Kinder- und jugendpolitische Strukturen

Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten
Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme
Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen
Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte
 

Relevante Ministerien und ihre Zuständigkeiten

Zuständig für den Bereich Jugend in Griechenland ist das Ministerium für Bildung, Forschung und Religiöse Angelegenheiten. Es hat die Verantwortung für die Entwicklung jugendpolitischer Strategien und deren Umsetzung. Seit November 2016 ist Konstantinos Gavroglou der zuständige Bildungsminister. (Biographie von Konstantinos Gavroglou.)

Das Generalsekretariat für Lebenslanges Lernen und Jugend ist das Ergebnis der Zusammenführung der beiden Generalsekretariate für Jugend und Lebenslanges Lernen. Das ursprünglich eigenständige Generalsekretariat für Jugend wurde bereits 1982 durch die frisch gewählte Panhellenische Sozialistische Bewegung (PASOK) gegründet. Das Generalsekretariat für Lebenslanges Lernen und Jugend mit Pafsanias Papageorgiou im Amt des Generalsekretärs ist für die Koordination von Regierungsaufgaben und die Umsetzung der Regierungspolitik im Bereich Jugend zuständig sowie für die Zusammenarbeit mit Trägern der Kinder- und Jugendarbeit.

Das Generalssekretariat für Lebenslanges Lernen und Jugend setzt sich für die Verankerung des Themas Jugend als Querschnittsthema in anderen Bereichen der Regierungspolitik ein. Deswegen setzt es sich auch mit Themen wie Beschäftigung und Entwicklung, Kultur und Freizeit, Bildung und soziale Beteiligung sowie internationaler Zusammenarbeit und Information auseinander. Außerdem fördert das Generalsekretariat die sektorübergreifende Jugendpolitik unter Berücksichtigung der relevanten Entwicklungen im Jugendsektor auf europäischer und internationaler Ebene.

Die Themen Kultur und Sport, die mehrere Berührungspunkte mit Jugendaktivitäten haben, werden vom Ministerium für Kultur und Sport geregelt, das ein Generalsekretariat für Kultur und eins für Sport stellt.

Weitere Ministerien mit Berührungspunkten zu Kinder- und Jugendfragen sind: das Gesundheitsministerium, das Ministerium für Arbeit und Soziales sowie das Ministerium für ländliche Entwicklung und Lebensmittel

Wichtigste Aufgabe des Interministeriellen Komitees für Jugend ist die Koordination aller relevanten Ministerien und anderer öffentlicher Behörden bei der Schaffung einer umfassenden nationalen Jugendpolitik. Allerdings wurden bisher keine Ergebnisse des Komitees vorgelegt.

Der Ständige Ausschuss für Kultur und Bildung untersucht Gesetzesvorschläge, die zu den Kompetenzen des Ministeriums für Bildung, Forschung und religiöse Angelegenheiten und des Ministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur und Tourismus gehören.

Der Fachausschuss für Gleichstellung, Jugend und Menschenrechte ist für Gesetzesvorschläge bezüglich der Themen Gleichbehandlung und Einhaltung der Menschenrechte zuständig.

(Quellen: Dora Giannaki: Youth work in Greece: a historical overview. In: The history of youth work in Europe. Volume 4. Council of Europe and the European Commission, January 2014. S. 91-106., General Secretariat of the Government; Youth Policy Briefing; Committee on Cultural and Educational Affairs; Committee on Equality, Youth and Human Rights.)

Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte und Aktionsprogramme

Der griechische Staat hat momentan keine nationale Jugendstrategie. Zum ersten Mal findet bis Ende September 2017 eine öffentliche Konsultation statt, die das INEVIDIM organisiert. Durch die Konsultation soll eine nationale Jugendstrategie, der Plan „Jugend 17-27“, vom Generalsekretariat für lebenslanges Lernen und Jugend entwickelt werden. Diese wird dem Parlament zur Ratifizierung vorgelegt. Damit sollte Griechenland ab 2018 eine nationale Jugendstrategie haben.

Die Politische Planung für Jugendliche nimmt hauptsächlich die formelle Bildung in Sicht. Außerschulische Projekte werden zum Teil von Ministerien getragen und wenn sie regional sind, dann auch von den Regionen und den Kommunen. Momentan ist der wichtigste Ansprechpartner die Stiftung für Jugend und lebenslanges Lernen (INEVIDIM), die dem Generalsekretariat Lebenslanges Lernen und Jugend unterliegt, welches dem Ministerium für Bildung, Forschung und Religionen angehört.

Schwerpunkte der Kinder- und Jugendpolitik sind die Förderung des Unternehmergeistes bei jungen Leuten, das Zurückholen junger Griech(inn)en, die im Ausland leben und arbeiten, und die Behebung des Lehrermangels an Schulen.

Das Jugendparlament ist ein vom griechischen Parlament initiiertes Bildungsprogramm, das seit 1995 jährlich stattfindet. Es wird zusammengesetzt aus 300 Schüler(inne)n der 11. Klasse weiterführender Schulen (260 aus Griechenland, 20 aus Zypern und 20 von griechischen Auslandsschulen). Das Jugendparlament wird in Zusammenarbeit der Bildungsministerien in Griechenland und in Zypern durchgeführt. Ziele dieses Programms sind die Auseinandersetzung mit den Funktionen des Parlaments und die Entwicklung einer positiven Einstellung zur Bürgerbeteiligung in einer demokratischen Gesellschaft.

Erasmus + und Youth in Action befinden sich unter dem Schirm der Stiftung für Jugend und Lebenslanges Lernen (INEDIVIM). Die Nationale Agentur für die Programme befindet sich auch im INEVIDIM. Die Kontaktwebseite ist: http://erasmusplusyouth.gr/home/. Außerdem findet in Griechenland das Euromed-Youth-Programm Anwendung.

