegt sich zwischen acht und 35 Jahren je nach Art der Organisation. In einigen Regionen wurde die Altersgrenze für Jugendliche auf 35 Jahre festgesetzt.

Das Verbandswesen umfasst in seiner Vielfalt:

  • Organisationen, die im Umweltschutzbereich tätig sind, 
  • Organisationen, die sich dem Kinder- und Jugendschutz verschrieben haben, 
  • Organisationen zur Förderung und Stärkung des Patriotismus unter Kindern und Jugendlichen, 
  • Organisationen im Wohlfahrtsbereich, 
  • studentische Vereinigungen in den Bereichen Sport, Gewerkschaft, politische Bildung, Förderung der europäischen Zusammenarbeit, Wirtschaft, 
  • Sportorganisationen, 
  • Organisationen zur Förderung der Landjugend, 
  • Pfadfinderorganisationen und 
  • Organisationen zur Förderung des Jungunternehmertums. 

Das Spektrum politischer Jugendverbände und -organisationen reicht von rechtsradikalen und nationalistischen Gruppen über linksradikale und kommunistische Organisationen, liberale, an westlichen Demokratiemodellen orientierte Gruppierungen bis hin zu vom Kreml initiierten oder ihm loyalen Organisationen.

Die am häufigsten gewählte Form einer Nichtregierungsorganisation ist der Verband. Die meisten Nichtregierungsorganisationen haben mit den gleichen Problemen zu kämpfen: Finanzmangel, niedrige oder unregelmäßig gezahlte Gehälter für Angestellte, Managementprobleme und fehlende Mittel für Öffentlichkeitsarbeit. Viele Nichtregierungsorganisationen arbeiten mit ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Links
www.fadm.gov.ru/upload/iblock/54b/mol-org2010.PDF - Umfrage der Stiftung FOM zum Bekanntsheitgrad und den Symphatie-/Antipathiewerten politischer Jugendverbände und -organisationen in Russland vom Februar 2010
www.kultura-rus.uni-bremen.de/kultura_dokumente/ausgaben/deutsch/kultura-2008-05.pdf - Artikel von Darja Dimke zu Kinderorganisationen im modernen Russland sowie einer Chronik von Kinderorganisationen von Christine Gölz. In: Kulturanalysen Russland, Ausgabe 5/2008

Überregionale Jugendverbände

Auf überregionaler Ebene tätig (Stand Mai 2011) sind in der Russischen Föderation neun Jugendorganisationen, die vor allem in Moskau ansässig sind, namentlich:

sowie die Kinderorganisation "Die Intelligenz von morgen" (Интеллект будущего) mit 23 161 Mitgliedern (2010: 18 787).

(Quelle: Федеральный реестр молодежных и детских общественных объединений, пользующихся государственной поддержкой, по состоянию на 30 мая 2011 года, letzter Zugriff 27.4.12)

Politische Bildung

Eine Dachorganisationen der politischen Jugendbildung in Russland wie beispielsweise in der Bundesrepublik Deutschland die gemeinsame Initiative der Träger politischer Jugendbildung (GEMINI) mit seinen Mitgliedsorganisationen ist nicht bekannt.

Links
www.laender-analysen.de/dlcounter/dlcounter.php?url=../russland/pdf/Russlandanalysen083.pdf - Russlandanalysen der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen vom 12.1.2006: „Politische Jugendorganisationen und Jugendbewegungen in Russland“, „Jugendorganisationen“, „Jugend und Politik“
www.stiftung-evz.de/w/files/publikationen/demokratiebildung_bru.pdf - Studie zur Demokratiebildung in Belarus, Russland und der Ukraine (gefördert vom Fonds "Erinnerung und Zukunft" der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft)
www.stiftung-evz.de/w/files/pdfs/demokratieerziehung.pdf - Studie zur Demokratieerziehung in Mittel- und Osteuropa (gefördert vom Fonds "Erinnerung und Zukunft" der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft)

Kulturelle Bildung

Die Einrichtungen der kulturellen Jugendbildung sind sehr vielfältig, aber bisher nicht - wie im Falle der Bundesvereinigung Kulturelle Jugendbildung (BKJ) in der Bundesrepublik Deutschland - unter einem Dach vereint. Daher ist es schwer, Strukturen zu erkennen und zu beschreiben. Viele ehemalige Pionierhäuser wurden in Jugendkultureinrichtungen umfunktioniert. Theatereinrichtungen haben sich in einer Art Bundesverband zusammengeschlossen.

