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Geschichte des Judentums

„An den Strömen Babylons saßen wir und weinten“ (Psalm 137,1): Das babylonische Exil

Mit der Zerstörung des Tempels beginnt für die meisten Judäer eine Exilszeit in Babylonien, der erst 50 Jahre darauf mit dem Erlass des Perserkönigs Kyros ein Ende gesetzt wird. Der geistigen Elite der verschleppten Judäer kommt im Exil die schwierige Aufgabe zu, das Vakuum, das durch den Verlust der Heimat und des Tempels entsteht, zu füllen. So werden in der Fremde altbekannte Traditionen bewahrt und der Ein-Gott-Glaube gepflegt. 

Zum Zentrum des religiösen Lebens werden Tora-Gelehrsamkeit und Gebete. An die Stelle des einstigen (Tier-)Opferdienstes im Tempel rückt nun das Gebet, Awoda ScheBaLew (hebräisch: der Dienst mit dem Herzen). Gottesdienste werden in eigenen Gebetsräumen abgehalten, die zu Vorläufern der Synagoge werden. 

Durch die Pflege jüdischer Traditionen und den Zusammenhalt als Gruppe gelingt es den Judäern, das Exil zu überdauern. Als ihnen im Jahr 539 vor der Zeitenrechnung unter der Herrschaft der Perser die Rückkehr in die einstige Heimat und der Wiederaufbau des Tempels ermöglicht wird, entschließen sich viele für diese Möglichkeit. Etliche aber haben sich so weit am Ort eingelebt und etabliert, dass sie einen Verbleib im Land vorziehen. 

Die Zeit des Zweiten Tempels

Klagemauer in Jerusalem. Foto: flickr.com © stinker (CC: BY-NC-SA)
Klagemauer in Jerusalem. Foto: flickr.com © stinker (CC: BY-NC-SA)

Den zurückkehrenden judäischen Frauen und Männern gelingt es über einen langen Zeitraum hinweg, ein politisches und geistiges Zentrum in Jerusalem aufzubauen und zu erhalten. Durch rechtzeitiges Eingehen auf die Forderungen fremder Großmächte bleiben sie weitgehend unabhängig. Am Beispiel des Makkabäer-Aufstands wird aber deutlich, dass die Bewohner und Bewohnerinnen Judas sich gegen religiöse Fremdbestimmung dennoch durchaus zur Wehr setzten.

Als der seleukidische Herrscher Antiochos Statuen von Fremdgöttern im Jerusalemer Tempel aufstellt und die Juden mit Androhung der Todesstrafe von ihrer Religion abbringen will, organisiert sich 167 vor der Zeitenrechnung eine Gegenwehr. An der Spitze der Judäer steht die Familie des Priesters Matitjahu, dessen Söhne, allen voran Jehuda Makkabi (daher der Name Makkabäer), Jerusalem und den Tempel wieder einnehmen können. An dieses Ereignis, vor allem an die Reinigung des Tempels und die Wiederaufnahme des Opferdienstes, erinnert seither Chanukka, das Lichterfest. 

Die Stadt Jerusalem bleibt im weiteren Verlauf der Geschichte Schauplatz bedeutsamer Ereignisse. Um 20 vor der Zeitenrechnung lässt der von Rom abhängige König Herodes den Tempelbezirk aufwendig erneuern und um das Areal eine stattliche Mauer errichten. Ein Teil dieser Mauer, der Kotel HaMaarawi (hebräisch: Westmauer; Klagemauer genannt), wird heute von vielen als der heilige Ort des Judentums betrachtet. 

Als im Jahr 66 nach der Zeitenrechnung eine Revolte gegen die römische Vorherrschaft ausbricht, kommt es zu mehrjährigen kriegerischen Auseinandersetzungen. An ihrem Ende wird der Aufstand niedergeschlagen, Jerusalem eingenommen und der Tempel in Flammen gesetzt. Mit der Zerstörung des Tempels im Jahre 70 nach der Zeitenrechnung verlieren die Juden ihren religiösen Mittelpunkt, verbunden mit der endgültigen Einbuße staatlicher Souveränität.

Jüdische Selbstbehauptung nach der Tempelzerstörung

Der Kampf gegen Rom ist zu diesem Zeitpunkt jedoch nicht für alle Juden beendet: Gut 1000 von ihnen verschanzen sich mehrere Jahre auf Massada, einer schwer einnehmbaren Bergfestung am Toten Meer. Bedroht durch eine bevorstehende Einnahme, ziehen die jüdischen Freiheitskämpfer den gemeinsamen Selbstmord der Kapitulation vor. Aufgrund seiner historischen Bedeutung vereidigt dort heute der Staat Israel seine Rekruten.

Zu einem letztmaligen Aufstand der Juden gegen Rom kommt es im Jahr 132 nach der Zeitenrechnung. Nach seiner Zerschlagung wird Jerusalem als römische Stadt wieder aufgebaut, deren Betreten den Juden nur am Trauertag der Tempelzerstörung (9. Aw) gestattet ist. 

Trotz ihrer Zerstreuung in alle Himmelsrichtungen bleiben die Juden aufgrund ihres Glaubens an den einen Gott, ihrer gemeinsamen Herkunft und Geschichte und ihrer Hoffnung auf Rückkehr in die einstige Heimat ein Volk. Parallel zu den gravierenden historischen Veränderungen entwickelt sich innerhalb des jüdischen Gelehrtenstands ein Bestreben, Lehre und Leben des Volkes Israel durch die Zusammenstellung eines umfangreichen Schriftwerks zu sichern: Der Talmud nimmt Gestalt an. 

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