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Rolle von Mann und Frau im Islam

Mann und Frau im Koran

Der Koran geht von der Gleichheit der Geschlechter aus. In der koranischen Schöpfungsgeschichte wird davon gesprochen, dass Gott den Menschen aus einer einzigen Substanz geschaffen hat.

„Ihr Menschen, fürchtet euren rabb (Schöpfer), Der euch erschaffen hat aus einer einzigen Substanz; und aus dieser erschuf Er das entsprechende Partnerwesen, und aus den beiden ließ Er viele Männer und Frauen entstehen. Und fürchtet Gott, in Dessen Namen ihr einander bittet, sowie (im Namen eurer) Blutsverwandtschaft. Tatsächlich, Allah wacht über euch.“ (Koran 4:1)

Im Koran wird nicht einem Geschlecht allein die Last der Verantwortung für das Verlassen des Paradieses angelastet.1 Auch an vielen anderen Stellen im Koran wird die Gleichheit der Menschen durch die Geschöpflichkeit betont. Wenn alle Menschen aus derselben Substanz geschaffen sind, sind sie als Geschöpfe gleich und ebenbürtig, das heißt niemand kann sich über den anderen erheben. 

Gott betont stets, dass er dem Menschen nahe ist2 und sich ihm gegenüber zur Barmherzigkeit verpflichtet hat3, ohne dabei eine bestimmte Gruppe oder Gemeinschaft zu bevorzugen. So wie die Gleichwertigkeit aller Menschen als Geschöpfe Gottes betont wird, so wird auch an vielen Stellen die Gleichberechtigung der Geschlechter benannt. Frauen gelten in ihrem Sein als den Männern gleich (siehe Vers 4:1). An sie werden gleiche Erfordernisse gestellt und ihnen wird gleicher Lohn in Aussicht gestellt. Diese Gleichwertigkeit der Geschlechter lässt sich mit den folgenden Koranzitaten belegen:

„Die muslimischen Männer und die muslimischen Frauen, die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen, die gehorsamen Männer und die gehorsamen Frauen, die ehrlichen Männer und die ehrlichen Frauen, die geduldigen Männer und die geduldigen Frauen, die demütigen Männer und die demütigen Frauen, die Männer, die Almosen geben, und die Frauen, die Almosen geben, die Männer, die fasten, und die Frauen, die fasten, die Männer, die ihre Keuschheit wahren, und die Frauen, die ihre Keuschheit wahren, die Männer, die Allahs häufig gedenken, und die Frauen, die (Allahs häufig) gedenken - Allah hat ihnen (allen) Vergebung und großen Lohn bereitet.“ (Koran 33:35)

„Und die gläubigen Männer und die gläubigen Frauen sind einer des anderen Beschützer: Sie gebieten das Gute und verbieten das Böse und verrichten das Gebet und entrichten die Zakat und gehorchen Allah und Seinem Gesandten. Sie sind es, derer Allah Sich erbarmen wird. Allah ist Erhaben, Allweise.“ (Koran 9:71)

„...Die Männer sollen ihren Anteil nach ihrem Verdienst erhalten, und die Frauen sollen ihren Anteil nach ihrem Verdienst erhalten. Und bittet Allah um Seine Gnade. Allah hat vollkommene Kenntnis von allen Dingen.“ (Koran 4:32)

Gesellschaftliche Realität

Trotz dieser koranischen Grundlage beanspruchen Männer überwiegend für sich die Macht – sowohl in der Familie als auch in den Gemeinden. Dies ist auf die meist traditionelle Sozialisation und den damit verbundenen gesellschaftlichen Zwang zurückzuführen.

Auch die Interpretation bestimmter Koranverse ist meist noch sehr patriarchal. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Übersetzung des viel zitierten Verses 4:34, mit dem versucht wird, das Schlagen von Frauen religiös zu legitimieren. Ein Großteil der muslimischen Männer würde in der Realität zwar sicher nicht so handeln. Trotzdem möchten sie aber die herkömmliche patriarchale Lesart des Verses beibehalten. Die beiden Übersetzungsmöglichkeiten werden hier dargestellt:

Herkömmliche Übersetzung 
„Die Männer stehen den Frauen in Verantwortung vor, weil Allah die einen vor den anderen ausgezeichnet hat und weil sie von ihrem Vermögen hingeben. Darum sind tugendhafte Frauen die Gehorsamen und diejenigen, die (ihrer Gatten) Geheimnisse mit Allahs Hilfe wahren. Und jene, deren Widerspenstigkeit ihr befürchtet: ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie! Wenn sie euch dann gehorchen, so sucht gegen sie keine Ausrede. Wahrlich, Allah ist Erhaben und Groß.“ [Koran 4:34]4  