Gegenwärtig besteht bei vielen Kindern und Jugendlichen ein wachsendes Interesse an der Mitarbeit und Mitwirkung in Verbänden aus den Bereichen Musik und Choreografie sowie Instrumental- und Folkloregruppen.

Relevante Adressen bei den Adressen unter Kulturelle Mittlereinrichtungen.

Sport

Obwohl sich in den Neunzigerjahren die Anzahl der Sportzentren erhöht hat, ist die Zahl der in Sportklubs und Schul- beziehungsweise Universitätssportklubs organisierten Kinder und Jugendlichen stark zurückgegangen. Ein Grund dafür ist die Einführung von Mitgliedsgebühren, die sich viele Familien mit niedrigem Einkommen nicht leisten können.

Trotzdem erfreut sich Sport wieder steigender Beliebtheit unter russischen Jugendlichen. Es sind zunehmend so genannte Power-Sportarten, wie Body-Building, und Kampfsportarten, die das Interesse wecken. Sie haben für Jugendliche einen gewissen kommerziellen Wert und werden nicht unbedingt aus Interesse an einer gesunden Lebenshaltung oder als Freizeitvergnügen ausgeübt, vielmehr betrachten viele junge Menschen Sport als Sprungbrett für eine Profi-Karriere. Die Einstellung zum Fitnesssport wird aber zunehmend positiver. Jugendliche, die über entsprechende finanzielle Mittel verfügen, üben auch so genannte Elite-Sportarten wie Tennis, Golf oder Reiten aus.

Zuständig für den Bereich Kinder- und Jugendsport ist in der Russischen Föderation das im Mai 2008 neu formierte Ministerium für Sport, Tourismus und Jugendpolitik (Министерство спорта, туризма и молодежной политики Российской Федерации), hier die Abteilung für die staatliche Politik im Bereich Körpererziehung und Sport. Die Abteilung ist unter anderem zuständig für:

  • die Durchführung von Maßnahmen zur Entwicklung des Kinder- und Jugendsports, 
  • die Organisation von Sportwettbewerben, Spartakiaden, Festivals der Körperkultur und des Sports und anderer Veranstaltungen sportlicher Art, 
  • die Einführung eines Allrussischen Verzeichnisses aller Sportarten, 
  • die Koordination der Tätigkeit der Kinder- und Jugendsportschulen, der Spezialschulen für Kinder und Jugendliche, der Hochschulen der olympischen Reserve, der Fach- und Hochschulen für Körperkultur und Sport. 

Konzept des Föderalen Programms für die Entwicklung von Körperkultur und Sport in der Russischen Föderation 2006 - 2015 (Федеральная целевая программа «Развитие физической культуры и спорта в Российской Федерации на 2006 - 2015 годы): www.sport-fcp.ru/xml/t/default.xml, (letzter Zugriff 27.4.12)

Eine deutsch-russische Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Sports besteht zum Beispiel im Rahmen des Programms Neue Brücken bauen des Landes Nordrhein-Westfalen, in dem auch die Deutsche Sportjugend aktiv mitwirkt. So kooperiert etwa der Landesverband der Sportjugend Duisburg mit der Abteilung für Bildung und Wissenschaft des Gebiets Nizhniy Novgorod. 

Link
www.infosport.ru - Nationales Informationsnetzwerk Sportivnaja Rossija

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Das soziale System in der Russischen Föderation befindet sich im Umbruch beziehungsweise im Aufbau und orientiert sich dabei stark an westlichen Modellen. Im Mittelpunkt stehen die Überwindung der Armut und die Unterstützung sozial schwacher Gruppen wie Kinder, Jugendliche, Frauen, Familien mit Kindern. Sozialarbeiter sollen dabei helfen, dieses neue Sozialsystem mitzugestalten. Dafür wurde 1992 der Studiengang Sozialpädagogik an Hochschuleinrichtungen geschaffen.

