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Religiöse Rituale/Alltagsrituale/Feste im Judentum

Schabbat

Der Schabbat ist der wöchentliche Ruhetag, der am Freitagabend etwa 20 Minuten vor Sonnenuntergang beginnt und am Samstagabend mit dem Erscheinen von drei Sternen am Nachthimmel endet. Mit ihm sind sowohl Pflichten als auch Verbote verbunden.

Dem Schabbat liegt die Vorstellung zugrunde, dass der Mensch den göttlichen Rhythmus der biblischen Schöpfung nachahmen soll. So wie Gott nach Ablauf von sechs Tagen sein schöpferisches Werk beendete und am siebten Tag ruhte (= Schabbat), soll der Mensch Tätigkeiten vermeiden, die einen kreativen Charakter besitzen.

Es gibt 39 Hauptkategorien (plus einige Nebenkategorien) von am Schabbat verbotenen Tätigkeiten. Diese Kategorien gehen auf Handlungen zurück, die für den Bau des Heiligtums in der Wüste nötig waren. Die Hauptkategorien erstrecken sich auf die Bereiche der Nahrungserzeugung, Textilerzeugung, Lederverarbeitung, Schreibarbeiten, Handwerken, Feuer machen und vermehren sowie Lastentragen und Transporttätigkeiten.

Das Einhalten der Schabbat-Gebote wird als Schmirat Schabbat bezeichnet. Derjenige, der diese Gebote einhält, ist ein Schomer Schabbat (männlich) oder eine Schomeret Schabbat (weiblich).

Eine Ausnahme von der Einhaltung dieser besonderen Schabbat-Gebote besteht in Notfällen, wenn zum Beispiel menschliches Leben gerettet oder erhalten werden muss (Pikuach Nefesch). Eine weitere Ausnahme bietet unter anderem die Brit Mila (Beschneidung), da sie für den achten Lebenstag geboten ist. Fällt der für eine Brit Mila vorgesehene Tag auf einen Schabbat, so muss die Beschneidung also trotz des Schabbat durchgeführt werden.

Ein Schabbat wird erst durch das Genießen einer warmen Speise vollständig. Da Kochen und Erhitzen am Schabbat verboten ist, müssen jegliche Speisen vor Schabbat-Beginn vorgekocht werden. Diese können bis zur Mahlzeit in einem Schabbat-Ofen oder durch eine Schabbat-Platte warm gehalten werden.

Kalender

Die jüdische Religion verfügt über eine eigene Zeitrechnung. Anhand biblischer Angaben errechneten jüdische Gelehrte den Zeitpunkt der Weltenschöpfung, der zum Beginn des jüdischen Kalenders erklärt wurde. Das Jahr 2007 entspricht dem Jahr 5768 jüdischer Zählung.

Im 4. Jahrhundert wurde ein Kalender eingeführt, nach dem sich die jüdische Gemeinschaft bis heute richtet. Ein Jahr hat, jeweils mit dem Neumond beginnend, zwölf Monate mit 354 Tagen. Jeder Monat hat entweder 29 oder 30 Tage. Um den Unterschied zum Sonnenjahr (365 Tage) auszugleichen, wird nach fester Regel alle paar Jahre ein 13. Monat eingeschaltet (Schaltjahr). Damit wird garantiert, dass jüdische Feiertage ihren jahreszeitlichen Bezug nicht verlieren. 

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Feier- und Gedenktage

  • 1. Monat: Tischri (September/Oktober): 

Rosch HaSchana (1. - 2. Tischri)
Dies ist das Neujahrsfest. Es wird an zwei Tagen gefeiert, dem 1. und 2. Tischri. Der Monat Tischri liegt in den Monaten September bis Oktober. Hier wird sowohl die Erschaffung der Welt gefeiert als auch der Gerichtsbarkeit Gottes über die Menschen gedacht. Der Mensch lässt das zurückliegende Jahr Revue passieren und geht in sich. Der jüdischen Vorstellung zufolge sitzt Gott während der „ehrfurchtsvollen Tage“ als Richter über die Menschen zu Gericht und entscheidet mit Blick auf das anstehende Jahr über Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit. Herausragendes Symbol dieser Zeitperiode ist der Schofar, das Widderhorn, fordern seine Töne den Menschen doch zur Umkehr zu Gott auf.
 
Jom Kippur (10. Tischri)
Der Versöhnungstag Jom Kippur schließt die mit Neujahr begonnenen so genannten „ehrfurchtsvollen Tage“ ab. 
An diesem höchsten jüdischen Feiertag verzichtet man 25 Stunden auf Essen und Trinken und konzentriert sich völlig auf das Gebet in der Synagoge. 

Sukkot (15. - 21. Tischri)
Sukkot ist das Laubhüttenfest. Die Hütten erinnern an die behelfsmäßigen Behausungen, in denen die Kinder Israel während ihrer Wanderung von Ägypten nach Kanaan wohnten. 

Simchat Tora (23. Tischri)
Simchat Tora ist das „Tora-Freudenfest“. An diesem Tag wird der jährliche Zyklus der Tora-Lesungen beendet und die Lesung eines neuen Zyklus begonnen. 

  • 3. Monat: Kislew (November/Dezember) 

Chanukka (25. Kislew - 2. Tewet)
Das achttägige Lichterfest erinnert an den historischen Sieg der jüdischen Makkabäer über das syrisch-griechische Regime. 164 vor der Zeitrechnung wurde der Jerusalemer Tempel durch die Makkabäer zurückerobert und mit dem Anzünden des sechsarmigen Leuchters, der Menora, für den traditionellen Tempelritus geweiht. Chanukka bezeichnet diese Wiedereinweihung des Tempels. Sinnbild dessen wurde die Chanukkija, der achtarmige Leuchter: Das für das Entzünden der Menora benötigte koschere Öl reichte auf wundersame Weise anstelle von einem einzigen ganze acht Tage und gab damit ausreichend Zeit, um neues koscheres Öl herzustellen. In Erinnerung daran entzünden Juden zu Chanukka an jedem Abend ein weiteres Licht der Chanukkija, bis am achten Festtag alle acht Kerzen des Leuchters entzündet sind. 

