Projektdokumentation

In der Projektdokumentation findet sich eine Vielzahl ausgewählter Projekte der internationalen Jugendarbeit. Die Beispiele sollen Anregungen, konkrete Hinweise und direkte Kontakte geben. Nachahmen erwünscht!

Stadt-Land-Fluss - kulturelle Identität und Landschaft

Kontakt

Kunstschule Offenburg
Ansprechpartner: Heinrich Bröckelmann
Offenburg
Fon: 0781 9481019
mail(at)kunstschuleog.de
http://www.kunstschule-offenburg.de

Projektart

Jugendbegegnung, Kulturbegegnung

Projektzeitraum

29.05.2003 - 13.06.2003

Projektort

Offenburg (Deutschland); Olsztyn (Polen)

Länder

Deutschland, Polen

Ebene

binational

Teilnehmerprofil

Jugendliche, Studierende


Kurzbeschreibung

Die spannende Frage nach den Bildern der Heimat und der Fremde, die Bedeutung der Landschaft bei jungen Europäer(inne)n aus Ost und West und die Beziehungen zwischen der eigenen Identität und dem eigenen beziehungsweise einem fernen Lebensraum, war Thema des Projektes.

Jeweils 18 Teilnehmende der Kunstschule Offenburg und 18 junge Kunst-Studierende der Universität Ermland-Masuren in Olsztyn haben hierbei für jeweils 14 Tage mit Künstler(inne)n aus beiden Regionen in den künstlerischen Bereichen Land-Art, Malerei, Grafik, Fotografie, Installation und Performance zusammengearbeitet.

Die Rückbegegnung fand vom 21.8. bis 5.9.2003 in Olsztyn statt.

Methoden

Die Teilnehmenden haben in verschiedenen deutsch-polnischen Projektgruppen gearbeitet.

Teil 1 in Offenburg, Europäischer Landschaftraum: Oberrhein, Ortenau, Schwarzwald, Weinberge, Nadelholzwälder, Berge. In unmittelbarer Nähe zur Natur entstanden unter der Leitung der Künstlerinnen Ilse Teipelke und Veronika Pögel Bodenskulpturen, farbige Kunsteingriffe in die Natur, Klangbilder, Objekte und Elemente der Performance-Kunst. Ihr Themenschwerpunkt war „Erde“. Die jungen Pol(inn)en und Deutschen suchten in ihren Objekten Ausdrucksformen, die beispielsweise die Strukturen der Weinberggeometrie aufgriffen, die Faszination des Wachsens in der Natur spiegelten oder bewusst Irritationen herstellten. Mit ihren Körpern schufen sie in kleinen performativen Aktionen flüchtige, lebende Bilder und Skulpturen. Ihre Arbeit ist größten Teils am Entstehungsort in der Natur geblieben und wird sich in der Zeit durch Wind und Wetter langsam wieder auflösen. Die Objekte und Aktionsbilder wurden daher fotografisch dokumentiert.

Das Professorenehepaar Izabella Janiszewska-Obark und Pietro Obarek (Leiter der Fakultät Bildende Kunst an der Universität in Olsztyn) ermöglichte einer zweiten Gruppe junger Menschen die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema „Himmel“. Hier entstanden über zwanzig großformatige Malarbeiten, die das Licht- und Schattenspiel von Sonne, Wolken und Firmament einfingen. Auch die übertragene Bedeutung von Himmel wurde von ihnen zu Papier gebracht: der Himmel auf Erden, das himmlisch gut schmeckende Essen oder himmlische Wesen. Die Arbeiten wurden im Rahmen der Abschlussausstellung in luftiger Höhe an langen Leinen präsentiert.

In dem von dem Künstler Günter Kochan geleiteten Bereich „Horizont“ wurde der Ort dargestellt, an dem sich Himmel und Erde treffen. In Landschaftsstudien im Grenzgebiet zwischen Wald, Dorf und Reben skizzierten die Teilnehmenden zunächst das Panorama der Ortenau mit ihren Blicken auf den Schwarzwald, die Rheinebene und das entfernt sichtbare französische Strasbourg mit seinem den Horizont überragendem Münster. Anschließend wurden interessante Teile dieser Skizzen mit Künstleracrylfarben auf 30 türhohen Bildtafeln übertragen. Sämtliche Tafeln sind über Scharniere mit einander verbunden, so dass sie ein ungewöhnliches, kreisrundes 360-Grad Panoramabild mit einem Durchmesser von über 10 Metern bilden. Dieses Objekt wurde auch zum zweiten Projektteil nach Olsztyn mitgenommen.

In einem vierten Bereich, der vom Leiter der Kunstschule Offenburg, Heinrich Bröckelmann, moderiert wurde, entstanden freie Arbeiten „zwischen den Bereichen“, die von Teilnehmenden geschaffen wurden, die eine eigene Idee umsetzten wollten. Hier war es vor allem die Fotografie, die die jungen Leute ansprach.

