Projektdokumentation

In der Projektdokumentation findet sich eine Vielzahl ausgewählter Projekte der internationalen Jugendarbeit. Die Beispiele sollen Anregungen, konkrete Hinweise und direkte Kontakte geben. Nachahmen erwünscht!

Arte Povera: Arme Kunst oder die Kunst der Armut

Kontakt

Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen e.V. (LKJ)
Ansprechpartner: Ulrike Enders
Erfurt
Fon: 0361 5623306
u.enders(at)lkjthueringen.de
http://www.lkjthueringen.de

Projektart

Jugendbegegnung, Kulturbegegnung

Projektzeitraum

26.07.2007 - 02.08.2007

Projektort

Weimar

Ebene

multinational

Teilnehmerprofil

Jugendliche, Alter 15-20 Jahre


Kurzbeschreibung

Die Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung Thüringen e.V. richtete in der Europäischen Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW) die Sommerkunstwerkstatt „Arte Povera – Arme Kunst oder die Kunst der Armut“ mit jungen Finnen, Franzosen, Polen und Deutschen aus. In vier Kunstworkshops setzten sie sich mit dem Thema Armut auseinander. Mit „armen Materialien“ aus der Natur und dem Milieu der Obdachlosen machten sie Kunst, sie testeten die Reaktion der Menschen auf Armut beim Straßentheater, interviewten die Weimarer Bevölkerung zum Thema Hartz IV u. ä. für den Audioworkshop und machten Fotos in einem Kloster, um den Gegenentwurf zur Konsumgesellschaft kennen zu lernen. Es wurde in gemischten Teams gearbeitet, erkundet und gefeiert, so dass ein intensives Miteinander erprobt und das Erleben verschiedener kultureller Eigenarten spielerisch ermöglicht wurde. „Länderabende“, ein Besuch in der Gedenkstätte Buchenwald, Spiele und Abende in der Stadt, der EJBW-eigenen Disko oder am Lagerfeuer rundeten die internationale Begegnung ab, die bei den Jugendlichen viele schöne Erinnerungen hinterließ. Neben der interkulturellen Verständigung war das Ziel der Begegnung, eine Sensibilisierung für Chancen(un)gleichheit in Europa und anderswobei den Jugendlichen herbeizuführen.

Methoden

Die Begegnung war ziemlich straff gestrickt, damit den Jugendlichen genügend Zeit für ihre Workshops und ein zufrieden stellendes Endergebnis blieb. Trotzdem lag der Schwerpunkt auf dem gegenseitigen Kennen lernen und der Durchmischung der Nationalitätengruppen, welche mit Spielen, gemeinsamen Freizeitaktivitäten, gemischten Zimmern und Workshopgruppen erreicht wurde. Eine Stadtrallye und Kneipenbesuche erlaubten die Erkundung der Stadt Weimar. Die Länderabende, in denen sich die verschiedenen Nationalitäten mit Sketches, Power-Point-Präsentationen, Liedern, Spielen, Filmen und kulinarischen Köstlichkeiten vorstellten, waren jedes Mal ein Höhepunkt der Begegnung. Die Landeshauptstadt Erfurt wurde von 2 Workshopleitern mit ihren Gruppen aufgesucht. Eine Exkursion nach Buchenwald lieferte Stoff für nachdenkliche Töne unter den Jugendlichen. Das Thema Armut wurde durch mitgebrachte Symbole und eine wirkungsvolle Übung („Take A Step Forward“ von „Compass, Manual on Human Rights“) eingeführt und durch weitere Inputs im Laufe der Woche komplettiert. Die Workshops erlaubten den Jugendlichen einerseits sich in der Gruppe kreativ zu betätigen, andererseits das übergreifende Thema für sich selbst zu konkretisieren. Sie erhielten auf vielerlei Weise Anstoß zur Reflektion über die Lebensumstände Unterprivilegierter. Etliche waren der Ansicht, dass sie neue Perspektiven mit nach Hause nähmen.

