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Ethnisch-religiöse Zugehörigkeit und Glaubensrichtungen

Ausgehend von deutschsprachigen Ländern und Spanien kristallisierten sich im Laufe der Zeit eigene kulturelle Traditionen heraus. Dies war die Geburtsstunde des aschkenasischen (deutschen) und sephardischen (spanischen) Judentums. Es wurden eigene Sprachen (Jiddisch, Ladino) gepflegt und es entstanden eigene Bräuche und Riten, die noch heute ausgeübt werden.

Im Judentum lassen sich zwei religiöse Hauptrichtungen voneinander unterscheiden: orthodoxes und nicht-orthodoxes Judentum. Beide setzen sich aus mehreren separaten Bewegungen zusammen.

Orthodoxes Judentum

Junge mit Schläfenlocken und Kippa. Foto: Robert Szczepanek - fotolia.com
Junge mit Schläfenlocken und Kippa. Foto: Robert Szczepanek - fotolia.com

Das orthodoxe Judentum betrachtet die schriftliche und mündliche Lehre als Gottes Offenbarung an Mosche. Die darin enthaltenen Gesetze sind daher verbindlich und unveränderlich. Zum orthodoxen Judentum zählen das modern-orthodoxe Judentum sowie charedische (hebräisch: fromme) Gruppierungen:Die modern-orthodoxe Bewegung folgt einerseits strikt dem jüdischen Gesetz, zeigt sich andererseits aber aufgeschlossen gegenüber der nichtjüdischen Gesellschaft, weltlicher Bildung und Fragestellungen der Moderne.

Charedische Bewegungen vertreten sehr konservative jüdische Lebensformen, in deren Mittelpunkt die Einhaltung des jüdischen Gesetzes und das Studium von Talmud und Tora stehen. Um sich darauf konzentrieren zu können, bevorzugen die Angehörigen dieser Bewegungen meist eine gleichgesinnte Nachbarschaft. Weltlicher Bildung stehen sie oftmals distanziert bis ablehnend gegenüber. Jede charedische Gruppierung verfügt über eigene Kleidungstraditionen, manche tragen Schläfenlocken. Gruppen mit orthodoxer Prägung bestehen auf strikter Geschlechtertrennung. In der Synagoge übernehmen Frauen keine aktiven Ämter wie Rabbinerin oder Kantorin. 

Nicht-orthodoxes Judentum

Das nicht-orthodoxe Judentum lässt sich in mehrere Bewegungen einteilen. Die bedeutendsten sind das liberale Judentum (Reformjudentum/ progressives Judentum), das konservative Judentum (Masorti-Bewegung) und der Rekonstruktionismus:

Das liberale Judentum sieht die Tora als ein von Gott inspiriertes Werk. Das Judentum wird als Religion mit der Pflicht zur Weiterentwicklung betrachtet. Ethische Gesetze der Tora werden hier bejaht, rituelle Gesetze wie die Speise- und Schabbatgesetze hingegen als nicht verbindlich erachtet. Teile des liberalen Judentums akzeptieren eine Person als jüdisch, sofern ihr Vater Jude und sie in der jüdischen Religion aufgewachsen ist. Das liberale Judentum akzeptiert Frauen wie Männer in Synagogenämtern.

Das konservative Judentum versteht die Tora als von Gott offenbartes Wort. Es tritt für gemäßigte Reformen unter Berücksichtigung der Halacha ein und ist bemüht, Tradition und Moderne behutsam miteinander in Einklang zu bringen. In manchen Fragen der Religion erscheint die konservative Bewegung als Mittelweg zwischen liberalem und orthodoxem Judentum. Die meisten konservativen Gemeinden akzeptieren in allen religiösen Ämtern Frauen wie Männer.

Der Rekonstruktionismus ist als jüngste der drei nichtorthodoxen Bewegungen bislang nur in den USA verbreitet. Das Judentum ist aus dieser Sicht eine sich fortwährend weiterentwickelnde Kultur. Es betrachtet die Tora nicht als gottgegeben, sondern als Erzeugnis der gesellschaftlichen und zeitgeschichtlichen Entwicklung des jüdischen Volkes. Die Halacha wird nicht als bindend betrachtet. Personen werden als jüdisch erachtet, sofern sie einen jüdischen Elternteil haben und jüdisch erzogen wurden. In allen Gemeindeämtern werden Frauen wie Männer akzeptiert.

Einige Zahlen

Verlässliche Zahlen über die Zugehörigkeit zu den einzelnen Glaubensrichtungen zu benennen, ist schwierig. Laut einer im Jahr 2006 veröffentlichten Studie sind in den USA 46 % der jüdischen Bevölkerung in jüdischen Gemeinden organisiert.  Davon entfallen 73 % auf die nicht-orthodoxen Strömungen (38 % Reformatorisch; 33 % Konservativ; 2% Rekonstruktionismus) und 22 % auf die Orthodoxie.

Nach dem Central Bureau of Statistics des Staates Israel erklärten sich im Jahr 2007 43 % aller jüdischen Israelis als ‚säkular’, 35 % als „nicht religiös, aber traditionell“ (nicht nach der Halacha lebend), 9 % als traditionell-religiös und 12 % als Charedim. 

In Deutschland ist etwa die Hälfte der 200 000 Juden Mitglied einer jüdischen Gemeinde. Neben den von mehrheitlich orthodoxen Rabbinern geführten Einheitsgemeinden gibt es liberale Gemeinden mit etwa 4000 Mitgliedern.

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