Der erste Projektteil wurde mit einer öffentlichen Werkausstellung am 12. Juni 2003 beendet.

Eine riesige 2,50 m Durchmesser große Feuerkugel beschloss am Montag, den 1. September 2003 im polnischen Allenstein (Olsztyn) den zweiten Teil des Kunstprojektes. Auf einer großen Rasenfläche vor der Sternwarte Allensteins inszenierten die Teilnehmenden unter der Leitung des polnischen Künstlers Janusz Polum ein Bildspiel aus riesigen Kreidekreisen, Feuerkugeln, Fackeln und viersprachigen Gesängen (polnisch, deutsch, englisch und lateinisch). Seit dem Start der Projektgruppen beschäftigten sie sich intensiv mit den Theorien Kopernikus', experimentierten mit großen Kugelkonstruktionen aus Weiden und Stroh und diskutierten Formen einer künstlerischen Interpretation.

Eine weitere Projektgruppe verwendete malerische Mittel, um das Thema Wasser künstlerisch umzusetzen. Die Teilnehmer/-innen griffen in großformatigen Malstücken künstlerisch die physikalischen, mythologischen und allegorischen Aspekte des Wassers auf.

Eine dritte Projektgruppe "Panorama-Bild“ setzte Skizzen des Land- und Stadtbilds Olsztyns, das zuvor vom Dachbalkon des Alten Wasserturms aus festgehalten wurde, auf dem 30m langen und 2,30m hohen Rundumbild um. Das Besondere dieses kreisrund aufgestellten Malobjektes mit einem Durchmesser von 10 Metern liegt darin, dass auf der Innenseite des Kreisraumes Landschaftsimpressionen der Ortenau festgehalten waren. Diese im ersten Projektteil im Mai in Offenburg entstandenen Bilder korrespondierten nun mit den auf der anderen Seite des Kreisbildes, im zweiten Projektteil gemalten Atmosphären und Eindrücken des Ermlandes. Da das fertige Panoramabild am Projektende für die Abschlussausstellung im Stadtkern von Olsztyn aufgebaut wurde, erhielten viele polnische Bürger/-innen auch einen malerischen Eindruck von einer weitentfernten europäischen Landschaft, der Ortenau.

Die Ausstellung wurde für vier Wochen in der Galerie der Universität gezeigt.

Vor- und Nachbereitung

Ein erster persönlicher Vorbereitungstermin mit dem Leiter der polnischen Gruppe, Herrn Obarek, fand im November 2002 statt. Vor Ort in Offenburg und Allenstein trafen sich im Januar und Februar 2003 die beteiligten regionalen Künstler/-innen in diversen Konzeptionstreffen. Die angemeldeten deutschen Teilnehmenden unternahmen am ersten Maiwochenende einen gemeinsamen Crashkurs zur Einführung in die polnische Kultur und Sprache (Seminarwochenende in Offenburg). Allen wurde auch allgemeine Literatur über Polen und spezielle Literatur zur polnischen Malerei, insbesondere der Landschaftsmalerei zugänglich gemacht. Die polnische Gastgruppe traf sich mehrmals zur Vorbereitung auf die Reise.

Finanzierung

Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Landesmittel, Stiftungen, Sonstige

Bürgerstiftung St. Andreas, Offenburg; Robert-Bosch-Stiftung; Georg und Maria Dietrich Stiftung; Staatsministerium Baden-Württemberg; Bank Rozwoju Eksportu w Warzawie oddzial w Olstztynie / Polen

Weitere Unterstützung erhielten die Partner durch: Amt für Schule und Sport, Stadt Offenburg; MPK w Olsztynie; Muzeum Warmii i Mazur w Olsztynie; Planetarium i Obserwatorium Astronomiczne Olztnie; Pfadfinderschaft Offenburg, Stamm Konradin; Rolls Voice, Rockband, Ortenberg; Stadtbibliothek Offenburg; Uniwersytet Warminsko w Olssztynie / Polen; Eigenmittel des Volkshochschule e.V. Offenburg mit Kunstschule

Kooperationspartner

Katedra Sztuk Pieknych UHM, Olsztyn / Polen

Ergebnisse und Dokumentation

Kunst zwischen Himmel und Erde <> Kopernik, Woda, Horyzont, Bilder (in) einer Landschaft: Ortenau und Ermland, Künstlerisches Landschaftsprojekt der Kunstschule Offenburg und der Universität Allenstein

Im Frühjahr 2004 stellte die Kunstschule die künstlerischen Ergebnisse beider Projektteile (Offenburg und Allenstein) in einer gemeinsamen Ausstellung in Offenburg vor.