Aktionsfelder im Kinder- und Jugendbereich - Vereinigtes Königreich

Hier gibt's Infos zu den Aktionsfeldern im Kinder- und Jugendbereich im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland. Mehr lesen unter

Bildung und Beschäftigung

Bildung

Informationen zum Bildungssystem im Vereinigten Königreich unter www.bildung-weltweit.de und in der Europäischen Enzyklopädie zu nationalen Bildungssystemen EURYPEDIA.

Beschäftigung

Im Zeitraum Juli bis September 2017 waren 11,9 % der 16- bis 24-Jährigen im Vereinigten Königreich arbeitslos gemeldet. Damit ist ein leicht rückläufiger Trend im Gegensatz zu 13,1% des Vorjahres zu verzeichnen.
517 000 junge Menschen zwischen 16-24 Jahren waren im Zeitraum Juli –September 2017 arbeitslos, 28 000 weniger als im vorangegangenen Quartal und 71 000 weniger als im 2016.
(Quelle: House of Commons Library. Youth unemployment statistics.)

Für Arbeitsmarktstatistiken in UK siehe auch: NOMIS Official labour market statistics

Die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit ist ein zentrales Anliegen der Regierung. Es besteht Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr. Die allgemeine Erwartung und das erklärte politische Ziel sind, dass danach der überwiegende Teil der Jugendlichen einer der folgenden Optionen zur Weiterqualifizierung folgt:

Finazielle Unterstützung von der Regierung liefert die „Education Maintainance Allowance” für 16- bis 19-Jährige aus Nordirland, Schottland und Wales und der 16-19 Bursary Fund für diejenigen in England. Diese Zuschüsse solles es allen Jugendlichen unabhängig vom Einkommen ihrer Eltern ermöglichen, die angestrebten beruflichen Qualifikationen zu erreichen.

Das Work Programme ist das seit 2011 existierende Regierungsprogramm zur Wiedereingliederung von Sozialhilfeempfänger(inne)n in das Arbeitsleben in Schottland, Wales und England. Junge Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren werden in dieses Programm vermittelt, wenn sie neun Monate Arbeitslosengeld beziehen.

Am Work Experience scheme können 18 – bis 24-Jährige, die keine oder nur wenige Arbeitserfahrungen haben, freiwillig teilnehmen, nachdem sie drei Monate lang Arbeitslosengeld erhalten haben und bevor sie am Work Programme teilnehmen. Hier werden die Jugendlichen in Praktika vermittelt und im Idealfall vom Arbeitgeber übernommen.

Gesundheit

Die allgemeine Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen im Vereinigten Königreich ist in ähnlicher Weise beeinflusst wie die Kinder und Jugendlicher in anderen europäischen Ländern. So bestimmen heute sozioökonomische Faktoren und das Milieu, in dem Kinder und Jugendliche aufwachsen, stärker ihre Chancen im Leben als in den vergangenen Jahren das traditionelle Klassensystem.

Gleichzeitig weist das Vereinigte Königreich jedoch einige besorgniserregende Merkmale auf: Im Vergleich zu ihren Altersgenoss(inn)en auf dem Kontinent haben junge Brit(inn)en den höchsten Alkohol- und Cannabiskonsum und sind häufiger in Kämpfe verwickelt.1 Darüber hinaus verzeichnet das Land die höchste Zahl an Teenagerschwangerschaften in Europa und eine hohe Kriminalitätsrate bei Jugendlichen.
Young People’s Health: Where Are We Up To? Update 2017 weist auf amtliche Statistiken hin, die weitere Tendenzen beschreiben:

  • die Anzahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund von Selbstverletzungen bei jungen Menschen hat zugenommen
  • Überweisungen an Fachärzte für psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind zwischen 2012 und 2015 um 64% gestiegen.

Eine UNICEF-Studie aus dem Jahr 2007 zum Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen in Industriestaaten verortet das Vereinigte Königreich auf dem letzten Platz des Rankings.

Die britische Regierung hat auf diese Entwicklungen reagiert und seit Ende der 1990er zahlreiche Strategien, Aktionspläne und Programme auf den Weg gebracht. Erfolge sind sichtbar: 2015 zeigte die Statistik die niedrigste Anzahl von Schwangerschaften bei unter 18-Jährigen seit derartige Statistiken erfasst werden. Dennoch ist die Anzahl höher als in anderen westeuropäischen Ländern. (Quelle: Conceptions in England and Wales: 2015 und Adolescent fertility rate.) 

Die dritte internationale UNICEF-Vergleichsstudie zur Lage der Kinder in Industrieländern aus dem Jahr 2013 zeigt für Großbritannien deutliche Verbesserungen auf, im Bereich der Kindergesundheit liegt Großbritannien auf einem mittleren Platz (16).

Die Gesundheitsstudie Health Survey for England ist das wichtigste Monitoring Instrument im Gesundheitsbereich, das von der britischen Regierung zur Planung des Gesundheitswesens benutzt wird sowie dazu, wichtige politische Entscheidungen zu treffen. Seit 1991 wird die Gesundheitsstudie jährlich von NatCen Social Research im Auftrag des Health and Social Care Information Centre durchgeführt. Seit 1995 wurden auch Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 2 und 15 Jahren in die Studie mit aufgenommen, seit 2001 auch die unter 2-Jährigen. Die Health Survey for England enthält alle die wichtigen Basisdaten zur Gesundheit, Lebensstil und Wohlergehen. Weitere Informationen stehen auf der Webseite des Health and Social Care Information Centre der britischen Regierung bereit.

