Situation der Kinder und Jugendlichen
Kultur und Lebensformen
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Kriminalität
Drogen
Kultur und Lebensformen
Gut 9 Millionen Jugendliche im Alter zwischen 15 und 29 Jahren leben im Jahr 2005 in Spanien. Sie machen 21 % der Gesamtbevölkerung aus. Der Anteil der männlichen Jugendlichen überwiegt mit 51,5 % nur gering. Der Anteil jugendlicher Bevölkerung ist seit 1991 stetig gesunken. Die genaue Zahl Jugendlicher liegt bei 9 149 511, wovon 4 681 034 männlich und 4 468 477 weiblich sind.
Die Jugendlichen leben sehr ungleich auf das Staatsgebiet verteilt. Die drei Autonomen Gemeinschaften Andalusien (19,2 %), Katalonien (15,4 %) und Madrid (13,9 %) vereinen bereits fast die Hälfte aller Jugendlichen in Spanien, Valencia stellt mit 10,7 % ebenfalls überdurchschnittlich viele Jugendliche. Die restlichen 40,8 % Jugendlichen leben in den anderen Autonomen Gemeinschaften. 12,4 % aller Jugendlichen haben einen Migrationshintergrund.
Einige Merkmale und Neuerungen des VI. Bericht „Jugend in Spanien“ 2004 sind besonders hervorzuheben:
- Der Bericht wurde von einem Team aus sechs Wissenschaftler(inne)n erarbeitet, die alle Expert(inn)en in den von ihnen bearbeiteten Themen sind.
- Es wurde erstmals eine Studie über Migrantenjugendliche einbezogen. Diese Gruppe macht 5,2 % der in Spanien lebenden Jugendlichen aus.
- Ein weiteres Kapitel befasst sich speziell mit den geschlechtsspezifischen Unter-schieden zwischen männlichen und weiblichen Jugendlichen.
- Außerdem wurden die Nutzung der Informations- und Kommunikationstechnologien seitens der jugendlichen Bevölkerung sowie ihre sozialen, wirtschaftlichen und famili-ären Auswirkungen besonders erwähnt.
Veränderungen in der familiären Umgebung
Die Studienergebnisse zeigen die allmählichen Veränderungen der familiären Strukturen, in denen die Jugendlichen leben. Der Prozentsatz junger Menschen, die nicht mehr bei ihren Eltern oder anderen Verwandten wohnen, hat sich bei den älteren Jugendlichen (25 bis 29 Jahre) seit 2000 deutlich erhöht. Ein selbstständiges und unabhängiges Leben bedeutet für immer mehr Jugendliche eine durchaus gültige Alternative zum Leben im familiären Haushalt. Neue Aspekte erhält die unabhängige Haushaltsführung Jugendlicher dadurch, dass sie möglicherweise nur vorübergehend ist oder ökonomisch von einer Partnerschaft oder der Familie abhängt.
Freude am Leben und an den neuen Technologien
Die spanischen Jugendlichen äußern keine großen Lebenssorgen. Ihr Optimismus- und Zufriedenheitsgrad gegenüber dem Leben ist hoch. Die Gründe für die Zufriedenheit der spanischen Jugend liegen vor allem in der Harmonie persönlicher Beziehungen in Freundschaft, Partnerschaft und Familie.
Spanische Jugendliche identifizieren sich im Wesentlichen mit ihrem Dorf oder ihrer Stadt. Durch dieses Gefühl der Verwurzelung mit ihrer nächsten Umgebung sind sie sehr wenig mobil und ziehen aus keinem Grund gerne weg. Die Jugendlichen sind auf zwei Ebenen moderat nationalistisch eingestellt, im Allgemeinen fühlen sie sich ebenso Spanien wie auch ihren jeweiligen autonomen Regionen zugehörig. Allerdings beeinflusst die Tatsache, ob sie in einer historisch autonomen Region leben oder nicht, die Zu- oder Abgeneigtheit gegenüber Autonomiebestrebungen.
Jugendliche sind die stärksten Nutzer/-innen der Informations- und Kommunikationstechnologien: Die durchschnittliche Verweildauer der Jugendlichen im Internet liegt bei neun Stunden wöchentlich. Etwa neun von zehn Jugendlichen nutzen normalerweise und individuell ein Mobiltelefon, vor allem um Nachrichten zu senden und zu empfangen und um mit der Familie zu sprechen.