Derzeit gibt es etwa 650 Universitäten und Hochschulen, an denen Sozialpädagogik gelehrt wird. Inzwischen haben über 9 000 Absolventen ihr Studium abgeschlossen. Vorher gab es so genannte Crash-Kurse für Pädagogen zum Sozialpädagogen. In diesem Bereich bestehen Kontakte zwischen russischen und deutschen Einrichtungen, wie zum Beispiel zwischen Partnern in Novosibirsk und der Fachhochschule Siegen, der Staatlichen Pädagogischen Universität Tula und Partnern in Villingen-Schwenningen. Russische Einrichtungen sind sehr stark an fachlichen Kontakten im Bereich der Sozialarbeit interessiert.

2003 waren über 1750 so genannte soziale Dienste tätig. Sie leisten in erster Linie sozial-psychologische Hilfe für Kinder und Jugendliche, helfen und beraten bei der Berufsorientierung und sind im Bereich der Familienhilfe und der Rechtshilfeberatung tätig. Beispielhaft für die Arbeit der Jugendsozialdienste sei die Habarovsker Region genannt, wo die Jugendhilfepraxis sich mit enormem Tempo entwickelt, was nicht in ganz Russland der Fall ist.

Wichtige Themen im Rahmen der Jugendsozialarbeit sind für russische Fachkräfte:

  • Arbeit mit benachteiligten Jugendlichen
  • Mädchensozialarbeit
  • Straßensozialarbeit
  • Jugendberufshilfe
  • Mobile Jugendarbeit
  • Jugendwohnen

Relevante Adressen findet man unter Einrichtungen und Träger der politischen Jugendbildung sowie der Jugendsozialarbeit bei den Adressen.

Link
www.detskiedomiki.ru/guide/child/ - Website des Projektes "Detskie domiki (Kinderhäuser)" mit Informationen zu Wohlfahrtsverbänden im Kinder- und Jugendbereich, zu Einrichtungen der In-Obhutnahme, Waisenhäusern sowie Kinderheimen

Glaubensgemeinschaftliche Angebote für Kinder und Jugendliche

Die Russische Orthodoxe Kirche hat als wichtigste Aufgabe in der gegenwärtigen Zeit den Religionsunterricht bezeichnet. Aktuell sind die Sonntagsschulen das am weitesten verbreitete Mittel. Die Schulen werden in Gemeinden oder von orthodoxen Bruderschaften organisiert. Aufgabe der orthodoxen Sonntagsschulen sind Bildung, Erziehung und Religionsunterricht für die Kinder und Jugendlichen der Gemeinden. Außerdem werden die Schülerinnen und Schüler aktiv in die Ausschmückung der Kirchen, in die Vorbereitung von kirchlichen Feiertagen oder in Dienste in der Gemeinde mit einbezogen. In jeder Diözese gibt es eine Abteilung für Jugendfragen. Ebenso sieht die Orthodoxe Kirche ihre Aufgabe in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen in Kinderheimen, Gefängnissen, Krankenhäusern und anderen sozialen Einrichtungen (sozial-adaptive Zentren), um mit ihnen zu sprechen, zu spielen, spazieren zu gehen.
(Quelle: Gleb Grosowskij. Mein Leben in Russland. In: Ost-West Europäische Perspektiven, 6. Jahrgang 2005, Heft 1, 17-22)

Für russische Kinder werden Sonntags-, Gemeinde- und Klosterschulen, orthodoxe Kindergärten und orthodoxe Gruppen in staatlichen Kindergärten geschaffen. Es funktionieren vierzig orthodoxe allgemein bildende Schulen und Gymnasien, zwei orthodoxe Universitäten und eine Hochschule für kirchliche Journalistik. Auch die Anhänger der nichtchristlichen Glaubenslehren, darunter Moslems, Juden und andere, verfügen über Schulen für geistliche Erziehung der heranwachsenden Generation.
(Quelle: www.russische-botschaft.de, letzter Zugriff 30.10.07)

Artikel zur Rolle des Orthodoxen Religionsunterrrichts in der Schule sowie zur Orthodoxen Subkultur in Russland in kultura 2/2009 des Publikationsreferats der Forschungsstelle Osteuropa: www.kultura-rus.de/kultura_dokumente/ausgaben/deutsch/kultura-2009-02.pdf 

