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Entwicklungen & Geschichte

Maurische Säulen in der Alhambra/Spanien. Foto: flickr.com © David Pham (CC: BY-NC-SA)
Maurische Säulen in der Alhambra/Spanien. Foto: flickr.com © David Pham (CC: BY-NC-SA)

Die Ablehnung der islamischen Botschaft durch die von einigen wenigen Familien beherrschte Gesellschaft in Mekka führte zur Auswanderung der Muslime nach Medina. Dort gelang es ihnen, eine demokratische Gesellschaftsform zu entwickeln. 

Muslime, Juden und auch Polytheisten schlossen sich zusammen und erarbeiteten ein Manifest, den so  genannten Vertrag von Medina. Dieser Vertrag ist in seinem Wortlaut erhalten geblieben. Er erklärt Muhammad gegenüber seiner Glaubensgemeinschaft zum Gesandten Gottes in religiösen Fragen. Gesellschaftliche Fragen wurden unter den Vertragsparteien im Rat beschlossen. Dem Gesandten Muhammad folgten vier gewählte Sachwalter.

Ausbreitung des Islams

Um 750 nach Christus hatte sich der Islam im Westen bis nach Cordoba/Spanien und im Osten bis Indien verbreitet. Die unkomplizierte Möglichkeit sich dem Islam anzuschließen, besonders aber die Verbesserung der Lebensbedingungen, ließ die Zahl der Konvertiten rasch anwachsen.

Eigentlich zeichnet sich der Islam nicht durch ein übersteigertes Interesse an Konversionen aus. Gemäß dem Koran ist gerechtes Handeln allen gegenüber und nicht Landnahme zur eigenen Bereicherung das Leitmotiv der Muslime. Je mehr sich jedoch der zeitliche Abstand zur Verkündungszeit vergrößerte, kam es dennoch aus machtpolitischen Interessen zu innerislamischen Auseinandersetzungen unter den einzelnen Dynastien (Herrscherfamilien) sowie zu Ungerechtigkeiten gegenüber eroberten Völkern.

Glaubensfreiheit für Andersgläubige war im Islam bis auf wenige Ausnahmen kein Problem; sie ist im Koran garantiert. Interreligiöser Umgang war seinerzeit eines der frühen Erfolgsrezepte. Zur Glaubenslehre des Islam zählt, dass es zur Freiheit des Menschen keine Alternative gibt. Monotheist(inn)en waren über die Glaubensfreiheit hinaus auch in der Ausübung ihres eigenen spezifischen Rechts frei. 

Bekannt ist das rücksichtsvolle Verhalten des Sultan Saladin beim Einzug in Jerusalem gegenüber Christen und Juden. Juden begrüßten den zweiten Khalifen 'Umar bei seinem Einzug in Jerusalem als Befreier. Die Nähe zu den anderen Religionen wird auch deutlich in einem Vertrag, in dem Sultan Fatih 1456 dem christlich-orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel Freiheit und Schutz für alle Christen zusicherte. Fruchtbare Zusammenarbeit der christlichen, jüdischen und muslimischen Glaubensgemeinschaften fand unter anderem auch von 771 bis zum Jahr 1500 in Andalusien (Cordoba, Granada, Toledo) statt.

Zwischen dem oben geschilderten theoretisch-religiösen Anspruch und der Wirklichkeit gab es in der Geschichte sporadisch natürlich auch Negativbeispiele. Auch heute wird das sehr wichtige und selbstverständliche Menschenrecht der Glaubensfreiheit leider nicht in allen islamischen Ländern garantiert. 

Die Dynastie der Abbasiden (750-1250) wurde bekannt durch ihr Interesse an wissenschaftlichen Erkenntnissen. Sie gründeten in Bagdad die erste Universität und begannen eine rege Übersetzungstätigkeit der Werke antiker Philosophen, die so auch für das Abendland erschlossen wurden. Die Mongolen vernichteten die Dynastie und die Bibliothek mit 300 000 Bänden ging 1250 in Flammen auf. Die letzte große Dynastie der Muslime war das Osmanische Reich (15. bis 20. Jahrhundert).

Unter anderem durch die Kolonialzeit gerieten die Muslime in politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten. Sie wurden von der plötzlichen zivilisatorischen und naturwissenschaftlichen Überlegenheit des Westens überrascht. Hastige Reformen konnten den Niedergang nicht mehr aufhalten. 

Seit dem 19. Jahrhundert gab es lebhafte Analyse- und Erneuerungsbemühungen, unter anderem auch auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften, der Theologie und des Rechts. Von dieser Zeit spricht man als der ‚islamischen Renaissance’.