Eine Auswahl an aktuellen Aktionsprogrammen finden Sie hier:

Kinder- und jugendpolitische Einrichtungen und ihre Kompetenzen

Die Stiftung für Jugend und Lebenslanges Lernen (INEDIVIM) entstand 2012 aus einer Zusammenlegung der Nationalen Jugendstiftung und dem Institut für Lebenslanges Lernen. Sie arbeitet unter Aufsicht des Ministeriums für Bildung, Forschung und Religiöse Angelegenheiten. Im INEDIVIM sitzt die Griechische Nationalagentur für das Programm Erasmus+ Jugend. Die akademischen Programme von Erasmus+ werden jedoch nicht vom INEDIVIM koordiniert.

Verantwortlich für die weitern Programme Erasmus+ (2014-2020) ist das Institut für Nationale Stipendien, IKY, State Scholarship Foundation. Das Institut wurde 1951 zur Förderung der griechischen Kultur, Bildung, Forschung, Kunst und Sprache gegründet. Jährlich werden von der IKY Stipendienprogramme im In- und Ausland umgesetzt.

Seit 2003 ist durch eine Gesetzesänderung (Nr. 3094/2003) auch ein griechischer Ombudsmann für die Verteidigung und den Schutz der Rechte von Kindern zuständig. Hierfür ist der Ombudsmann berechtigt, über natürliche oder juristische Personen, die diese Rechte verletzen, Recht zu sprechen. Diesem Ombudsmann gehört der Ombudsmann 0-18 an, Themen wie Gewalt gegen Kinder, Bullying u.ä. behandelt und an den man sich als Kind und Jugendlicher anonym wenden kann.

Jede Region betreibt ein Gesundheits- und Präventionszentrum für Kinder und Jugendliche. Viele Gemeinden betreiben kommunale Sportzentren und in eher urbanen Gemeinden findet man auch kommunale Präventions- und Gesundheitszentren für Jugendliche. Neben den lokalorganisierten Zentren existiert griechenlandweit auch die Organisation OKANA, welche sich explizit mit den Themen Drogenabhängigkeit, Drogenprävention und Gesundheit beschäftigt. Eine besondere Stellung haben die Zentren für Psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, darunter das Institut für Psychische Gesundheit für Kinder und Jugendliche.

Nationale und regionale Kinder- und Jugendräte

National

Der griechichische nationale Jugendrat (Hellenic National Youth Council, ESYN) wurde 1998 als Plattform von freien nicht staatlichen Jugendorganisationen gegründet. Derzeit umfasst der ESYN laut eigenen Angaben 59 Jugendorganisationen. Der Nationale Jugendrat möchte als offizielles Sprachrohr der griechischen Jugend im Ausland und als wichtigster Gesprächspartner der griechischen Regierung in Jugendfragen auf nationaler Ebene fungieren. Der ESYN nimmt an den Sitzungen des Interministeriellen Komitees für Jugend sowie des Organisationskomitees für das Jugendparlament teil und ist Mitglied im Europäischen Jugendforum, im Jugendforum des Mediterranen Raums, des Jugendrats der UNESCO sowie den Jugendgremien der Vereinten Nationen. (Quelle: ESYN).

Doch sehen sich nicht alle Jugendorganisationen in Griechenland durch den ESYN vertreten (vgl. auch Petkovic/Williamson 2015:65). Dies mag zum einen an den Statuten des ESYN liegen, die die meisten Jugendorganisationen der Zivilgesellschaft von einer Mitgliedschaft ausschließen: Mitgliedsorganisationen des ESYN müssen mindestens 200 Mitglieder zählen und in mindestens zwei bzw. drei Regionen (je nach Einwohnerzahl) vertreten sein.
In ihrem jährlichen Bericht zur Jugend in Griechenland zum Jahr 2011 bemängeln die Mitglieder der NGO Youthnet Hellas, dass die Zusammensetzung der Mitgliedsorganisationen des ESYN nicht transparent ist: Bei 59 aufgelisteten Mitgliedsorganisationen sind sechs Parteijugenden vertreten, während einige Organisationen kaum und andere gar nicht mehr aktiv sind (s. 2012:69).

Regional und lokal

Griechenland hat momentan keine offiziellen regionalen Kinder- und Jugendräte. Vereinzelt finden sich in einigen Kommunen Strukturen, die die Jugendarbeit fördern, doch Strukturen wie Jugendringe existieren nicht.

Die Verabschiedung des Gesetzes 3443/2006 regelte erstmalig die Gründung und Funktion der lokalen Jugendräte, von denen auf Initiative des Generalsekretariats für Jugend einige allerdings bereits seit 1997 aktiv waren. Erst 2008 konnte die eigentliche Umsetzung des Gesetzes durch die Einrichtung von Jugendregistern in den Kommunen und mit den ersten Jugendratswahlen stattfinden. Hauptabsicht der Arbeit der Jugendräte war die Verankerung eines Bewusstseins für die Bedürfnisse der Jugend und die Einreichung von Vorschlägen bei den lokalen Behörden in Bezug auf Bereiche wie Kultur, Beschäftigung, Drogenabhängigkeit, Sport, Bildung, Freiwilligenarbeit, Rassismus und Fremdenhass, berufliche Orientierung, Umwelt, Frieden, Gleichheit und Zugang zu Information. Seit 2008 haben aber keine Wahlen für Jugendräte stattgefunden. Diese Institution hat sich nicht etablieren können und existiert heute nicht.

(Quellen: Hellenic National Youth Council; Ministerium für Bildung, Forschung und Religiöse Angelegenheiten)