Beitrag zum Thema "Jugendliche und Glaube in Russland": www.goethe.de/ins/ru/lp/prj/drj/leb/all/de4448123.htm (letzter Zugriff 16.6.09)

Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Die Integration ausländischer Kinder und Jugendlicher nimmt einen sehr geringen, fast gar keinen Stellenwert im Rahmen der Jugendarbeit ein. 2009 waren in der Altersgruppe 15 - 29 Jahre folgende Zuwanderungen zu verzeichnen:

15 - 19 Jahre: 16 900, davon 8009 männlich, 8000 weiblich
20 - 24 Jahre: 38 400, davon 21 300 männlich, 17 100 weiblich
25 - 29 Jahre: 45 100, davon 26 600 männlich, 18 500 weiblich.

Der größte Anteil der zugewanderten Jugendlichen stammte aus: Tadschikistan (4566), Usbekistan (4212), Armenien (3164), der Ukraine (3055) und Aserbaidshan (2484). 2439 zugewanderte Jugendliche zwischen 15 und 29 Jahren konnten keine Papiere vorweisen oder waren staatenlos.
(Quelle: Aus dem Bericht "Молодежь в России. 2010" auf http://www.gks.ru, Zugriff 26.3.12)

Von staatlicher Seite wurden Gesetze über Flüchtlinge und gewaltsam vertriebene Migrant(inn)en verabschiedet, die sozial Benachteiligten - vor allem Flüchtlingskindern allein erziehender Mütter und Großfamilien - helfen sollen.

Link
www.laender-analysen.de/dlcounter/dlcounter.php?url=../russland/pdf/Russlandanalysen236.pdf - Beitrag von Olga Vendina zur Ethnisierung der Migrationsprozesse in Russland. In: Russland-Analysen, März 2012. Insbesondere verweist Vendina auf die Verschiebung der Struktur der Immigration von ethnisch motivierter Immigration (Rückführung ethnischer Russen) hin zu einer ethnischen Immigration im Sinne der Zusammensetzung der Migranten und die Wahrnehmung der ethnischen Migration als Bedrohung der gesellschaftlichen Sicherheit.

Informations- und Beratungszentren für Kinder und Jugendliche

Jugendinformationszentren in der Russischen Föderation gibt es auf regionaler (rund 62) und lokaler Ebene (mehr als 100). Die Informationszentren decken oft ein viel größeres Spektrum an Themen und Angeboten ab als zum Beispiel die Jugendinformationszentren für Jugendliche in Deutschland. Wie aus der nachfolgenden Karte ersichtlich wird, befinden sich die meisten davon im zentralen beziehungsweise westlichen Teil des Landes. Die Verteilung entspricht in etwa der Konzentration der wichtigsten Wissenschafts- und Informationszentren des Landes. 

Rund 16 gesetzliche Grundlagen definieren die Informationsarbeit, unter anderem das Föderale Gesetz über Information, Informatisierung und Schutz der Information vom 25. Januar 1995, verschiedene Erlasse des Präsidenten, das Föderale Programm „Elektronisches Russland 2002-2010“ sowie weitere Dokumente.

Das Departament für staatliche Jugendpolitik in Moskau betont in seinem Papier zu Lage und Perspektiven der Informationspolitik für Jugendliche (2005) die Schaffung von Informationsressourcen wie zum Beispiel einen Jugendkanal im Fernsehen, ein interaktives Jugendportal im Internet sowie Printmedien, die sich an ein jugendliches Publikum beziehungsweise an Jugendarbeiter/-innen richten. Dabei setzt das Departament auf zwei Schwerpunkte:
- Informationen zu den Hauptausrichtungen der staatlichen Jugendpolitik, Erziehung und dem sozialen Schutz von Kindern, die sich an ein breites, insbesondere jugendliches, Publikum richten.
- Informationen über die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen, die sich an die Vertreter/-innen der administrativen Ebene und Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe richten (statistische Daten, Beiträge aus der Jugendforschung, staatliche Vorträge über die Lage der Jugend und die Umsetzung der Jugendpolitik etc.).

