Kinder- und jugendpolitische Strukturen
Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten
Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte
Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten
Mit der Regierungsumbildung am 4. Juni 2011 unter Premierminister Erdoğan wurde das Ministerium für Jugend und Sport geschaffen; bisher gab es für diesen Bereich nur einen Staatsminister. Minister für Jugend und Sport ist Suat Kılıç.
Unter dem Dach des Jugend- und Sportministeriums wird es drei Generaldirektorate geben:
- Generaldirektorat für Sport
- Generaldirektorat für Jugend. Generaldirektor für Jugend: Herr Şevki Akkaya.
- Generaldirektorat für Projekte und Koordination.
Im Generaldirektorat Jugend ist die Abteilung Jugenddienste angesiedelt. In deren Zuständigkeit fallen
- Jugendzentren und -einrichtungen,
- Jugendlager,
- sozial-kulturelle Veranstaltungen,
- Koordination,
- Jugendfeiern,
- Jugendforschung und
- Evaluation und Jugendberatung.
Zu den weiteren Ministerien, die für verschiedene Felder der Jugendpolitik zuständig, gehören:
- Ministerium für Familien- und Sozialpolitik: Jugendsozialarbeit und andere,
- Ministerium für Nationale Bildung: Schulbildung, Studium, Berufsausbildung und andere,
- Innenministerium: Jugendkriminalität, Drogenbekämpfung, Jugendschutz, Jugendorganisationen und andere,
- Ministerium für Gesundheit: Gesundheitsfür- und vorsorge sowie -förderung bei Kindern und Jugendlichen, Senkung der Kindersterblichkeit
- Justizministerium: Prävention, Jugendstrafvollzug und Bewährungsdienste, psychosoziale Unterstützungsprogramme für Opfer von Straftaten
- Ministerium für Kultur und Tourismus: außerschulische Bildung, jugendliche Künstler, Jugendkunst und andere.
Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte
Einen nationalen Jugendrat gibt es bisher nicht. Auch gibt es bisher keine weiteren Jugendräte mit Partizipationsmöglichkeiten und Kompetenzen für Jugendliche.
Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen
Es gibt in der Türkei vom Staat einberufene Räte, die zu jugendrelevanten Themen tätig werden, zum Beispiel den Rat zur Bekämpfung des Drogenmissbrauchs.
Die Jugend bildet den dynamischsten Teil der Gesellschaft in der Türkei. Vor jedem Putsch gehörten die Jugendorganisationen zu denen, die ihre Proteste am heftigsten demonstrierten. Insbesondere die Studentenbewegung ist aufgrund ihrer Aufgeklärtheit mit ihrer Forderung nach mehr Demokratie und nach Reformen den Regierungen jeder Epoche "unangenehm" aufgefallen und hat zahlreiche Opfer zu beklagen.
Nach dem Putsch von 1971 wurden drei Studentenführer und nach dem Putsch 1980 ein 17-jähriger Jugendlicher hingerichtet, weil ihnen vorgeworfen wurde, "den Staat mit Gewalt stürzen und die unteilbare Einheit des Staates mit seinem Land und seiner Nation zerstören und die Herrschaft eines Teils der Gesellschaft über die andere erzwingen (...) zu wollen". Vor dem Putsch von1980 sind zahlreiche Jugendliche unterschiedlicher politischer Überzeugung Opfer von Morden geworden, deren Täter und Tatbestände bis heute nicht aufgeklärt werden konnten.
Aufgrund solcher Erfahrungen halten der Staat und eine große Mehrheit der Gesellschaft die Jugend als besonders anfällig für staatsfeindliche Strömungen und Praktiken. Deshalb werden Jugendorganisationen mit dem Ziel politischer Bildung als potenzielle Gefahr angesehen. Dieses negative Image der Jugendorganisationen ist in allen Teilen der Gesellschaft in der Türkei fest verankert. So erklären sich die zentralistisch aufgebauten und stark kontrollierten jugendpolitischen Strukturen, die (bis jetzt jedenfalls) fast alle staatlich sind. Und auch wenn in der neusten jugendpolitischen Verwaltungsverordnung von Jugendclubs statt Jugendvereinen und -verbänden die Rede ist, hat dies mit dem schlechten Image der Jugendvereine zu tun.
