Jugendverbandsarbeit
Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit
Überregionale Jugendverbände
Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit
Der äußerst geringe Organisationsgrad der Jugendlichen ist sicher nicht mit dem Desinteresse der Jugendlichen zu erklären (nur 3,7 % sind Mitglieder in Parteien, nur 2,5 % Mitglieder in einer Organisation mit politischer, sozialer oder kultureller Zielsetzung). Es liegt an den nicht vorhandenen freien Jugendstrukturen und der skeptischen Einstellung den existierenden Organisationen gegenüber. Da der Staat bis vor kurzem den Anspruch hatte, die einzige Organisation zu sein, die Jugendarbeit machen darf, war jeder Versuch, eine Jugendorganisation zu gründen, einfach verdächtig. Weder Gewerkschaften, noch Parteien oder Sportverbände durften Jugendorganisationen und ähnliche Nebenorganisationen unterhalten.
Mittlerweile gibt es eine neue Landschaft von großen Jugendverbänden und Jugendeinrichtungen, die Tag für Tag bunter und vielfältiger wird. Besonders nach dem Erdbeben vom 17. August 1999 ist die Bedeutung von freien Trägern endlich auch für den zentralistischen Staat begreiflich geworden. Bei der Bekämpfung von Katastrophenfolgen wurde es für jeden ersichtlich, wie wichtig die Existenz einer organisierten Bürgerschaft für die Übertragung von gesellschaftlichen Aufgaben ist. In dieser Zeit hat die Nationalagentur Youth for Habitat, eine Kooperation zwischen Kommunalverwaltungen und engagierten Jugendlichen, insbesondere in den Erdbebenregionen eine tatkräftige Unterstützung von staatlichen Stellen erfahren. Youth for Habitat ist mittlerweile landesweit organisiert, verfügt über Räumlichkeiten und Mittel und genießt eine große Anerkennung. Sie hat bereits in zahlreichen Organisationen Jugendparlamente organisiert, die sich an den bildungs- und umweltpolitischen Diskussionen und Aktivitäten in ihren Kommunen beteiligen. Die Jugendlichen, die sich unter dem anspruchsvollen Motto Wir sind nicht nur die Führungskräfte der Zukunft, sondern auch die Teilhaber der Gegenwart in Führungseinheiten dieser Organisation engagieren, sind fast ausschließlich Studierende, die zur Bildungselite gezählt werden können.
Der Verein Europäisches Jugendforum AEGEE ist ebenfalls eine Studentenorganisation, die sich für die Vernetzung mit Europa einsetzt und ihre Aktionen aus Mitteln des europäischen Förderprogramms „Jugend“ finanziert.
Die Zentrale für Jugendservice GSM (Genclik Servisleri Merkezi) ist eine traditionsreiche Organisation, die in Zeiten der Verbote einen kommerziellen Charakter annehmen musste. GSM engagierte sich jahrelang in Form einer kommerziellen Jugendreisegesellschaft für Werkcamps und Jugendreisen weltweit. Jetzt entstehen Jugendclubs, die von GSM gegründet werden und sich Genç-Ev nennen. Genç-Ev organisierte bisher viermal ein Europäisches Jugendfestival in der Türkei. An diesen Festivals nahmen Jugendliche aus zahlreichen Ländern Europas teil. Das 5. Festival, das im Dezember 2003 stattfinden sollte, musste wegen fehlender Finanzmittel abgesagt werden. In Zusammenarbeit mit British Council - Ankara organisiert GSM ein Projekt zur Förderung der Partizipation von Jugendlichen. Dieses Projekt trägt den Titel YES (Youth Energy Synergy).
Die politischen Parteien verfügen inzwischen über zum Teil gut organisierte und aktive Jugendabteilungen. Die Republikanische Volkspartei (CHP), die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (AKP), die rechtsextremistische Partei der Nationalistischen Bewegung (MHP), aber auch die Arbeiterpartei der Türkei (TIP) haben bereits funktionierende Jugendstrukturen. Eine weitere nationalistisch/islamistisch orientierte Jugendorganisation, die in der Türkei verboten ist, aber in Europa ihren Ableger hat, ist die Nationale Jugendorganisation der Türkei (Türkiye Milli Genclik Teskilati). Diese Organisation ist in Deutschland nicht verboten und hat nach eigenen Angaben über 30 000 Mitglieder.
Überregionale Jugendverbände
Offiziell gibt es in der Türkei keinen überregionalen (nicht parteipolitischen) Jugendverband, der das ganze Spektrum der Jugendarbeit in sich birgt. Die Bemühungen, einen Nationalen Jugendring wie man ihn in Deutschland kennt, zu gründen, dauern an und erste Erfolgsmeldungen sind schon da. Mittlerweile sind in vielen Provinzen der Türkei die Provinzjugendringe gegründet worden, in denen mehrere regionale Jugendvereine vertreten werden. Die erste konstituierende Sitzung des Nationalen Jugendrings soll 2004 stattfinden.
(siehe Kapitel Überblick über die Strukturen der Jugendverbandsarbeit)