  • 4. Monat: Tewet (Dezember/Januar) 

Fasten 10. Tewet (10. Tewet)
Fasttag, der an die Belagerung Jeruschalajims (Jerusalem) durch die Babylonier erinnert.

  • 5. Monat: Schwat (Januar/Februar) 

Tu BiSchwat (15. Schwat)
Dies ist das „Neujahrsfest der Bäume“. In der Antike galten für den Verzehr von Baumfrüchten besondere Regeln, die vom Tag ihrer Pflanzung abhängig waren. So blieben die Früchte eines Baumes in den ersten drei Jahren unangetastet, im vierten Jahr wurden sie zum Jerusalemer Tempel gebracht und erst ab dem darauf folgenden Jahr durften sie verzehrt werden. Da man nicht das „Geburtsdatum“ aller Bäume kannte, wurde der 15. Schwat, auf Hebräisch Tu BiSchwat, zum „Neujahrstag der Bäume“. 
Heute ist es Brauch, von den so genannten „sieben Arten“ zu essen, mit denen das Land Israel gesegnet ist. Dies sind Weizen, Gerste, Weintrauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln. In Israel selbst ist es an Tu BiSchwat Tradition, Setzlinge zu pflanzen. Es steht auch für das Erwachen der Natur im Frühling und ein Engagement für die Umwelt.

  • 6. Monat: Adar (Februar/März) 

Purim (14. Adar)
Purim erinnert an die Rettung der persischen Juden, wie sie im biblischen Buch Ester überliefert ist. Nach der Verbannung der Königin nimmt die jüdische Waise Ester als deren Nachfolgerin Platz auf dem persischen Thron. Die Lage der persischen Juden wird bedrohlich, als der königliche Minister Haman eine gegen sie gewandte Verschwörung initiiert: An einem durch Loswerfen (akkadisch Pur, daher der Name Purim) festgesetzten Tag sollen alle Juden des persischen Reiches ausgerottet werden. Durch ihren Ziehvater Mordechai von diesem Plan in Kenntnis gesetzt, kann Königin Ester das Böse verhindern und die Juden retten. 

In Anlehnung an die Ester-Erzählung ist heute geboten, am Tag vor Purim zu fasten (Fasten Ester). Während des Verlesens der Esterrolle in der Synagoge schlagen Alt und vor allem Jung Krach beim Erklingen des Namens Hamans. Zu den Festbräuchen gehört neben einem Festmahl das Versenden von Geschenken an Bekannte und Mittellose. 

  • 7. Monat: Nissan (März/April) 

Pessach (15. - 22. Nissan) 
Pessach, wörtlich das „Überschreitungsfest“, erinnert an die Knechtschaft der Juden in Ägypten, das „Überschreiten“ jüdischer Häuser durch den Todesengel während der zehnten Plage und den Auszug unter Mosche. Für Juden ist dieses Fest bedeutsam, weil mit ihm die freiwillige Orientierung an den Geboten Gottes und der Wandel zu einem Volk mit eigenem Land verbunden ist. 

Eingeleitet wird das Pessach-Fest durch zwei Seder-Abende. Der Ablauf dieser Abende orientiert sich an einer vorgegebenen Ordnung (hebr. seder), ihr Herzstück ist ein rituelles Mahl, das von der Haggada, der Erzählung vom Auszug aus Ägypten, und vielen Liedern umrahmt wird. Während der achttägigen Festzeit vermeidet man den Verzehr von jeglichem Gesäuerten. Besonderen Bekanntheitsgrad erlangte dadurch die Mazza, das ungesäuerte Brot. 

Jom HaSchoa (27. Nissan)
Gedenktag für die Opfer des Holocaust.

  • 8. Monat: Ijar (November/Dezember) 

Jom HaAzmaut (5. Ijar)
An Jom HaAzmaut gedenkt man des Tages, an dem im Jahr 1948 durch David Ben Gurion die Unabhängigkeit des modernen Staates Israel verkündet wurde. Mit der Staatsgründung schließt sich für Juden ein historischer Kreis, dem eigentlich nur der Begriff der Rückkehr gerecht wird, kehren sie doch auf dem für ihre Ursprungsgeschichte wesentlichen Territorium zur Eigenstaatlichkeit zurück.

Lag BaOmer (18. Ijar)
Feier in Erinnerung an das Ende einer Epidemie in der Antike.

Jom Jeruschalajim (28. Ijar) 
Dieser Tag erinnert an die Wiedervereinigung Jerusalems 1967.

  • 9. Monat: Siwan (Mai/Juni) 

Schawuot (6.-7. Siwan)
„Wochenfest“: Fest in Erinnerung an die Übergabe der Tora sieben Wochen nach dem Auszug aus Ägypten. 

  • 10. Monat: Tamus (Juni/Juli) 

Fasten 17. Tamus (17. Tamus)
Fasttag, der an die römische Belagerung Jerusalems erinnert. 

  • 11. Monat: Aw (Juli/August) 

Fasten 9. Aw (9. Aw)
Fasttag, der an die Zerstörung der beiden Tempel erinnert. 

  • 12. Monat: Elul (August/September) 

In diesen Monat fallen keine jüdischen Feste.

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