Die Kompetenz für jugendpolitische Themen liegt einzig und allein beim Staat. Es gibt keine freien Einrichtungen und keine freien Träger, die über jugendpolitische Kompetenzen verfügen. Nach dem neuen Modell der Jugendclubs sollen in jeder größeren Ortschaft (in den Distrikten und Provinzen) aus mehreren Jugendclubs Verbände und Föderationen entstehen und Delegierte in den nationalen Jugendring schicken. Der nationale Jugendring soll zukünftig in Sachen Kultur, Soziales, Jugendsport, internationale Jugendarbeit, Jugendaustausch und -tourismus Kompetenzen erhalten, darf sich aber nicht politisch betätigen.
Es gibt freie und nichtstaatliche Organisationen wie den Verband der Jungunternehmer, den Verband der Junginvestoren, den Verband der Jungen Versicherungsmakler oder den Verband der jungen Metallarbeitgeber. Sie sind dennoch keine Jugendorganisationen, die die Türkei braucht, um demokratische Jugendhilfestrukturen aufzubauen.
2003 gab es 114 staatliche Jugendzentren, die 83 702 Mitglieder hatten (Jahresbericht des Generaldirektorats für Jugend und Sport). Die Jugendzentren stehen in der Türkei allerdings grundsätzlich nur Mitgliedern zur Verfügung. Außer den staatlichen Jugendzentren konnten in den vier staatlichen Jugendlagern insgesamt 5151 Jugendliche jeweils für acht Tage aufgenommen werden.
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Schwerpunkte für 2011 (aus dem Programm 2011 - 2013 des IX. Förderplans):
- Entwicklung nationaler Jugendstrategien,
- Koordinierung von Jugendaktivitäten / -dienstleistungen,
- Koordinierung staatlicher und nicht-staatlicher (Jugend)Organisationen,
- Eröffnung neuer und Umstrukturierung bestehender Jugendzentren,
- Ausweitung des freiwilligen Jugendarbeitsnetzwerkes,
- Motivation der Jugendlichen zur Teilnahme an sportlichen und künstlerischen Aktivitäten,
- Stärkung des Amateursportes unter Jugendlichen.
Außerdem sollen neue Politiken entwickelt werden, um die Hauptprobleme von Jugendlichen - Arbeitslosigkeit, Arbeitssuche, Benachteiligung auf dem Arbeitsmarkt - anzugehen.
Informationen zum Programm 2010 - 2014 des Ministeriums für Gesundheit der Türkei zur Bekämpfung von Übergewicht und der Förderung einer gesunden Lebensweise, insbesondere auch bei Kindern und Jugendlichen, hier ...
Das größte Aktionsprogramm ist die jährlich in der Zeit vom 15. bis zum 22. Mai stattfindende nationale Jugendwoche. In allen Dörfern, Distrikten und Provinzen der Türkei werden Vorbereitungskomitees unter Vorsitz des höchsten Verwaltungsamtsinhabers gegründet, um die Feierlichkeiten in der Jugendwoche gebührend organisieren zu können. Die Woche wird in jeder Ortschaft regional und in der Hauptstadt überregional gefeiert. 2005 wurde die Jugendwoche erstmals in Zusammenarbeit mit einer Nichtregierungsorganisation und unter Beteiligung von Jugendlichen aus 11 Ländern in einem internationalen Rahmen durchgeführt. Die Aktionen richten sich an Jugendliche zwischen 12 und 24 Jahren und sollen für das Kennenlernen und den Dialog zwischen den Jugendlichen im Rahmen nationaler Werte, der Kultur und den Atatürk’schen Grundideen sorgen.
Im Rahmen des Regionalen Förderprogramms 2008 - 2012 wurde der Aktionsplan GAP-Projekt (Süd-Ost-Anatolien-Projekt) erstellt. Darin enthalten ist das Projekt für soziale Unterstützung (SODES). Ziel des GAP-Projektes ist es, soziale Verbesserung und sozialen Wohlstand zu erwirken und Probleme wie Armut, Ghettoisierung und Stadtflucht zu vermindern. SODES bietet insbesondere Kindern, Jugendlichen, Frauen, behinderten Menschen, Geringverdienern und sozialen Randgruppen Möglichkeiten zur wirtschaftlichen und sozialen Integration, unter anderem durch die Beschaffung von Praktikumsstellen, Berufsbildungskursen, Beratungsdienste sowie die Vergabe von Mikro-Krediten.
Das Bildungsministerium hat 2011 in einem Erlass im Rahmen des Strategie- und Aktionsplans zur Städteentwicklung verfügt, dass Schulparlamente der Klassenstufen 1 bis 8 mit den Stadträten der Kommunalverwaltungen zusammenarbeiten müssen. Damit soll die Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in der Kommune gefördert werden.


