Situation der Kinder und Jugendlichen
Kultur und Lebensformen
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Kriminalität
Drogen
Kultur und Lebensformen
Über 70 Prozent der Bevölkerung in der Türkei sind unter 35 Jahre. Das Durchschnittsalter beträgt 26,8 Jahre. Seit Juni 2011 gibt es ein ein eigenes Jugend- und Sportministerium.
Auf dem Feld Jugend ist bisher wenig geforscht worden. Eine der gründlichsten Untersuchungen der Jugend in der Türkei hat die Konrad Adenauer Stiftung in der Türkei durchgeführt und die Ergebnisse in dem Bericht Turkish Youth 1998 – The Silent Majority Highlighted in türkischer und englischer Sprache veröffentlicht (ISBN: 975-7968-12-9 (Englisch), ISBN: 975-7968-11-0 (Türkisch), Verlag: Offset Fotomat, Ankara 1999).
Beschäftigung und Arbeitslosigkeit
Die allgemeine Arbeitslosigkeit, die nach offiziellen Angaben nur 10 Prozent beträgt, wird von den Jugendlichen als das größte Problem der Türkei und der Jugend angesehen. Offizielle Angaben zur Jugendarbeitslosigkeit gibt es nicht.
Bei der Türkischen Agentur für Arbeit (ISKUR) gingen im Januar 2011 97 128 Anfragen von 15- bis 24-Jährigen ein, die auf Arbeitssuche waren. Davon konnten 4697 vermittelt werden. Außer dem erhielt die Agentur 3586 Anträge auf Arbeitslosengeld. Davon wurde 1957 Anträgen entsprochen.
Die ISKUR führt verschiedene Projekte zur Unterstützung arbeitsloser Jugendlicher durch:
- Projekt I für Beschäftigungsförderung: Ende 2010 - Ende 2012. Enthält Berufsbildungskurse, Aus- und Fortbildungskurse, Existenzgründungskurse, Berufsberatung.
- Projekt II für Beschäftigungsförderung: persönliche Aktionspläne für Arbeitssuchende, Orientierungskurse, berufsbildende Kurse, Kurse zum Erwerb von Grundfähigkeiten, Bewerbungsberatung Praktikum/Arbeit.
- Projekt zur Senkung der Jugendarbeitslosigkeit: je nach regionalen Bedingungen Existenzgründungskurse und Beratung zu bestimmten Berufsbildern, Vermittlung von Praktikumsstellen.
Kriminalität
In den Kriminalitätsstatistiken werden die Jugendlichen nicht gesondert erfasst. Die Jugend der Türkei ist mehrheitlich konform und gesetzestreu. Dennoch sind die politisch aktiven Jugendlichen, die Obdachlosen, die sogenannten Straßenkinder und -jugendlichen sowie die drogenabhängigen Jugendlichen in starkem Maße der Marginalisierungs- und Kriminalisierungsgefahr ausgesetzt. Lediglich vereinzelt berichten die Medien über Jugendkriminalität, meistens im Zusammenhang mit Sekten- und Bandenmitgliedschaft, mit Diebstahl- und Körperverletzungs- oder Vergewaltigungsdelikten.
An den Universitäten des Landes ist die Situation teilweise prekär. Wer aus armen Verhältnissen zum Studium in die Stadt kommt, kann neben Miete und Lebensunterhalt kaum die Semestergebühren von 75 bis 250 Euro aufbringen. So überrascht es oft nicht, dass der Zulauf zu radikalen politischen Gruppen unverändert groß ist. Regelmäßig kommt es an den Hochschulen zu Massenprügeleien zwischen linken und rechten Studentengruppen.
Drogen
Offizielle Zahlen zur Drogenabhängigkeit und zum Drogenmissbrauch unter den Jugendlichen gibt es nicht. Man geht davon aus, dass die "Drogenabhängigkeit in unserem Land noch kein gesellschaftliches Problem darstellt, aber droht, eins zu werden, falls präventive Maßnahmen nicht getroffen werden"
(Jahresbericht 1999 der Abteilung Jugendhilfe des Generaldirektorats für Jugend und Sport unter Aktivitäten im Kampf gegen Drogenabhängigkeit, Seite 123).
Um dieser Gefahr entgegenzutreten, ist ein Aufklärungsprogramm in Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen vorgesehen. Von 1999 an sollen in erster Linie alle Jugendzentrumsleiter, aber auch andere Fachkräfte und ehrenamtliche Mitarbeiter zu diesem Thema fortgebildet werden. Außerdem wurden per Ministerratsbeschluss untere und obere Räte "zur Aufsicht und Führung der Drogenbekämpfung" gebildet.
In Medienberichten wird dennoch immer öfter über Drogenmissbrauch, Drogentote und Dealer berichtet. Trotz sehr harter Strafen sind auch in der Türkei sowohl die klassischen als auch die modernen Drogenmittel im Umlauf. Eine mittlerweile als ausgeweitet angenommene Form des Drogenmissbrauchs ist der Gebrauch von Schnüffelmittel (das Inhalieren von Verdünnungsmitteln und anderen chemischen Substanzen).