Mehrere Flaschen schottischer Gin.
Mehrere Flaschen schottischer Gin.Bild: u_8rfrqf07 7 pixabay.com

Genuss- und Rauschmittel
Der aktuelle Bericht “Smoking, Drinking and Drug Use Among Young People in England in 2013” des Health & Sovial Care Information Centre zeigt, dass junge Menschen weitaus gesündere Verhaltensweisen an den Tag legen als noch vor 10 Jahren. Der Anteil der jungen Menschen, die Tabak, Alkohol und Drogen konsumieren ist zwischen 2003 und 2013 drastisch zurück gegangen.2

Alkoholkonsum: 39% der 2013 befragten Schüler/-innen, so wenig wie noch nie seit Beginn der Umfragen im Jahr 1982, gaben an mindestens einmal in ihrem Leben Alkohol getrunken zu haben. Im Jahr 2003 waren es noch 61%. Am häufigsten tranken die männlichen Jugendlichen Bier und Cider (63 %), gefolgt von Spirituosen (16 %) und Alcopops (13 %). Die Alkoholaufnahme bei weiblichen Jugendlichen verteilte sich auf Bier und Cider (30 %), Wein (25%), Spirituosen (22 %) und Alcopops (20 %). Der Alkoholkonsum nimmt mit dem Alter zu.

Zigarettenkonsum: Der Anteil der rauchenden Jugendlichen hat 2013 ein Rekordtief erreicht. Regelmäßige Raucher waren 2013 nur noch 3% der befragten 11- bis 15-Jährigen im Vergleich zu 9% im Jahr 2003 und 12% 1994.  Auch der Tabakkonsum nimmt mit zunehmendem Alter zu.

Drogenkonsum: Ähnlich wie beim Alkohol- und Tabakkonsum sind auch beim Drogenverhalten sinkende Tendenzen feststellbar. Während der Befragung 2013 gaben nur noch halb so viele Schüler/-innen (16%) wie 2003 (30%) an, schon einmal Drogen genommen zu haben. Ebenso wie in den Vorjahren war auch 2013 Cannabis mit Abstand die am häufigsten genutzte Droge, von der 7% der Befragten angaben, sie innerhalb des letzten Jahres konsumiert zu haben. Doch auch der Cannabiskonsum geht drastisch zurück: 2006 waren es noch 10,1%, 2001 waren es 13,4%. An zweiter Stelle nach Cannabis steht das Inhalieren flüchtiger Substanzen zur Erzielung psychoaktiver Wirkungen (3,6% der Befragten), gefolgt von Stimulanzien wie Kokain, Crack, Ecstasy, psychedelische Drogen wie LSD oder halluzinogene Pilze und Opiate wie Heroin oder Methadon, die 1.9% der Befragten konsumiert hatten.

(Quelle: Health & Sovial Care Information Centre: Smoking, Drinking and Drug Use Among Young People in England in 2013 und National Statistics: Drug misuse: Findings from the 2013/14 Crime Survey for England and Wales.)

Seit 1982 untersuchen Forschungsinstitute im Auftrag der britischen Regierung regelmäßig das Trink- und Rauchverhalten sowie den Drogenkonsum von 11- bis 15-jährigen Schüler(inne)n in England. Die Ergebnisse der Untersuchungsreihe sind auf der Homepage des Health & Sovial Care Information Centre abrufbar.

Im Rahmen der Prävention arbeitet das Innenministerium seit 2005 eng mit dem Bildungs- und dem Gesundheitsministerium zusammen.3 Die nationale Drogenpräventionsstrategie für Kinder und Jugendliche:Every Child Matters: Change for Children, Young People and Drugs ist dabei eng mit dem Regierungsprogramm „Every Child Matters: Change for Children“ verknüpft (siehe Kapitel „Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte“) und hat folgende Schwerpunkte:

  • Umsetzung der Strategie und Stärkung der Verantwortlichkeiten, so dass auch lokale Stellen verstärkt einbezogen werden; 
  • Sicherstellung, dass Dienste und Einrichtungen vor allem den Bedürfnissen von besonders für den Drogenkonsum anfälligen Kindern und Jugendlichen angepasst werden; 
  • Aufbau von weiteren Diensten und Arbeitskapazitäten. 

Die nationale Strategie wird von etwa 150 regional arbeitende Drogenaktionsteams (Drug Action Teams) umgesetzt. Diese arbeiten eng mit anderen Einrichtungen zusammen. Im Jugendbereich sind dies insbesondere Einrichtungen der Jugendhilfe, des Gesundheitswesens und der freien Träger. Gefördert wird diese Partnerschaft mit rund 55 Millionen Pfund, die zusätzlich insbesondere für die lokale Ebene zur Verfügung stehen. Bisher herausragende Aktivitäten waren:

  • FRANK, Friendly, confidential drugs advice  - Aufklärungskampagne, die Millionen Jugendliche über eine Hotline und eine Website erreichte, http://www.talktofrank.com/;
  • Positive Futures – nationales Integrationsprogramm, das Sport- und Freizeitaktivitäten nutzt, um benachteiligte Jugendlichen positiv zu beeinflussen und ihnen neue Chancen zu eröffnen, http://www.positive-futures.net/
  • Blueprint – Forschungsprogramm zu Drogenpräventionsprogrammen in Schulen.
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Sport

Sprinter am Start.
Sprinter am Start.Bild: © Stefan Schurr / fotolia.com

Sport- und Outdoor-Aktivitäten gehören auch zum festen Bestandteil der Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Grundlage ist die Überzeugung, dass Aktivitäten wie Klettern, Abseilen, Kanufahren, Segeln und Höhlenklettern Kindern und Jugendlichen andere bzw. neue Erfahrungen ermöglichen, ihre Selbstständigkeit, Eigeninitiative und Disziplin fördern und sich außerdem positiv auf die Entwicklung von Selbstvertrauen und Teamfähigkeit auswirken.