Jugendliche sind den neuen Technologien gegenüber optimistischer eingestellt als ältere Personen: Im Allgemeinen sehen sie ihre Privatsphäre nicht durch sie gefährdet. Jugendliche sind der Ansicht, dass Computer und die Kommunikation zwischen ihnen die Lebensqualität und das soziale Leben der Menschen verbessern.
Schule und Studium, Lesen, Freizeit, Internet und Sexualverhalten
1996 erreichte der Anteil Jugendlicher, der zur Schule geht oder studiert, mit 55 % seinen höchsten Stand. 2004 lag dieser Anteil bei 45 %. In den letzten Jahren ist nicht nur die Zahl an Schüler(inne)n und Studierenden gesunken, sondern auch der Anteil derjenigen, die ausschließlich die Schule besuchen oder studieren (31 % im Vergleich zu 41 % im Jahr 1996).
Die Jugendlichen verfügen im Durchschnitt über 28 Stunden Freizeit wöchentlich, männliche Jugendliche über zweieinhalb Stunden mehr als weibliche. Über 90 % der Jugendlichen geben an, dass sie Musik, Freunde, Fernsehen, Reisen und Kino mögen. Die größten Ausgaben im Bereich Freizeitaktivitäten fallen für „Ausgehen“ (60 %) an, gefolgt von „ins Kino gehen“ (13 %) und „Kauf von Kleidung, Büchern und Musik“ (7 %).
64 % der Jugendlichen haben im vergangenen Jahr durchschnittlich fast vier Bücher gelesen, eine Tätigkeit, die eher von weiblichen als von männlichen Jugendlichen praktiziert wird. Im letzten Quartal verfügten 62,6 % der Jugendlichen über einen Computer, mehr als die Hälfte davon für die persönliche Nutzung. Darüber hinaus können 41,5 % der Jugendlichen auf diesem Weg aufs Internet zugreifen.
81 % derjenigen, die die Fragen zur Sexualität beantworteten, gaben an, vollständige sexuelle Beziehungen gehabt zu haben. Männliche Jugendliche gaben eine größere sexuelle Erfahrung an als weibliche, wobei die Erfahrungen mit dem Alter zunehmen. 9,9 % der weiblichen Jugendlichen mit vollständigen sexuellen Beziehungen wurden ungewollt schwanger.
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Spanien hat die höchste Jugendarbeitslosigkeit innerhalb der Europäischen Union. Mit einer Rate 42,9 % im Oktober 2009 führt es die Liste der Jugendarbeitslosigkeit vor Lettland (33,6 %) an. (Quelle: Informationsbulletin der spanischen Botschaft, Nr. 246, 28.11.-4.12.09)
Unter der sozialistischen Regierung Zapatero wurden verschiedene Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit eingeleitet. Dazu zählen u. a. die Arbeitsmarktreform vom Mai 2006 mit einem umfassenden Maßnahmenkatalog mit den Schwerpunkten Arbeitsrechte, Förderung der unbefristeten Beschäftigung und Verbesserung der Situation Arbeitsloser. Ferner wurde eine nationale Aufklärungskampagne zu den Problemen jugendlicher Beschäftigung Trabaja Por Lo Justo vom spanischen Jugendrat durchgeführt.
Der Nationale Jugendrat CJE hat Jugendliche zu einer Beteiligungskampagne gegen die berufliche Unsicherheit aufgerufen: Campaña de Participación Juvenil contra la Precariedad Laboral, http://www.cje.org/trabajaporlojusto/campana.html
Kriminalität
Über von Jugendlichen verübte Straftaten liegen in Spanien wenig Angaben vor. Lediglich für die 15- bis 17-Jährigen gibt es Zahlen. Für jüngere gibt es keine Zahlen, und Volljährige gehen in der Statistik der Erwachsenen auf. Generell gilt aber: wenn Jugendliche an kriminellen Handlungen beteiligt sind, dann häufig als Opfer und nur selten als Täter.
In der Zeit des Heranwachsens ist der Hang, sich in Risikosituationen zu begeben und Normen zu verletzen besonders groß. Die geschieht oft im Gruppenzusammenhang. Diese Gruppen können manchmal auch etwas Sektenhaftes haben oder manchmal auch fremdenfeindlich gesinnt sein. Es handelt sich aber im Großen und Ganzen um Randerscheinungen, die selten echte Straftaten nach sich ziehen.