Ein nationales, von der Regierung oder dem Nationalen Jugendverband initiiertes Jugendportal gibt es bisher nicht. Es gibt sehr viele internetbasierte Jugendinformationsangebote. Siehe dazu auch die nachfolgende Auswahl von Links:

www.youthcentre.ru - Website des Jugendinformationszentrum MIZ in St. Petersburg 
www.pushkinlib.spb.ru/center.html - Informationszentrum für Menschenrechte in der Zentralen Städtischen Puschkin-Kinderbibliothekhttp://www.infoaktiv.ru/http://www.spbmic.ru/
www.ynpress.ru - Portal Junge Press (JUNPRESS)
www.molod.net - Jugendportal der Stadt Kemerovo
www.mykotlas.ru - Jugendportal der Stadt Kotlas
www.molsm.ru - Jugendportal „Das jugendliche Smolensk“
http://molarh.ru/ - Jugendinformationsportal der Region Archangelsk
http://vsesvoi.ru/ - Jugendinformationsportal der Region Perm
www.timolod.ru/ - Jugendinformationsportal der Stadt Nowosibirsk
http://moi-portal.ru/- Jugendinformationsportal der Stadt und der Region Tjumen
www.forma01.ru/ - Jugendinformationsportal der Republik Adygeja (Nordkaukasus)
http://www.zakoluchinsk.ru/

Kinder- und Jugendmedien

Die Jugendmedien in Russland sind im doppelten Sinne junge Medien: zum einen richten sie sich an Jugendliche, zum anderen gibt es sie in der bestehenden Form erst seit weniger als zehn Jahren. Bis zur Perestroika Ende der Achtziger-, Anfang der Neunzigerjahre unterstanden noch alle Jugendmedien, wie die gesamte Jugendarbeit, dem Komsomol, dem kommunistischen Jugendverband. Die Medienlandschaft bestand aus nur zwei überregionalen (zum Beispiel Komsomolskaya Pravda) - und einigen lokalen Jugendzeitungen in größeren Städten (zum Beispiel Smena aus Leningrad).

Schon seit Ende der Achtzigerjahre wurden die Jugendzeitungen zunehmend kritischer und strebten nach redaktioneller und finanzieller Unabhängigkeit. Während der Perestroika verhielten sie sich oppositionell, erlangten dann die gewünschte Unabhängigkeit, kamen aber dann schließlich mit den neuen Bedingungen nicht gut zurecht: Aufgrund der allgemeinen schlechten wirtschaftlichen Situation konnten sich die Leute nicht mehr so viele Zeitungen leisten wie früher. Der Konkurrenzkampf war und ist groß, und die Einnahmen deckten die Ausgaben nicht mehr, so dass die Löhne der Redakteure nicht mehr rechtzeitig ausgezahlt werden konnten und es vielfach zu internen Streitereien kam.

Aus dem Westen stammende Zeitschriften, die auch in russischer Sprache herausgegeben werden und bei Jugendlichen Anklang finden, sind Bravo, Freundin und Burda. Es gibt aber auch zahlreiche russische Jugendzeitschriften.

Die meisten kommerziellen (finanziell vom Staat unabhängigen) Rundfunksender richten sich an junge Hörer, wobei es Sender gibt, die eher westlich (Europa plus) und andere, die eher russisch (Russisches Radio) orientiert sind.

Während der Perestroika erfuhr auch das Jugendfernsehen einen Aufschwung. Es liegt in der Beliebtheitsskala der Medien bei Jugendlichen immer noch an der Spitze, ebenso Videos. Allerdings findet man heute kaum noch kritische oder ernste Sendungen. Spiele und Wettbewerbe, in denen es um Konsum geht, sind sehr beliebt. Der globale Videosender MTV hat einen russischen, sehr erfolgreichen Ableger. Dieser sendet ein eigenes, komplett russisches Programm mit sehr vielen russischen Interpreten.

Die Themen drehen sich in allen Jugendmedien um Konsum und Unterhaltung: Was kann man wo kaufen? Wie teuer ist das? - das sind die zentralen Fragen, die die Jugendlichen interessieren. Um einer vorschnellen Verurteilung dieser Haltung entgegenzuwirken, sollte man sich die Vergangenheit vor Augen führen. Zu Zeiten des Komsomols waren die Medien rein ideologisch und bevormundend und noch dazu prüde ausgerichtet. Nun ist das Pendel erst einmal ins Gegenteil ausgeschlagen: Jegliche Problematisierung wird als Belehrung empfunden. Da verwundert es kaum, dass bei den Jugendlichen auch wenig politisches Interesse an Europa zu vermelden ist.