Im Jahr 2011 veröffentlichten die Gesundheitsministerien der vier Länder Großbritanniens Empfehlungen zur körperlichen Aktivität: „Start Active, Stay Active“. Darin enthalten sind neben den "Guidelines for children and young people (5-18 years)" erstmals auch Richtlinien für Kinder unter 5 Jahren. Die Richtlinien sehen vor, dass sich alle Kinder und Jugendlichen mindesten 60 Minuten pro Tag sportlich betätigen sollen und sitzende Tätigkeiten über einen längeren Zeitraum vermeiden sollen.4
Ziel der Regierung ist es, Übergewicht und anderen Erkrankungen, die durch körperliche Inaktivität entstehen, zu bekämpfen. Bereits 2008 hatte die britische Regierung die Initiative „Healthy Weight, Healthy Lives“ ins Leben gerufen, mit der sektorübergreifend gegen das zunehmende Übergewicht in der Bevölkerung angegangen werden sollte. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf Kindern und Jugendlichen. Ein wichtiger Partner bei der Umsetzung ist der Youth Sport Trust, eine Nichtregierungsorganisation, die sich die Verbesserung von Sportangeboten für Kinder und Jugendliche zum Ziel gesetzt hat.

Die meisten kommunalen Jugendbehörden unterhalten Zentren für Outdoor-Aktivitäten, die von den verschiedenen Projekten kurz- und langfristig gebucht werden können, und bieten Kurse für Mitarbeiter/-innen an. Weitere Zentren für Aktivitäten im Freien werden unter anderem auch vom Sports Council und vom Outward Bound Trust unterhalten. – Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Department for Culture Media & Sport.

Der Outward Bound Trust ist die älteste und erfahrenste Organisation zur Förderung der persönlichen Entwicklung durch Aktivitäten im Freien im Vereinigten Königreich. Er verfügt im englischen Lake District, in Wales und in Schottland über fünf und weltweit über 38 Zentren (unter anderem in Belgien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden). Der Ansatz des Outward Bound Trust basiert auf zwei einfachen Prinzipien: „Erstens ist jeder fähig, mehr zu leisten, als er sich zutrauen mag, und zweitens haben viel zu wenig Menschen wirklich die Erfahrung gemacht, was in Teamarbeit und durch gegenseitige Unterstützung erreicht werden kann.“ Der Outward Bound Trust bietet beispielsweise Expeditionen zwischen 8 und 20 Tagen sowie Überlebenskurse für Großstadtjugendliche an.

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Fußnoten:

1 Catherine Mayer: “Unhappy, Unloved and Out of Control – An epidemic of violence, crime and drunkenness has made Britain scared of its young. What’s causing the crisis?”, in: Time Magazine, Vol. 171, Nr. 7/2008 und Der Strassenkinderreport: Zur Lage der Kinder und Jugendlichen in Großbritannien.

2 siehe auch: "Number of children trying smoking drops to record low." In: The Guardian, Thursday 24 July 2014

3 weitere informationen im UK Government Web Archive: Young people's substance misuse strategy

4 „All children and young people should engage in moderate to vigorous intensity physical activity for at least 60 minutes and up to several hours every day. All children and young people should minimise the amount of time spent being sedentary (sitting) for extended periods.“ Department of Health: Start Active, Stay Active. A report on physical activity for health from the four home countries’. London, 2011, S. 26ff.

Partizipation und Citizenship

Politische Bildung 
Freiwilliges Engagement 

Politische Bildung

Nach langen Diskussionen wurde politische Bildung oder citizenship education, wie es im Englischen heißt, im September 2002 als Teil der verpflichtenden Lehrpläne für 11- bis 16-Jährige in England eingeführt. Nordirland, Schottland und Wales folgten diesem Beispiel, setzen jedoch auf andere Ansätze, die im Zusammenhang mit der jeweiligen spezifischen nationalen Identität stehen. So liegt in Nordirland beispielsweise eine besondere Betonung auf dem Thema Konfliktbewältigung.

Untersuchungen aus den letzten Jahren zeigen allerdings, dass der politischen Bildung häufig zu wenig Bedeutung beigemessen wird. So wurde die Lehre in dem Unterrichtsfach in einem Viertel der untersuchten Schulen als unzureichend bewertet. Mehr als die Hälfte der Schüler/-innen wussten nicht, was politische Bildung ist oder konnten keine konkreten Beispiele aus dem Lehrstoff benennen. Auch wenn ein anderes Viertel von Schulen guten Unterricht erteilt, beurteilten Schulinspektor(inn)en politische Bildung als das am schlechtesten unterrichtete Fach in englischen Sekundarstufen. Zwar wird die Notwendigkeit und Legitimität von politischer Bildung im Unterricht nicht mehr bestritten, ihre Stellung innerhalb des Curriculums bleibt jedoch unklar.

Gleichzeitig gibt es in allen Landesteilen Anstrengungen, der politischen Bildung im außerschulischen Bereich mehr Bedeutung zukommen zu lassen. So bildet die aktive Teilhabe Jugendlicher an der Gesellschaft einen Schwerpunkt der „Every child matters“-Programme in England. Auch die „Hear by right”-Offensive zur Beteiligung und Demokratieerziehung von Jugendlichen zielt in diese Richtung (siehe Kapitel „Kinder- und jugendpolitische Schwerpunkte“). Darüber hinaus werden in England Programme gefördert, mit denen über 16-Jährige und damit dem Schulalter Entwachsene mittels Trainings zur aktiven Teilhabe motiviert werden sollen (Post-16 Citizenship).