Rahmenbedingungen: Die Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar lieferte ideale Bedingungen für die knapp bemessene Freizeit mit Sport- und Billardräumen, Disko- und Lagerfeuer, exzellenter Küche, sowie freundlichem Personal. Weimar lag für gemeinsame Erkundungen in unmittelbarer Nähe und bot einen anregenden und doch sicheren Rahmen für Besichtigungen, Kneipenbesuche u.ä. Jede ausländische Gruppe brachte ihre Betreuerin mit, für das Gesamtprojekt waren je eine Betreuerin von der LKJ und eine von der EJBW zuständig. Die gemeinsame Sprache war Englisch, die Jugendlichen wurden in Drei- bzw. Zweibettzimmern untergebracht.

Die Abschlusspräsentation fand vor Publikum statt und die Teilnehmenden ernteten lauten und wohlverdienten Applaus für ihre kreativen Arbeiten.

Vor- und Nachbereitung

Mit der EJBW konnte eine gründliche Vorbereitungsphase durchgeführt werden, angefangen bei gemeinsamen Überlegungen zu Antragsstellung, sämtlichen Inhalten, Methoden und Auswahl der Workshopleiter. Alle technischen Anforderungen wurden schon im Vorfeld geklärt. Diesen günstigen Voraussetzungen ist sicherlich auch der reibungslose Ablauf der Begegnung geschuldet. Der von "Jugend in Aktion" geförderte Vorbereitungsbesuch war besonders für unsere polnischen Partner hilfreich, um Werbung für Teilnehmer zu machen. Neben den organisatorischen Punkten, konnten wir mit den Betreuern und den Workshopleitern auch Inhaltliches klären und neue Ideen in unsere Planung aufnehmen.

In Finnland wurden die Mitglieder des Jugendforums von Hämeennlinna für ihre Arbeit belohnt und auf die Reise mitgenommen. In Frankreich waren es Mitglieder des Vereins Blois-Weimar, die eingeladen waren und in Nowy Sacz wurden Schüler eines Gymnasiums, das mit dem Kulturzentrum Sokol gute Beziehungen pflegt, für die Begegnung gewonnen. Aus Thüringen kamen Schüler der Körperbehindertenschule Erfurt und vom Freiwilligen Kulturellen Jahr zu uns.

In der Vorbereitungsphase mussten die Jugendlichen sich Gedanken über Armut in ihrer Region machen und jeweils ein Symbol aussuchen und mitbringen, das Armut für sie darstellte. Bei der Projektumsetzung wurden die verschiedenen Aspekte von Armut durch die Jugendlichen bei Spielen und im Brainstorming erarbeitet. Im Betreuungsteam gab es zur „Halbzeit“ (Montag) eine Auswertung, wo es um die Stimmung in der Gruppe ging, darum, ob auch jeder Anschluss gefunden hatte und bei den Workshops mitkam und welche inhaltlichen Maßnahmen unter Umständen noch zu ergänzen waren. Als letzte Aktion fand eine schriftliche Auswertung mit der gesamten Gruppe statt. Alle waren sehr angetan von den Möglichkeiten der EJBW, der Freundlichkeit des Personals, den Workshops und den Informationen rund um das Thema „Armut“. Sie waren der Meinung, dass sie mit ganz neuen Perspektiven zu Armut und den Auswirkungen sozialer Stellung nach Hause gingen. Allem voran gestellt war aber sicherlich die einmalige Gelegenheit, in einem angenehmen Rahmen Gleichaltrige aus anderen europäischen Ländern kennen zu lernen und mit ihnen zukünftig Kontakt zu halten.

Die Zusammenarbeit mit den Partnern verlief so gut, dass wir uns mit jedem Einzelnen eine weitere Jugendbegegnung vorstellen können. Als nächstes ist eine Projekt mit Jugendlichen aus Frankreich, Thüringen und Teilnehmern aus Russland und der Ukraine geplant.

Finanzierung

JUGEND IN AKTION, Teilnahmebeiträge, Sonstige

EU-Programm Jugend in Aktion. Die Honorare der Referenten (Workshopleiter) wurden aus Fördermitteln des Thüringer Kultusministeriums bezahlt. Eigenbeteiligung für polnische Jugendliche 50 Euro, für die anderen Jugendlichen 100 Euro

Kooperationspartner

EJBW Weimar, Association Blois-Weimar, Sokol Kulturzentrum Nowy Sacz (PL), Stadtjugendarbeit Hämeennlinna (F)