Gründe für Festnahmen bei den unter 18-Jährigen haben meistens mit Diebstahl in öffentlichen Einrichtungen, Unterschlagung und anderen Diebstählen zu tun. Andere Straftaten finden im Bereich des Straßenverkehrs statt oder haben mit Drogenkonsum zu tun. Die Zahl der Straftäter/-innen ist zwar gering, steigt jedoch in letzter Zeit an.
Außerdem gibt es das Phänomen des Vandalismus bei Jugendlichen, wobei sich dieses meist auf die Zeit vor der Aufnahme einer Arbeit oder dem Studienbeginn beschränkt.
Drogen
Zigaretten
Die spanischen Jugendlichen fangen meist mit 14 bis 15 Jahren an zu rauchen; nach einem Jahr sind es dann zirka 20 % der Jugendlichen, die abhängig sind, mit 20 bis 24 Jahren etwa 36 % und mit 25 bis 29 Jahren zirka 38 %.
Alkohol
Auch mit dem Alkohol beginnen die Jugendlichen in Spanien bereits mit 15 Jahren. Je älter die Jugendlichen werden, desto mehr von ihnen trinken auch täglich, die Männer allerdings deutlich häufiger als die Frauen. Mit 25 bis 29 Jahren genehmigen sich 10 % der männlichen Jugendlichen täglich ein oder mehrere alkoholische Getränke im Vergleich zu 4 % der Frauen. Die Zahl steigt danach übrigens noch deutlich an. Auf der anderen Seite gibt es mehr und mehr Jugendliche, die gar nicht trinken: von den 20- bis 29-Jährigen sagen 25 %, dass sie Abstinenzler sind.
Die Probleme der Jugendlichen mit dem Alkohol hängen eng mit dem Missbrauch während der abendlichen Wochenendaktivitäten zusammen. 48 % der Jugendlichen trinken in der Freizeit, wenn sie mit Freunden ausgehen. Und diese Zahl scheint noch zuzunehmen. Die meistkonsumierten Getränke sind Bier (48 %), Cocktails (combinados oder cubatas) (17 %) und Wein (16 %). Dieser soziale Konsum ist zu einer Gewohnheit geworden, zu der die Werbung ihren Teil beiträgt, in dem sie direkt oder indirekt alkoholische Getränke mit Freizeit und Kameradschaft in Zusammenhang bringt.
Auch die Zahl derjenigen, die sich am Wochenende exzessiv betrinken, gibt Anlass zur Sorge: mit 15 bis 19 Jahren sind es schon zirka 11 % bis 12 %, mit 20 bis 24 Jahren zirka 15 % und mit 25 bis 29 Jahren immer noch 12 %, wobei die Jungen deutlich mehr betroffen sind.
Illegale Drogen
Haschisch ist die meistkonsumierte illegale Droge, sowohl bei den Jugendlichen als auch in der Gesamtbevölkerung, gefolgt - allerdings mit großem Abstand - von Kokain und Ecstasy.
Ein Drittel der männlichen spanischen Jugendlichen und ein Viertel der jungen Frauen probiert mindestens einmal Haschisch: Tendenz steigend. Das Einstiegsalter liegt bei 19 Jahren. Haschisch wird sowohl am Wochenende als auch täglich geraucht.
Ecstasy wird - meist in moderaten Mengen - weitaus weniger konsumiert und auch erst später (mit zirka 20 Jahren). Sechs Prozent der männlichen Jugendlichen und zwei Prozent der weiblichen Jugendlichen haben mindestens einmal Ecstasy probiert. Tendenz: die Droge wird zwar immer früher probiert, dafür aber von immer weniger Jugendlichen.
Die Zahl derjenigen, die Kokain nehmen, hält sich mit den Ecstasy-Konsumierenden in etwa die Waage (7 % Jungen, 3 % Mädchen mit mindestens einmaligem Kontakt). Der Erstkontakt findet mit knapp 22 Jahren eher spät statt.
Früher als mit Kokain, nämlich mit zirka 19 Jahren, kommen die Jugendlichen mit Heroin in Kontakt, allerdings sind es nur sehr wenige. Die soziale Randstellung der Betroffenen hat sowohl damit zu tun, dass diese Jugendlichen anfälliger für eine Abhängigkeit von Heroin sind als auch mit der verheerenden Wirkung von Heroin selbst, die wiederum soziale Ausgrenzung nach sich zieht.
Tranquilizer und Schlafmittel werden eher nach der Jugendzeit genommen; die männlichen Jugendlichen beginnen mit etwa 25 bis 28 Jahren und die Frauen mit 30 Jahren.