Wie auch in Deutschland engagieren sich zahlreiche Organisationen im zivilgesellschaftlichen Bereich mit Seminaren, Kampagnen, der Erstellung von Materialien etc. für die politische Bildung. Als Beispiele seien hier nur die Citizenship Foundation und die Jugendorganisationen der politischen Parteien genannt.

Quelle: Rhys Andrews/Andrew Mycock: Citizenship Education in the UK: Divergence within a Multi-National State, in: Citizenship Teaching and Learning, Vol. 3, No. 1, April 2007, Download unter http://www.citized.info/ejournal/Vol%203%20Number%201/Andrew%20Mycock.pdf.

Link
Reader zur "Jugendbeteiligung vor Ort" mit internationalen Praxisbeispielen aus der Schweiz, Finnland, den Niederlanden, Großbritannien und Frankreich. IJAB Bonn, 2012. Download hier ...

Freiwilliges Engagement

England, Schottland, Wales und Nordirland verfügen seit jeher über eine große Angebotsvielfalt im freiwilligen Engagement und zahlreiche Programme in Kurz- und Langzeitfreiwilligendienstformen. Sie waren jedoch in britischer Tradition einer unabhängigen Zivilgesellschaft nicht staatlich geregelt und nicht durch langfristige Förderprogramme finanziert. Das änderte sich als 2010 durch die Regierung David Camerons der Freiwilligendienst National Citizen Service (NCS) unter staatlicher Regie eingeführt wurde.

Der NCS bietet Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren zumeist im Rahmen ihrer Schulferien für 3-4 Wochen einen Freiwilligendienst in Form einer Mischung aus Workcamp, Gruppenseminar zur persönlichen und beruflichen Kompetenzentwicklung und der Umsetzung eines konkreten sozialen Projektes. Der gesamte Dienst wird als Ausbildung betrachtet.

Seit seiner Einführung hat die Teilnahme an den Programmen stetig zugenommen: Die Teilnehmerzahlen stiegen von 26.000 Jugendlichen im Jahr 2012 auf annähernd 100.000 im Jahr 2016.

Der National Citizen Service wird durch eine staatliche Stiftung verwaltet, den
NCS Trust.

Freiwilliges Engagement ist ein Schwerpunktthema der britischen Jugendpolitik und liegt somit im Zuständigkeitsbereich des Department for Digital, Culture, Media and Sport. Neben dem NCS gibt es ein zweites landesweite staatliche Freiwilligenprogramme die National campaign for youth social action sowie die nationale Datenbank für Freiwilligentätigkeiten Do-it.org

Im April 2017 unterstrich die Regierung ihre Unterstützung für freiwillige Aktivitäten von jungen Menschen, indem der National Citizen Service Act 2017 verabschiedet wurde, der den National Citizen Service gesetzlich verankert.

Weitere Informationen zum Thema "Freiwilliges Engagement (Voluntary Activities)" erhalten Sie im European Knowledge Centre for Youth Policy unter: http://pjp-eu.coe.int/en/web/youth-partnership/voluntary-activities1

(Quelle: Mirko Schwärzel: Freiwilligendienste im europäischen Vergleich. In: Newsletter für Engagement und Partizipat in Europa. 10/2017)

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Kultur und Kreativität

Graffiti.
Graffiti.Bild: © Banana Republic / fotolia.com

Zuständig für die Bereiche Kultur und Kreativität junger Menschen in England ist das Department for Digital, Culture, Media and Sport (DCMS). Die Aufgabengebiete umfassen:

  • Kunst und Kultur
  • Rundfunk
  • Kulturindustrie
  • Kulturgüter und historisches Erbe
  • Bibliotheken
  • Museen und Gallerien

Das DCMS kooperiert dabei mit einer Vielzahl von Nichtregierungsorganisationen:

  • Arts Council England, zuständig für: Musik, Tanz, Theater, Literatur, Bildende Kunst, Zirkus, Mussen usw.
  • Heritage Lottery Fund, zuständig für den Schutz von Kulturerbestätten
  • British Film Institute, zuständig dafür, das filmische Erbe zugänglich zu machen und den zukünftigen Erfolg des britischen Films zu fördern
  • Historic England, zuständig für den Schutz des historischen Erbes
  • British Council, Großbritanniens internationale Organisation für kulturelle Beziehungen und Bildungsangebote


2016 veröffentlichte das DCMS das Culture White Paper, das die Wichtigkeit von Besuch und Teilnahme an kulturellen Aktivitäten betont, sowohl für Kunstschaffende als auch für das Publikum und Wege aufzeigt, um jungen Menschen den Zugang zu Kunst und Kultur zu erleichtern.

Der Taking Part survey liefert Zahlen und Fakten zum kulturellen und sportlichen Engagement von Kindern und Jugendlichen in den Bereichen: Bildende Kunst, Mussen und Gallerien, Kulturerbe, Biblioteken und Sport. Die Studie erscheint seit 2005 im Auftrag des DCMS.

Zu den wichtigsten nicht-staatlichen Akteuren (teilweise mit öffentlicher Förderung) im Bereich Kunst und Kreativität für junge Menschen zählen:

Beispielhafte Programme:

Das Programms „Creative Partnerships“ fördert die Zusammenarbeit von kreativ Tätigen wie Künstler(inne)n, Autor(inn)en, Schauspieler(inne)n oder Architekt(inn)en und Schulen. „Creative Partnerships“ zielt insbesondere auf Schulen in stark benachteiligten Gegenden Englands. Es wird derzeit vom Arts Council England realisiert. – Weitere Informationen gibt es hier.