Geschlechtergerechte Perspektive
„Die Männer5 stehen ein für die Frauen6, wegen dem womit All?h die jeweils einen vor den jeweils anderen ausgezeichnet hat, und weil sie (als die wirtschaftlich Unabhängigen) aus ihrem Vermögen (Unterhalt und Versorgung) ausgeben. Darum sind loyale Frauen (Allah gegenüber) ergeben. (Sie sind) diejenigen, welche die Geheimnisse, (in der Ehe, was nicht öffentlich gemacht wird und Außenstehenden verborgen bleiben soll in Bezug auf die Beziehung der Eheleute) gemäß All?hs Weisung bewahren. Und wenn ihr annehmt, dass Frauen sich (einen Vertrauensbruch) begehen, beratschlagt euch mit ihnen und (falls keine Veränderung eintritt) verlasst den Privatbereich (kehrt ihnen den Rücken zu und meidet Intimitäten) und (als letztes) trennt euch von ihnen.7 Wenn sie zur loyalen Haltung zurückkehren, so sucht gegen sie keine Handhabe (um ihnen zu schaden). Wahrlich, All?h ist erhaben, größer (als alles Vorstellbare).“
[Erläuterung zu Sure 4.34]8 

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Frauen in Ämtern?

In vielen Moscheen ist das Amt des Hodschas beziehungsweise Imams grundsätzlich für Männer vorgesehen, vor allem seit es zu einer Professionalisierung in diesem Bereich gekommen ist.

Wenn Moscheegemeinden erzählen, dass sie durchaus weibliche Hodschas haben, sind meist damit Lehrerinnen für den Koranunterricht oder sonstigen Unterricht für die Mädchen gemeint.

Eine Ordination gibt es im Islam nicht, trotzdem gibt es kaum eine Gemeinde, die eine weibliche Vorbeterin akzeptieren würde. Theologisch gesehen ist diese Frage durchaus strittig.

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Fußnoten

1 „Da aßen sie beide davon, so dass ihnen ihre Blöße ersichtlich wurde, und sie begannen, Blätter des Gartens über sich zusammenzustecken.“ (Koran 20:121)

2 „Wirklich, Wir erschufen den Menschen, und Wir wissen, was er in seinem Innern hegt; und Wir sind ihm näher als (seine) Halsschlagader.“ (Koran 50:16)

3 „Sprich: ‚Wem gehört das, was in den Himmeln und was auf Erden ist?’ Sprich: ‚Allah.’ Er hat Sich Selbst Barmherzigkeit vorgeschrieben.“ (Koran 6:12)

4 Übersetzung nach Muhammad Rassoul (1996): Die ungefähre Bedeutung des Qur'an Karim in deutscher Sprache. Köln: Verlag Islamische Bibliothek

5 Etymologische Bedeutung auch: "Jemand, der auf eigenen Füßen stehen kann, der ein Standbein in der Gesellschaft hat" (ri?l/ra?ila = per Fuß laufen). In den so genannten Ri??l-Werken ('Ilmu'r-ri??l), welche die Biographien bekannter Gelehrter aus der Frühzeit des Islams enthalten, kommen auch weibliche Wissenschaftlerinnen vor. Demnach ist erkennbar, dass der Begriff Ri??l nicht nur auf Männer im biologischen Sinne angewandt wurde. 

6 Qaww?m 'ala: „Jemand, der fest für die Sache eines anderen einsteht, seine Interessen schützt und für seine Angelegenheiten Sorge trägt“. Es kann auch bedeuten: „Jemand, der für seine eigene Sache einsteht und mit stetiger Entschlossenheit seine Angelegenheit regelt.“ Yusuf 'Ali, zitiert nach Bavaria, Fußnote 84, S. 31.

7 In den meisten Koranübersetzungen und bei Kommentatoren oft mit "schlagt sie" übersetzt.

8 Zentrum für Islamische Frauenforschung und Frauenförderung (ZIF): „Ein einziges Wort und seine große Wirkung - Eine hermeneutische Betrachtungsweise zu Koransure 4, Vers 34, mit Blick auf das Geschlechterverhältnis im Islam“, Köln/Zürich 2005

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