Die Medien vermitteln auch das Bild Vom Tellerwäscher zum Millionär, die Idee des starken Mannes, der mit Nichts begonnen hat und nach zwei Jahren ein Vermögen macht. Dass dabei nicht immer legale Mittel zum Tragen kommen, spielt eine untergeordnete Rolle. Eine so genannte kriminelle Ethik hält ihren Einzug in die Jugendkultur.

Auch das Zeitalter des Internets hat Einzug in die Russische Föderation gehalten. Viele Einrichtungen und Organisationen haben eine E-Mail-Adresse oder eine Website. Vor allem in den Zentren nutzen auch immer mehr junge Menschen das Medium zu Hause.
(Quelle: CD-ROM des Jugendpresseclubs e.V.(http://www.jugendpresseclub.de ) "Sehen, Hören, lesen - Jugendmedien in Europa")

Internationale Kooperationen

Das Jugendinformationszentrum in St. Petersburg ist offizieller russischer Partner der Europäischen Jugendinformations- und -beratungsagentur ERYICA.

Reiseverhalten der Kinder und Jugendlichen

Reisen war und ist ein beliebtes Freizeitvergnügen auch unter russischen Jugendlichen. Derzeit scheitert die Reiselust der meisten Jugendlichen an den nicht vorhandenen finanziellen Mitteln, um eine Reise zu finanzieren. Diejenigen, die es sich leisten können, gehören zu den so genannten Neuen Reichen oder haben Kontakte oder Familie im Ausland, durch die sie die Reisekasse auffüllen können. Beliebte Reiseländer sind die USA, Spanien, die Türkei und Ägypten.

Freizeitangebote für russische Kinder und Jugendliche bieten die ehemaligen Kinder- und Pionierlager, die teilweise in Schullandheime umgewandelt wurden. Die Nutzung der Sommerfreizeitangebote scheitert oft an den fehlenden Finanzen.

Jugendherbergen und andere Jugendunterkünfte

Der 1992 gegründete Russische Jugendherbergsverband (RYH – Russian Youth Hostel Association) hat bisher in Moskau und St. Petersburg. Daneben gibt es den YHAR (Youth Hostelling Association of Russia) mit Herbergen in Moskau, St. Petersburg und Velikij Novgorod. Nicht alle Unterkünfte entsprechen deutschen Standards, oft werden aber auch zusätzliche Dienstleistungen wie Visabeschaffung angeboten.

Billige Übernachtungsmöglichkeiten bieten die Studentenwohnheime, die in den Semesterferien meist wie leergefegt sind. In den größeren Städten gibt es zudem so genannte Jugendhotels.

Reisetipps und -informationen

Staubige Strasse

Individualreisende sind in der Russischen Föderation ein seltenes Bild. Reisen dieser Art grenzen nicht selten an eine Abenteuerreise. Russischkenntnisse sind hierfür auf jeden Fall zu empfehlen, da man auf sich alleine gestellt und kein Reiseleiter in der Nähe ist, an den man sich wenden kann.

Der Reisetrend in die Russische Föderation ist gegenwärtig abnehmend, unter anderem, weil die Preise für westliche Touristen - besonders in den vielbesuchten Großstädten wie Moskau und Sankt Petersburg - sehr hoch sind. Die Eintrittspreise für Museen, Ausstellungen, Theater und andere kulturelle Einrichtungen sind für Einheimische und Touristen unterschiedlich. Auch ausländische Jugendliche zahlen den Touristenpreis.

Die europäische Jugendkarte Euro<26 ist inzwischen auch für die Russische Föderation gültig. Bestimmte Hotels, Reiseveranstalter, Bahn- und Busunternehmen, aber auch Einkaufsläden und Diskotheken gewähren Ermäßigungen bis zu 50%.

Große Entfernungen kann man in der Russischen Föderation am besten mit dem Flugzeug oder mit der Bahn bewältigen.