Das Projekt „Young Roots“ ist ein Projekt des Heritage Lottery Fund mit dem Ziel, Jugendliche zu motivieren, in kreativer Weise die kulturelle Vielfalt der britischen Gesellschaft zu entdecken und die eigenen Wurzeln zu erkunden (z.B. Theaterstücke, die auf historischen Geschehnissen beruhen, Workshops von Museen, Archiven und Sammlungen). Dem Projekt stehen jährlich 5 Millionen Pfund zur Verfügung. Gefördert werden Projekte, deren Zielgruppe hauptsächlich Jugendliche im Alter von 13 und 20 sind.

Informationen zu kulturellen Bildungsprogrammen 
in NordirlandArts Council Northern IrelandCreative Youth Partnerships Northern Ireland,
in SchottlandScottish Arts
in Wales: National Youth Arts Wales

Integration und Inklusion

Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund

Der Ausländeranteil liegt in Großbritannien leicht unter dem EU-Durchschnitt.
Die meisten Einwanderer nach Großbritannien im Zeitraum 2013 - 2016 kamen aus drei Ländern: China, Indien und aus Polen.
Einwanderung war eines der zentralen Themen im Wahlkampf vor dem EU-Referendum in Großbritannien.

Nach früheren Zuwanderungsphasen (insbesondere aus den ehemaligen Kolonien) hat die Einwanderung nach Großbritannien aufgrund einer stabilen Wirtschaft und niedriger Arbeitslosigkeit seit den 1990ern stark zugenommen. So stieg die Zahl der Asylanträge von jährlich rund 35 000 Bewerbungen, die zwischen 1991 und 1998 gestellt wurden, auf 100 000 Bewerbungen im Jahr 2002. Einschränkende Maßnahmen haben seither zu einem steilen und beständigen Absinken der Asylanträge geführt. Gleichzeitig wurden ab 2002 Rekordzahlen hinsichtlich der Vergabe von Arbeitserlaubnissen erreicht. Zwischen 2002 und 2005 erteilten die Behörden rund 130 000 Genehmigungen. Ab 2004 kam es infolge des EU-Beitritts von zehn neuen Mitgliedstaaten noch einmal zu einem drastischen Anstieg der Zuwanderung aus Mitteleuropa und dem Baltikum. Parallel dazu stieg die Angst der Brit(inn)en vor dem Umfang und den Auswirkungen der Migration. Umfragen zeigen, dass die Anzahl der Menschen, die Immigration und Rasse als die wichtigste bzw. eine der wichtigsten Herausforderungen für das Vereinigte Königreich ansehen, sehr hoch ist.

Heute gehört eine von zwölf Personen im Vereinigten Königreich einer ethnischen Minderheit an; in einigen Gegenden Londons hat gar mehr als die Hälfte der Bevölkerung einen Migrationshintergrund bzw. ist afroamerikanischer Abstammung. Während einige Minderheitengruppen sehr gut in die Gesellschaft integriert sind, leiden andere weiterhin unter signifikanter Benachteiligung, Rassismus und Diskriminierung. Für den Bildungsbereich hat man beispielsweise festgestellt, dass schwarze Schüler/-innen zwar im Alter von fünf Jahren etwa auf dem gleichen Niveau wie der Rest der Schüler/-innen beginnen, mit Erreichen des 10. Lebensjahres jedoch bereits deutlich zurückliegen. Dagegen erreichen indische und chinesische Schüler/-innen meist Resultate, die über dem nationalen Durchschnitt liegen. Auf der universitären Ebene sind die Ergebnisse vielversprechender. Bei den Zugangstests für die Universitäten übertreffen sowohl indische, pakistanische und afro-karibische Frauen als auch Männer aus Indien, Pakistan und Bangladesch den nationalen Durchschnitt. Dennoch studieren unverhältnismäßig viele von ihnen an den am wenigsten angesehenen Universitäten und haben damit in der Regel schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Seit Januar 2005 setzt die britische Regierung die Strategie „Improving Opportunities – Strengthening Society“ um, mit deren Hilfe bis 2008 die vorhandenen Barrieren im Zusammenhang mit ethnischem Hintergrund weiter abgebaut und die Chancen aller in England lebenden Menschen unabhängig von ihrer kulturellen Herkunft verbessert werden sollen. Dabei sind auch explizit Maßnahmen im Jugend- und Bildungsbereich vorgesehen, die im Rahmen des Regierungsprogramms „Every Child Matters“ umgesetzt werden. So wurden Sure Start Children’s Centres und so genannte erweiterte Schulen insbesondere in Gegenden mit einem hohen Anteil an Einwohner(inne)n mit Migrationshintergrund eingerichtet. Sie bilden einen Anlaufpunkt für Kinder, Jugendliche und deren Familien. Darüber hinaus wurden die Betreuungsmöglichkeiten sowie deren Qualität in den letzten Jahren weiter ausgebaut. 

