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Religiosität heute und die Bedeutung der Religion für Jugendliche in der Diaspora

Die Fundamente und Ethik des Islam werden auch heute noch von einer überwiegend großen Anzahl der Muslime akzeptiert und bezeugt. Die Einhaltung von Riten hat hierbei immer auch mit der Kraft des und der Einzelnen, seiner/ihrer Sozialisation und seiner/ihrer aktuellen Lebenssituation zu tun. Muslime sollen nur dort leben, wo wenigstens soweit Freiheit herrscht, dass sie die Glaubenspraxis auch unter erschwerten Bedingungen noch leben können.

Für junge Muslime und Musliminnen in Deutschland spielt Religion nach ihren eigenen Angaben eine bedeutende Rolle. In der Diaspora wird die Religion stärker als Identität stiftend empfunden. Insgesamt ist es jedoch nicht einfach, einen authentischen Einblick in die Religiosität junger Muslime und Musliminnen zu erhalten. Eine Öffnung zum Gespräch wird nur auf der Basis gegenseitigen Vertrauens erreicht werden können. Viele Muslime lehnen die Forschungsarbeiten, in denen sie zum Objekt von Untersuchungen gemacht werden, ab.

Patchwork-Religiosität

Unter veränderten kulturellen Bedingungen kommt es häufig auch zu einer Patchwork-Religiosität, in der Jugendliche auswählen, welche Anteile der Religion sie annehmen und welche sie verändern möchten. Diese Wahl möchten sie selbst verantworten.

Von konservativen Muslimen wird dies meist ebenso wenig verstanden wie von der Mehrheitsgesellschaft, die ihre eigene säkulare Sicht auf Religion als maßgebend betrachtet. Die Schlussfolgerung, "wem man Religion nicht ansehe bzw. in seinem Lebenswandel nicht anmerke, sei von der Religion der Väter entfremdet“, wäre jedoch voreilig.

Muslim-Sein und Integration

Imam beim Gebet in einer Hamburger Moschee. Foto: flickr.com © Mark Henckel (CC: BY-NC-SA)
Imam beim Gebet in einer Hamburger Moschee. Foto: flickr.com © Mark Henckel (CC: BY-NC-SA)

Musliminnen und Muslime sehen sich in Bekenntnis und Auslebung ihrer Religiosität oftmals Schwierigkeiten gegenüber. Sie beklagen, dass ihrer Religion kaum Wertschätzung entgegengebracht werde. Mit gesellschaftlicher Ausgrenzung müsse rechnen, wer sich dem ‚Mainstream’ nicht verpflichtet fühle. In einer einerseits „überliberalisierten“, andererseits Normen betonenden Gesellschaft sei es nicht leicht, religiöse Denkweisen zu vertreten. Wegen der Gefahr, verlacht und abgelehnt zu werden, ziehen sich viele Muslime in ihre Binnengesellschaft zurück, was dann wiederum die Angst vor der Entstehung von Parallelgesellschaften schürt.

In der letzten Zeit nehmen Massenveranstaltungen muslimischer Jugendlicher zu. Zum Prophetengeburtstag 2007 in Köln zum Beispiel kamen Tausende in die Kölnarena. Obwohl dies durchaus zur Identitätsbildung der muslimischen jungen Menschen beitragen kann, bleibt dennoch der Zusammenhang zwischen solchen ‚Trendwendungen’ und der zunehmenden Skepsis gegenüber muslimischem Leben in der Gesellschaft zu beobachten. 

Die lange Zeit vertretene Ansicht, dass Religion ein Hindernis für Integration darstelle, zeigt besonders bei den Muslimen und Musliminnen mit Migrationshintergrund negative Auswirkungen bis hin zum Rückzug aus der Mehrheitsgesellschaft. 

Muslim-Sein und Tradition

Einer weiteren Schwierigkeit begegnen die muslimischen Jugendlichen aber auch in ihrer jeweiligen Binnengesellschaft, wenn diese eher auf traditionellen Vorgaben besteht, die die Jugendlichen selbst so nicht mehr mit vollziehen können und wollen.

Nicht überall treffen Jugendliche auf Fachkräfte, die ihnen den Unterschied zwischen den ‚reinen islamischen Leitlinien’ und denen der unterschiedlichen Traditionen aus den Herkunftsländern ihrer Eltern und Großeltern erklären können. Wo dies durch Nichtmuslime geschieht, werden diese Angebote meist nicht angenommen.

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