Angebote für Kinder und Jugendliche in den verschiedensten Bereichen wie zum Beispiel Workcamps, Sprachkurse, Studienreisen, multilaterale Jugendbegegnungen, Familienaufenthalte oder Praktika werden von Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland auch für die Russische Föderation angeboten. Eine Übersicht über diese Organisationen ist bei den Adressen unter Jugendinformationszentren und Jugendreisebüros/Organisationen der internationalen Jugendarbeit zu finden.

Weitere Angebote für Jugendliche über Aufenthalte in der Russischen Föderation unter http://www.rausvonzuhaus.de.

Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Die für die internationale Jugendarbeit zuständige zentrale Einrichtung in der Russischen Föderation ist die Unterabteilung für die internationale jugendpolitische Zusammenarbeit in der Föderalen Agentur für Bildung.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Der Deutsch-Russische Jugendrat ist ein Ausschuss, der im Rahmen des deutsch-russischen Regierungsabkommens über Jugendaustausch vom 13. Juni 1989 geschaffen wurde. Er ist paritätisch mit je sechs deutschen und russischen Ratsmitgliedern besetzt, die von den jeweiligen Regierungen für drei Jahre benannt werden. Der Rat tagt regelmäßig und beschließt die jährlich auf Bundes- beziehungsweise föderaler Ebene stattfindenden Programme zum Fachkräfteaustausch.

Der Deutsche Bundesjugendring (DBJR) und der Nationale Jugendrat Russlands (NYCR) arbeiten seit mehreren Jahren zusammen.

2004 wurde ein neues Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation über die jugendpolitische Zusammenarbeit unterzeichnet. Das Abkommen umfasst sowohl den schulischen als auch den außerschulischen Jugendaustausch sowie den Austausch von Fachkräften der Jugendhilfe. Koordinierungsbüros auf beiden Seiten bieten Information, Beratung und Förderung von Maßnahmen an. Der Sitz des deutschen Koordinierungsbüros ist in Hamburg, zuständig ist die Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch Gemeinnützige GmbH.

Im Rahmen von Städtepartnerschaften pflegen Moskau, Sankt Petersburg, Rostov-am-Don, die Kaliningrader, Novgoroder, Tjumener, Saratover sowie eine Reihe anderer Gebiete ebenso wie die Ural-Region besonders intensive Kontakte mit deutschen Bundesländern. Etwa 82 russische Städte unterhalten Partnerschaften mit mehr als 100 deutschen Städten.

Internationale Zusammenarbeit

Im bilateralen Bereich arbeitet die Russische Föderation neben der Bundesrepublik Deutschland mit weiteren Ländern wie Finnland, Frankreich, Italien, Polen, der Ukraine und Zypern sowie im Baltischen Raum mit Lettland und Litauen zusammen. Die Zusammenarbeit mit der asiatischen Region erstreckt sich auf die Länder Nord- und Südkorea, China, Indien und Japan. Außerdem wirkt die Russische Föderation aktiv in der Arbeitsgruppe Jugend des Barents-Euroarktischen Rats mit sowie im Ostsee- und im Arktischen Raum.

Das Zentrum für Polnisch-Russischen Dialog und Verständigung (Centrum Polsko-Rosyjskiego Dialogu i Porozumienia) initiiert, unterstützt und fördert Jugendaustauschprogramme zwischen Russland und Polen. In den Programmen sollen Jugendliche sich mit dem heutigen Russland beziehungsweise Polen vertraut machen und ihre Kenntnisse in der Geschichte und Kultur des jeweils anderen Landes verbessern.

Ebenso wirkt die Russische Föderation im Rahmen der multilateralen jugendpolitischen Zusammenarbeit im Rat für Jugendangelegenheiten der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) besteht ein Internationaler Rat aus führenden Vertreter(inn)en der staatlichen Jugendorgane, der regelmäßig zusammenkommt.

Die Russische Föderation arbeitet aktiv mit den Gremien des Europarats zusammen, hier insbesondere mit der Jugendministerkonferenz, dem Direktorat für Jugend und Sport, dem Europäischen Jugendfonds, und nimmt an den Programmen des Europarats in den Europäischen Jugendzentren in Strasbourg und Budapest teil. Außerdem kooperiert die Russische Föderation in Jugendfragen auch mit der Europäischen Kommission, der UNESCO und den Vereinten Nationen

Link
www.barentsyouth.org – Website der Barentsee-Jugend