Zur Förderung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund werden darüber hinaus unter anderem folgende Maßnahmen umgesetzt:

  • Über den Ethnic Minority Achievement Grant stehen den Schulen und lokalen Behörden finanzielle Mittel in Höhe von 178,6 Millionen Pfund (2007/2008) für die Förderung von Schüler(inne)n mit Migrationshintergrund zur Verfügung. 
  • Das Black Pupils’ Achievement Programme arbeitet mit 25 Kommunen und 100 Sekundarschulen zusammen. Ziel ist es, die Leistungen von schwarzen Schüler(inne)n zu erhöhen. Ein ähnliches Programm wurde 2006 für Primärschulen gestartet. 
  • Zur Verbesserung der Leistungen von jungen Sinti und Roma bzw. Tinker/Irish Traveller wurde im September 2006 ein nationales Programm gestartet. Gemeinsam arbeiten lokale Behörden und Schulen daran, für die Schüler/-innen dieser Gruppen und deren Eltern maßgeschneiderte Unterstützung anzubieten (z.B. mittels e-Learning). 
  • Um der Ausgrenzung von schwarzen Jugendlichen entgegenzutreten, wurden Maßnahmen entwickelt, die helfen sollen, die Gleichheit unter den verschiedenen ethnischen Gruppen zu fördern (z.B. Schulung von Schulleitungen, Entwicklung von Leitlinien und Praxismaterial). 
  • Vermehrte Einstellung von Lehrpersonal mit Migrationshintergrund. 
  • Die Schulen sind zu einer „race equality policy“ verpflichtet, in der festgelegt wird, wie mit Diskriminierung umgegangen und wie Gleichberechtigung und „good race relations“ bei allen schulischen Aktivitäten gefördert werden sollen. Darüber hinaus gibt es verschiedene Berichtspflichten. 

Links

Jugendsozialarbeit und Hilfen für Kinder

Hilfen für Kinder und Jugendliche werden in England von den Kommunen in Kooperation mit freien und privaten Trägern bereitgestellt. Eine Auflistung der Jugendhilfeangebote findet sich in: Statutory Guidance for Local Authorities on Services and Activities to Improve Young People’s Well-being (Department for Education, 2012).
Der Children Act und das damit verbundene Regierungsprogramm „Every Child Matters: Change for Children“ führten auch in diesem Bereich zu umfangreichen Reformen. Ziel ist die Verbesserung der Hilfen und Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche

In der Vergangenheit unterschieden sich die Unterstützungsdienste für Kinder und Jugendliche (children’s and youth services) in den einzelnen Regionen Englands zum Teil erheblich voneinander. Doch im Rahmen der Implementierung des neuen Children’s Service kommt es zu einer Angleichung. Ein nationales Rahmenwerk gibt vor, wie die Jugendsozialarbeit und die Hilfen für Kinder auf der lokalen Ebene zu gestalten sind. 

Ein wichtiger Aspekt der Reformen ist die Zusammenarbeit aller lokalen Partner in so genannten Multi-Agency Children’s Trusts. Seit April 2008 sind öffentliche, freie und private Träger verpflichtet zusammenzuarbeiten, um durch integrierte Unterstützungsangebote bestmöglich den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen entsprechen zu können. Fachkräfte verschiedener Berufsgruppen (Sozialarbeit, Schule, Gesundheit, Freizeit, Sicherheit etc.) arbeiten dazu in lokalen Teams zusammen. Darüber hinaus müssen die lokalen Behörden und ihre Partner seit 2004 Aktionspläne (Children and Young People’s Plans) entwickeln, in denen sie festlegen, wie sie die Prioritäten umzusetzen planen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass die Meinungen von Kindern, Jugendlichen und deren Familien bei der Planung und Entwicklung der Dienste berücksichtigt werden. Des Weiteren wurde eine gemeinsame Datenbank aufgebaut, in der Informationen über das Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen gesammelt werden. Diese soll helfen, besonders gefährdete Kinder und Jugendliche möglichst frühzeitig zu erkennen.

Die drei wichtigsten Elemente der integrierten Unterstützungsdienste sind:

  • universelle Hilfen für alle Kinder und Jugendlichen; 
  • maßgeschneiderte Unterstützung für diejenigen, die sie am meisten benötigen; 
  • Zugang zu Information, Rat, Anleitung und Beratung. 

Eine Auswahl an Projekten und Angeboten für Jugendliche, die im Rahmen der Unterstützungsdienste umgesetzt werden, zeigt die folgende Übersicht:

  • lebenspraktische und psychosoziale Beratungsarbeit; 
  • offene Jugendarbeit und Jugendclubs; 
  • Straßensozialarbeit und mobile Jugendarbeit; 
  • Projekte im Zusammenhang mit Kriminalität oder Gewaltbereitschaft von Jugendlichen, insbesondere im städtischen Bereich; 
  • Projekte für Teenagereltern/-mütter; 
  • Projekte für jugendliche Betreuer/-innen von Familienangehörigen; 
  • Projekte in Partnerschaft mit dem Informations- und Beratungsdienst Connexions
  • Projekte für Jugendliche in besonderen Lebenslagen; 
  • Schulsozialarbeit – hier gibt es eine Reihe von Projekten zu alternativen Qualifizierungsmöglichkeiten in der Schule („alternative curriculum“) wie die XL Clubs des Prince’s Trust
  • Beteiligungsprojekte aller Art (z.B. YouthBank); 

2008 wurde die Qualität der Unterstützungsdienste für Kinder und Jugendliche evaluiert. Das Office for Standards in Education, Children’s Services and Skills (Ofsted) untersuchte die Qualität der Angebote und beurteilte den Beitrag, den die (Stadt-, Land-, Kreis-)Räte gemeinsam mit ihren Partnern zur Umsetzung der Prioritäten zur Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen leisten. Der Evaluationsbericht bewertet die Arbeitsqualität der Mehrheit der Unterstützungsdienste positiv. 

Im Zuge der Umsetzung des Children Act wurden die sozialen Hilfsdienste für Kinder von denen für Erwachsene getrennt. Jede Kommune unterhält seit April 2006 Bildungs- und Sozialdienste (education and social care services). Diese stellen Betreuung und Unterstützung für Kinder und Familien bereit. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf bedürftigen Kindern (zum Beispiel Kinder mit Behinderungen).

Neben der kommunalen Kinder- und Jugendhilfe unterhalten die größeren freien Träger oder Wohltätigkeitsorganisationen vergleichbare Angebote oder ergänzen die Palette der Kommune. Die einzelnen Organisationen haben sich dabei oft auf bestimmte Projekte (zum Beispiel Unterstützung von obdachlosen Jugendlichen) spezialisiert.

England, Nordirland, Schottland und Wales sind Vollmitglieder des European Network of Ombudsmen for Children (ENOC). In diesem Netzwerk sind unabhängige Büros für Kinder in europäischen Ländern zusammengeschlossen, die sich für die Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen. Sie unterstützen eine gemeinsame Lobbyarbeit für die Kinderrechte, tauschen Informationen und politische Strategien aus und werben für die Entwicklung effektiver unabhängiger Kinderbüros. - Informationen zu den Büros
in England unter http://www.childrenscommissioner.gov.uk/
in Nordirland unter http://www.niccy.org
in Schottland unter http://www.sccyp.org.uk
in Wales unter http://www.childcom.org.uk/.

Literaturhinweis 
Soziale Dienste in Europa. Ein Vergleich zwischen Großbritannien und Deutschland (Studienarbeit). André Höllmann, 2010. http://www.grin.com/e-book/145173/soziale-dienste-in-europa#inside

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Internationale Jugendarbeit und Mobilität

Zentrale Einrichtungen und Organisationen 
Zusammenarbeit mit Deutschland 
Zusammenarbeit mit anderen Ländern
Mobilität

Zentrale Einrichtungen und Organisationen

Die wichtigste Dienststelle zur Förderung des Austausches von Jugendlichen und Fachkräften ist das britische Kulturinstitut British Council, das neben jugendpolitischen Informationen sowie Fort- und Weiterbildungsangeboten auch internationale Jugend- und Fachkräfteaustauschprogramme anbietet. Darüber hinaus fungiert der British Council als Nationalagentur für das EU-Programm Erasmus.

2005 wurde die UK-German Connection als Kontakt- und Dienstleistungsstelle für den deutsch-britischen Jugendaustausch eingerichtet. Sie entstand durch die Zusammenlegung der Arbeit der Fachberaterin für den deutsch-britischen Schul- und Jugendaustausch (UK-German Links Adviser) und dem deutsch-britischen Jugendportal The Voyage, das ein breit gefächertes Informationsangebot für Kinder, Jugendliche sowie Eltern und Fachkräfte bereitstellt. Die Arbeitsschwerpunkte von UK-German Connection sind Informations- und Werbemaßnahmen, Beratung und Unterstützung beim Aufbau von Schulpartnerschaften und Jugendkontakten sowie das Initiieren und Unterstützen neuer Arten von Austauschaktivitäten. Zu ihren Angeboten gehört auch weiterhin das deutsch-britische Jugendportal, das eine zweisprachige Website mit Informationen für Kinder, Jugendliche, Fachkräfte und Eltern bereitstellt.

Zusammenarbeit mit Deutschland

Grundlage für die jugendpolitischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Vereinigten Königreich war ein 1958 unterzeichnetes Kulturabkommen.

Im November 2004 nahmen die beiden Länder den Staatsbesuch von Königin Elisabeth II. in Deutschland zum Anlass, eine Initiative zur Stärkung des bilateralen Austauschs zu starten. In der Folge wurde dem Jugendaustausch zwischen den beiden Ländern eine höhere Priorität eingeräumt und entsprechend höhere finanzielle Mittel bereitgestellt. Des Weiteren wurde der deutsch-britische Jugendaustausch mit der Einrichtung der UK-German Connection auf eine neue organisatorische Grundlage gestellt.

Im Bereich des Jugendaustausches sind darüber hinaus der Pädagogische Austauschdienst und sein britisches Gegenstück, die Education and Training Group der British Council-Zentrale aktiv. Zudem werden viele deutsch-britische Austauschaktivitäten von privaten Trägern durchgeführt oder finden im Rahmen von Städte- oder Regionalpartnerschaften statt. 

Das German-British Forum ist eine gemeinnützige Einrichtung, die sich der Verbesserung der deutsch-britischen Beziehungen in Politik, Wirtschaft und Bildung widmet. Im Bereich der Jugendarbeit setzt sich das German-British Forum dafür ein, Jugendliche im Vereinigten Königreich über Arbeits- und Freizeitmöglichkeiten in Deutschland zu informieren und sie auf diese Weise zu Aufenthalten zu ermutigen. 

Als Beispiel einer regionalen Zusammenarbeit sei hier die Kooperation der schottischen und der bayerischen Landesregierung aufgeführt. Beide haben im März 2005 einen Aktionsplan verabschiedetet, der unter anderem auch eine engere Zusammenarbeit im Bildungsbereich, dem Schüler(innen)austausch und der Jugendarbeit vorsieht. – Weitere Informationen finden Sie auf der Webseite der schottischen Regierung: Existing engagement between Scotland and Germany

Im Juli 2017 beschlossen Außenminister Sigmar Gabriel und sein britischer Amtskollege Boris Johnson in einem neuen Abkommen den gemeinsamen Jugend- und Schüleraustausch zwischen Deutschland und Großbritannien zu verstärken. Die beiden Minister erklärten deshalb, die der UK-German-Connection zur Verfügung stehenden Mittel zu verdoppeln und sich auch künftig für den Auf- und Ausbau dieser Verbindung einsetzen zu wollen. Die Aufstockung der Gelder auf ca. £230.000 soll zusammen mit einer Finanzierungszusage der Bundesregierung in gleicher Höhe einen Ausbau der Arbeit der UKGC ermöglichen. Britische Jugendliche sollen so mehr Zugang zur deutschen Sprache und Kultur bekommen.
Die gemeinsame Erklärung der Außenminister Gabriel und Johnson zum deutsch-britischen Jugendaustausch ist auf der Internetseite des Auswärtigen Amts nachzulesen.
Weitere Informationen zum Ausbau des deutsch-britischen Jugend- und Schüleraustauschs sind auf der Webseite der Britischen Regierung (in deutscher Sprache) erhältlich.

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Zusammenarbeit mit anderen Ländern

Internationale Jugendarbeit ist im Vereinigten Königreich eine wichtige Komponente der bestehenden Jugendarbeit und verfolgt das Ziel, im Rahmen der außerschulischen Bildung einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung zu leisten. Internationale Jugendarbeit soll den Horizont der Jugendlichen erweitern, interkulturelles Lernen ermöglichen sowie zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit und zur Friedenserziehung beitragen. Darüber hinaus wird internationale Jugendarbeit im Vereinigten Königreich zunehmend als Chance gesehen, Jugendlichen ein stärkeres Gefühl für Europa zu vermitteln, was häufig aufgrund der isolierten Lage der Insel(n) fehlt.

Im Bereich des Jugendaustausches ist die Bundesrepublik Deutschland ein wichtiger Partner des Vereinigten Königreiches, gefolgt von Frankreich und den anderen Mitgliedsländern der Europäischen Union. Außerdem besteht ein geregeltes Austauschprogramm mit Osteuropa und den USA sowie mit China und Japan.

Der Austausch mit dem Commonwealth ist die Aufgabe des Commonwealth Youth Exchange Council. Dieser wurde in den frühen 1970er Jahren gegründet und verhalf seitdem mehr als 30 000 Jugendlichen zu Kontakten in 54 Commonwealth-Länder. Die Bevölkerung der Commonwealth-Länder zusammengenommen beträgt über 1,6 Milliarden Menschen, von denen über zwei Drittel unter 25 Jahre sind. Zielgruppe des Commonwealth Youth Exchange Council sind Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren. Sie können an zwei- oder dreijährigen Austauschprogrammen teilnehmen. – Weitere Informationen unter www.cyec.org.uk

Einige freie Träger, von denen in erster Linie Oxfam GB zu nennen ist, konzentrieren sich in der internationalen Jugendarbeit vor allem auf die Belange der Entwicklungshilfe. – Weitere Informationen unter http://www.oxfam.org.uk.

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Mobilität

Straßenschild mit Zug.
Straßenschild mit Zug.Bild: © Rasmus99 / fotolia.com

Im Vereinigten Königreich verbringen die meisten Kinder und Jugendlichen die Ferien mit ihren Familien. Die beliebtesten Urlaubsorte liegen am Meer, bei Auslandsreisen steht Südeuropa (insbesondere Spanien und Griechenland) hoch im Kurs.

Viele Familien verbringen ihren Urlaub auch in heimischen Ferienparks, die seit den 1930er Jahren entstanden sind. Neben einer günstigen Unterkunft und auf Wunsch Verpflegung zeichnen sich diese Ferienparks durch ein breites Freizeitangebot sowohl für die jüngere als auch für die ältere Generation aus. Insbesondere die Kinderbetreuungsmöglichkeiten werden von vielen Eltern geschätzt. Für Kinder und Jugendliche, die die Ferien zuhause verbringen, wird beispielsweise von Jugendeinrichtungen oder Kirchengemeinden tagsüber eine Betreuung angeboten.

Es ist nicht üblich, dass Jugendliche unter 18 Jahre allein oder mit Freunden verreisen. Auch organisierte Jugendreisen gibt es eher selten. Immer mehr Jugendliche nutzen aber die Zeit nach der Schule oder nach dem Universitätsabschluss für längere Auslandsaufenthalte.

Schottland ist das einzige Land des Vereinigten Königreichs, das Mitglied in der European Youth Card Association (EYCA) ist. Informationen zu Vergünstigungen mit der Europäischen Jugendkarte EURO26 (und jede Menge weiterer Informationen zu kulturellen Veranstaltungen, Reiseangeboten, ...) gibt es unter http://www.youngscot.org/info/471-european-youth-card 
Jugendliche aus England, Nordirland und Wales können die Europäische Jugendkarte EURO26 online erwerben. Mehr Informationen zur EURO26 unter http://www.euro26.org

Das Vereinigte Königreich ist Programmland im europäischen Aktionsprogramm Erasmus+ JUGEND IN AKTION. Die Nationalagentur für die Umsetzung des Programms ist The British Council mit Sitz in London.

Weitere Informationen zum Vereinigten Königreich für junge Leute auf dem Europäischen Jugendportal:http://europa.eu/youth/UK_de

Karte, auf der Impressum steht.
Karte, auf der Impressum steht.Bild: geralt / pixabay.com

Impressum - Vereinigtes Königreich

Die Länderinfos zum VEREINIGTEN KÖNIGREICH von Großbritannien und Nordirland wurden zusammengestellt von: IJAB - Fachstelle für Internationale Jugendarbeit der Bundesrepublik Deutschland e.V.

Letzte Aktualisierung: Juni 2018

Kontakt: dija(at)ijab.de